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Diabetes-Kids Elternblog: Pflegegrad 2 für Dreijährige Tochter mit Diabetes Typ I

Für alle interessierten Eltern möchten wir eine gute Neuigkeit veröffentlichen. Wir haben für unsere 3,5 Jahre alte Tochter einen Pflegegrad 2 erhalten - ohne ein Widerspruchs- oder Klageverfahren anstrengen zu müssen.

Liebe Eltern, wir wohnen in Niedersachsen im Landkreis Wolfenbüttel. Im März 2016 wurde bei unserer damals noch zweijährigen Tochter Diabetes Typ I festgestellt. Nach den ersten Wochen der Umstellung, des Lernens und des Versuchs, unseren Alltag soweit wie möglich ohne große Veränderungen zu bewältigen, machten wir uns an den Papierkram und beantragten einen Schwerbehindertenausweis und eine Pflegestufe (seit 2017 ist die neue Bezeichnung "Pflegegrad"). Den Grad der Behinderung von 50 erhielt unser Kind ohne weitere Anstrengungen. Die Pflegestufe wurde abgelehnt. Auch ein Widerspruch führte nicht zum gewünschten Erfolg.

Mit dem Wissen, dass sich ab 01.01.2017 das Pflegegesetz ändern würde, verzichteten wir auf weitere rechtliche Schritte. Eine Recherche zu der damaligen Rechtsprechung hatte ergeben, dass die Erfolgsaussichten einer Klage als sehr gering einzustufen waren. Jedoch legte ich unseren Antrag nicht ad acta, sondern setzte oben auf das Schreiben das Datum 01.01.2017, legte mir eine Wiedervorlage und verschickte unseren Antrag auf Pflegegeld nach § 37 SGB XI direkt am 01.01.2017 an unsere Pflegekasse. Der Antrag erfolgte formlos in einem kurzen Schreiben. Den Pflegegrad habe ich allgemein beantragt. Meinem Schreiben hatte ich eine kurze Begründung beigefügt.

Aufgrund der Vielzahl von Anträgen mussten wir ziemlich lange auf eine Rückmeldung warten. Anfang Mai besuchte uns dann der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) und wir mussten sämtliche Angaben zur Behandlung und Begleitung des Diabetes, unserer Wohnsituation und der Fähigkeiten und Einschränkungen unserer Tochter machen. In dem Gespräch teilte ich jedes noch so kleine Detail über unser Leben mit dem Diabetes mit. Diesbezüglich hatte ich mir im Vorfeld bereits Notizen gemacht. Zudem hatte ich schon Erfahrungen aus dem Jahr 2016 sammeln können, da der MDK uns aufgrund des damaligen Antrages und Widerspruchs bereits zweimal besucht hatte. Wichtig ist es, genau aufzulisten, was wir rund um die Uhr für den Diabetes tun, welche Nachteile und Einschränkungen dadurch erlebt werden und wie sehr die ständige Beobachtung und Behandlung unsere Zeit und die unserer Kinder beansprucht und welche Auswirkungen dieses auf ihre Selbständigkeit hat. 

Nach dem Besuch des MDK warteten wir ungeduldig auf die Rückmeldung der Pflegekasse. Diese erhielten wir ca. 2-3 Wochen später. Und tatsächlich - unsere Tochter erhielt im ersten Anlauf den Pflegegrad 2 rückwirkend zum 02.01.2017. Dies bedeutet nicht nur, dass wir ein monatliches Pflegegeld in Höhe von 316 Euro erhalten. Es gibt auch einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich für Pflegesachleistungen. Wir haben dafür eine Haushaltshilfe über einen Pflegedienst erhalten, welche uns einmal wöchentlich für eine Stunde im Haushalt unterstützt. Weiterhin können nach Ablauf von sechs Monaten die Kosten für Verhinderungspflege geltend gemacht werden. Diesbezüglich haben wir noch keine Erfahrungen gesammelt. Eine Nachbegutachtung erfolgt für uns erst im Jahr 2020, bis dahin wird der Pflegegrad 2 uneingeschränkt fortbestehen. Ich möchte mit diesem Artikel allen Eltern mit einem Kind mit Diabetes Mut machen und sie motivieren einen Antrag auf Zuteilung eines Pflegegrades zu stellen.

