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Diabetes is wie Verstecken spielen oder ganz anders.....

Heute was von mir, quasi Angela bloggt ? Lesen oder weiter scrollen, dies is jetzt die Frage......

Diabetes ist wie Verstecken spielen, nur anders oder so. Aber was hat dieses beliebte Spiel meiner Kindheit nun mit dem Diabetes meines Sohnes  zu tun?!? Zugegebenermaßen wenig, auf den ersten Blick. 

Davon aber gleich mehr. Wie erwähnt: lang, viel zu lang. Sollte es Jemand bis zum Schluss lesen, Respekt ?

Nun aber zurück zum anfänglichen Gedanken: Verstecken! 

Nun ja, beim Versteck spielen, wird ja auch Etwas versteckt, was man nur erschwert finden soll. Darin bin ich gut! Ich kann aber auch Wiederfinden. In unserem Hause verschwinden ja bekanntermaßen Socken. Aber nicht nur das: auch Brotdosen, manchmal sogar samt Inhalt, längst auf dem Weg zur Metamorphose. Was alles aus einem Brötchen werden kann, man glaubt es kaum. Besonders gerne aber auch Teststreifen. Die verstecken sich bevorzugt auf ihrem Weg in den Mülleimer, da kommen sie nämlich selten an. Wie von Zauberhand tauchen sie dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf, liegen in sämtlichen Ecken und denken sich vermutlich, sie können sich besonders gut verstecken. Wobei, ob Teststreifen denken können? Ich glaube nicht. Eines verstehe ich nicht, mein Sohn findet sie nur selten wieder. Irgendwas stimmt da nicht, hab ich etwa den ultimativen Teststreifenblick und er nicht?! Auch der Empfänger des CGM Gerätes hat magische Fähigkeiten, was das Verstecken betrifft, bevorzugt in Fußballtaschen. Warum auch Empfang haben?! Er verhält sich da wohl ähnlich, wie mein Schlüssel in meiner Handtasche, nur steht der nicht auf Empfang, nur griffbereit soll er sein. Vielleicht kommen dem Einen oder Anderen meine Gedanken bekannt vor, manchmal gibt es ja Parallelen, oder auch nicht. 

By the way....längst geht es in meinem Leben nicht mehr um das Verstecken hinter Bäumen oder nur um das Wiederfinden von eher banalen Gegenständen. 

Manchmal, nur ganz selten, in diesen hochsensiblen Momenten, frag ich mich, wo hat sich bloß mein Leben "vor" Diagnose versteckt, wo is die Unbeschwertheit geblieben? Ich weiß, ich bin prinzipiell ein Optimist, mein Glas eher halb voll, als halb leer, geh meist mit Zuversicht durchs Leben, eben, nur diese "unbeschwerte Leichtigkeit" ist irgendwo auf der Strecke geblieben.....ihr wisst was ich meine. 

Zack, drei Jahre fast um. Am 10. November jährt sich die Diagnose. Ja, ich erinnere mich an die Gefühle, an fast jeden Moment, nur nicht daran, wie ich mit meinem Sohn von der Notfallambulanz auf die Station kam, Treppe oder Aufzug, wer weiß es schon, aber es steckten bereits Zugänge in seinem doch viel zu kleinem Arm, wenn er auch "bereits" zehn Jahre alt war. Auch sonst ist alles noch da, sehr präsent. Dies mach ich jetzt aber mit mir aus und erspare Euch den Rest: es geht ja ums Verstecken! 

Warum auch jetzt bedrückt sein, bald können wir wieder Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinken, den Duft von gebrannten Mandeln in der Nase, ein Lichterglanz in der Dunkelheit erleben.....ach, auch so ein November kann schön sein. Kann er. Könnte er. Vielleicht, aber erst der 11.11........ 

Wenn ich ehrlich bin, wir sind ja unter uns, also wenn ich so nachdenke und warte bis die Wolken wieder lila sind, muss ich zugeben ich bin ein Meister des Selbstbetruges, ein Verdrängungsexperte. Nur merke ich es kaum. Das mach ich richtig gut. Als sei es Strategie geworden, als hätte mein Gehirn sich in den letzten Jahren daran gewöhnt es auszublenden. Diese Sorgen und diese Ängste, mit Blick auf die Zukunft meines Kindes, spüre ich kaum, vielleicht weil ich einfach funktioniere und darüber wenig bewusst nachdenke. Obwohl, spüren, kann ich auch.....

Also, wenn ich besonders empfindsam bin, wenn ich die Gedanken zulasse, dann überfallen mich diese verdrängten Diabetes Gefühle. Diese Angst vorm Schwimmen in offenen Gewässern, ein Alptraum für mich. Der Konsum von Alkohol, nicht jetzt aber sicher irgendwann. Der Führerschein und damit verbunden das Fahren eines Autos im Straßenverkehr, immer Verkehrsübungsplatz geht wohl leider nicht oder doch? Die Angst vorm Tod durch Unterzuckerung. Die Angst vor Folgeerkrankungen. Die Angst vor der Zukunft allgemein.....aber hier erlaube ich mir jetzt kein Weiterdenken! Stoppe meine Gedanken genau hier! Ich will mich nicht in meinen Ängsten und Sorgen verrennen. Wir spielen hier ja nicht Fangen. Es geht ja ums Verstecken.....

