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Diabetes-Kids Elternblog: Hunger - Mit dem Essen kommt oft der Frust

Es gibt viele Formen des hungrig sein. Hungrig nach Neuem. Nach Action oder nach dem Leben an sich. Ich aber meine den essenziellen Hunger nach Nahrung. Das, was den Bauch füllt und satt macht! Essen sollte Lust und keinen Frust erzeugen! Diesen Umstand haben wir mit dem Einzug von Mister Diabetes an den Nagel gehängt. Was hat unser Sohn gebrüllt, wenn sein Fläschchen leer war und nur noch der Schnuller als Nachtisch gereicht wurde. Schon mal morgens in der Küche gestanden und Möhren zum Frühstück gekocht? Die obligatorische lutsch-Bretzel-bis-sie-sich-auflöst schied für uns aus. Dafür gab es Reiswaffeln. Geschmacksneutrales Styropor, was, wenn er andere Artgenossen sah, die zufrieden ihre Kekse kauten, schnell an Attraktivität verlor. Essen war von Anfang an ein Thema, was immer wieder Ärger, Frust und Aggression erzeugte. Dies hat sich bis heute nicht geändert.

Lassen wir die Ernährungspyramide getrost beiseite. Mit Mister Diabetes, macht essen im vorpubertären Alter keinen Spaß. Das ist, wie wenn man ausgehungert in einem Fünfsternerestaurant sitzt. An Geschirr wird nicht gegeizt, doch sehr wohl mit dem, was auf dem Teller liegt. Klasse statt Masse.

Mit dieser Philosophie erreiche ich bei unserem Sohn nur eins, und zwar die erste Bock-Attacke, bevor es mit Essen überhaupt losgeht! Ein Beispiel unseres täglichen Wahnsinns:

 "Vulkanausbruch auf saftigen Auen" *(Erläuterung, siehe unten) Unsere Tochter hat ihr Häufchen und unser Sohn? Der ist weder mit einem Haufen noch mit dem Vesuv zufrieden. Nein, er will den acht KE Mount Everest! Es folgt eine Diskussion. Die acht KE werden auf sechs heruntergehandelt. Unter lauten Protest. Es fliegen Worte wie:

"Du bist so gemein!"

"Nie darf ich essen, wie viel ich will"

"Ich habe aber so einen Hunger!"

Letzter Aussage trifft mich besonders. Sie ist wie der Zeigefinger in einer eitrigen Wunde. Es tut weh! Höllisch. Laut unserer Diabetologin, soll er pro Mahlzeit nicht mehr als vier KE essen. Würde ich mich stets daran halten, da bin ich mir sicher, wäre unser Sohn schon längst ausgezogen.  

Entspannt am Tisch sitzen geht nur dann, wenn ich mit dem Nichtdiabetiker allein bin. Doch selbst das wird einem nicht gegönnt, denn dann kommt das schlechte Gewissen. Inklusive die Retourkutsche, wenn das geliebte Schwesterherz die Rabenmutter verpetzt. Da bleibt einem jedes Spaghettieis im Halse stecken. 

* Damit ist ein Häufchen Kartoffelbrei gemeint, der mit Tomatensoße gefüllt wird. Auf einer Seite läuft sie heraus. Um den Kartoffelbrei liegt Brokkoli.

Tags: Elternblog, Blog

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