Über die Redaktion stehe ich für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Tags: Elternblog, Pflegegeld, Rechtliches, Blog

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Muttervondrei antwortete auf das Thema: #115908 05 Mai 2021 16:36
@MatHar vielen lieben Dank für deine Datei, ich habe mir diese kopiert als Muster und werde weiter für unseren Sohn die Pflegestufe beantragen. Wir sind bei der zweiten Begutachtung, ich bin gespannt wie diese dann ausfallen wird.
Kurz als Hintergrund, unser Sohn ist 2 Jahre alt von September 2018, wir haben im Februar durch Zufall den Blutzuckerwert messen lassen beim Kinderarzt.
Wir haben in dem ersten Gutachten 20 Punkte erhalten für die Medikation alles andere mit voll erfüllt. 
Es macht mir Mut zu lesen, dass ihr alle ähnliche Erfahrungen gemacht habt und eure Pflegestufe 2 erhalten habt.
Ganz lieben Dank für die Informationen, als Neuling ist das Goldwert. DANKE!
Lema antwortete auf das Thema: #114903 29 Okt 2020 20:48
@MatHar
Hab vielen Dank für die detaillierte Antwort! Das ist goldwert, da solche Infos leider nirgends zu finden sind. Das macht wirklich Mut. Wir werden auf jeden Fall Klage erheben und weiter machen.
Herzliche Grüße und alles Gute für die Kleine!
Cheffchen antwortete auf das Thema: #114900 29 Okt 2020 14:53
komisch, denn neue Beantragen empfiehlt sonnst immer nur KK, da sie ja dann erst ab diesen Datum Zahlen müssen und das vorige damit hinfällig wird und so mal schnell ein paar Tausend € Sparren können.
MatHar antwortete auf das Thema: #114899 29 Okt 2020 13:28
@Lema
Ja, wir haben die Klage beim Sozialgericht eingereicht und gleichzeitig einen neuen Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse eingereicht.
Das wurde uns damals von der Gutachterin empfohlen, welche wir nach dem ersten MDK-Gutachten damit beauftragt hatten ein MDK-unabhängiges Gutachten zu erstellen.

Das Abwehrverhalten wurde uns erst ab dem 3. MDK-Gutachten - also das 1. Gutachten nach erneuter Pflegegradbeantragung - anerkannt.

Wir wohnen in Sachsen-Anhalt.

Am 30.07.2019 bekamen wir das Schreiben der Pflegekasse, dass aufgrund des Schreibens der Rechtsanwältin der MDK um eine erneute Begutachtung gebeten wurde (5. Gutachten ohne erneuten Besuch). Das Ergebnis: bei unserer Tochter liegt Pflegebedürftigkeit nach Pflegegrad 2 vor. Ab dem 28.09.2018 (Datum der Neubeantragung) wird Pflegegeld gezahlt.

Um den 20.05.20 haben wir durch die Klage vor dem Sozialgericht auch für den Zeitraum von der ersten Beantragung 01.2018 bis 28.08.2018 rückwirkend den Pflegegrad 2 erhalten.

Die Pflegekasse musste alle Gerichts- und Anwaltskosten zahlen.

Im Anhang seht ihr die Übersicht mit den Bewertungen der einzelnen Gutachten und unserer Einschätzung/Bewertung der damaligen Situation (genannt "tatsächliche Situation").

Grüße und allen viel Erfolg!

PS:
Ergänzung 5. Gutachten
Punkt 4.5.2 Injektionen 290/Monat
meint natürlich nicht Katheter setzen, sondern Insulingaben.
Lema antwortete auf das Thema: #114898 29 Okt 2020 12:25
Danke für die detaillierte Auflistung der Punkte. Das hat uns beim Widerspruch sehr geholfen.
Habt ihr einen neuen Antrag auf Pflegegeld gestellt, während das Klageverfahren noch lief? Habe ich das richtig verstanden?
Wurde euch das Abwehrverhalten beim ersten Gutachten anerkannt oder erst später?
In welchem Bundesland wohnt ihr, wenn ich fragen darf?
zu welchem Datum wurde PG2 anerkannt?

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