Mein Sohn wollte Pilot werden, dies wird er nicht. Es geht jetzt nicht darum, ob er könnte, wenn er wollte. Ich würde ihn auch gerne mit Leichtigkeit zwei Wochen "alleine" mit einer Jugendgruppe verreisen lassen,  zum Glück will er nicht, tja......! Auch hier geht es nicht darum, ob er könnte, wenn ich könnte und wollte. Es geht um Ängste! Verdrängte!

Ich erinnere mich genau: ich stand in der Küche eines Dia-Vaters und säuberte Kartoffeln, eigentlich keine große Sache und während ich dies tat,  überfiel mich eines "meiner" Ängste! Ich lauschte seinen Worten, sie haben sich in mein Herz gebrannt. Er erzählte, scheinbar nebenbei, von einen jungen Menschen, der an einer Unterzuckerung verstarb. (Moment, hatten Sie in der Klinik nicht gesagt, davon wird man wach?! ?). Als Kind fuhr er wohl mit an den Edersee, hatte sicher viele Freunde, eine Familie, die ihn liebte. Ich kenne seinen Namen nicht. Ich kenne seine Familie nicht. Ich kenne nur diesen einen Teil seiner Lebensgeschichte. Als er an dieser Unterzuckerung verstarb, lebte er wohl schon alleine und hatte vielleicht einen Wein oder ein Bier getrunken, ist das verwerflich? Nein, dies ist es nicht. Vielleicht war es aber auch ganz anders und ich hab ganze Teile verdrängt. Er hat den Kampf verloren. Ich schenk ihm und seiner Familie, unbekannterweise, meine aufrichtigen Gefühle. Und auch heute muss ich bei der Erinnerung schlucken, da gibt es nichts zu verstecken. 

Nun aber zurück zu meinen Kartoffeln! Während mein Gehirn noch krampfhaft versuchte, der Situation Herr zu werden, meine Verdrängungsmechanismen waren bereits in Alarmbereitschaft, säuberte ich weiter Kartoffeln, konzentrierte mich, wollte den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Doch  ein paar Tränen suchten sich ihren Weg, unbemerkt. Mein Gegenüber bekam davon nichts mit, bereitete weiter das Essen vor und erschien äußerlich gefasst. Und ich? Ich putzte und weinte leise, auf meine eigene Art und Weise. Das nennt man dann wohl Meister im Verstecken! Bin ich jetzt Gewinner oder doch eher Verlierer? Warten bis die Wolken wieder lila sind. Ein weiteres Zeichen meines Selbstbetruges. Kartoffel sei Dank, ich hatte mich wieder im

Griff oder hätte ich meinem Schmerz einfach deutlicher Ausdruck verleihen sollen? Ich bin wie ich bin und fühle mich damit im Grunde ganz gut.

Vor ein paar Tagen lag keine Kartoffel bereit, als mein Sohn mich unerwartet fragte, es war wohl mehr eine dieser Suggestivfragen: ,,Mama, wegen Diabetes muss man doch nicht früher sterben?". 

Da war er wieder, dieser Moment, ich musste schlucken.....fürs Verstecken blieb keine Zeit, warum auch?! Mal ganz ehrlich, warum sollten wir uns verstecken, hinter Bäumen oder Hecken?! Wir sollten lernen unsere Gefühle zu zeigen. Wir konnten gut darüber reden, mein Lieblingssohn und ich, auf unsere Weise, uns ging es gut dabei! Ich bin dankbar und glücklich ihn in meinem Leben zu wissen und werde alles dafür geben ihn zu begleiten, ihn zu stärken, ihn zu stützen und ganz wichtig auch mich nicht aus den Augen verlieren! Auch meine eigenen Ängste und Sorgen erkennen, zeigen und annehmen gehört für mich dazu. Ich bin bereit! Nicht erst jetzt, wo ich diese Worte schreibe. Längst ist mir klar, ich spiele nicht nur Verstecken, mein Leben ist viel facettenreicher. 

Nur manchmal, ist es halt auch mal nötig, mich selber kurz zu schützen und dann kann ich bewusst auch mal verstecken hinter Hecken, weil ich weiß, ich kann auch anders. Ist mein Glas halb voll und nicht halb leer ist, brauch ich so Augenblicke auch mal für mich. Lasst uns das Leben leben, wir haben nur das eine, mit und ohne Diabetes.

Nun komm ich langsam zum Ende. Ich bin also weit mehr, als nur Verdrängungsexperte, Meister des Selbstbetruges, (vielleicht war dies auch leicht provokant genannt) und das freut mich sehr, denn nur verstecken macht auf Dauer keine Freude, eher krank. Aber Jeder macht dies für sich selbst aus, ob offen, versteckt, laut oder leise. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Keine Regeln. Geht Euren Weg und passt auf Euch auf! 

Genug der Worte! 

DU hast es tatsächlich bis zum Schluss gelesen?! Respekt! ?

Tags: Elternblog, Blog

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