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Diabetes-Kids Elternblog: Expertennervnasen braucht kein Mensch

Ehrlich, ich höre mir gerne Expertenmeinungen an! Gern auch Zweit-, Dritt- und Viertmeinungen... Meist kann man meist ja von jeder das ein oder andere mitnehmen und anwenden.

Aber irgendwo muss ein Experte auch mal akzeptieren können, dass er unser Leben nicht kennt und dass der ein oder andere seiner Vorschläge für uns nunmal nicht in Frage kommt!

Vor einigen Tagen drängte mir im Internet so ein Experte seine Hilfe auf: wir sollen die BR (bei gleichbleibender Gesamthöhe) komplett ändern, den Zielwert/bereich von 90-140 (womit wir seit Jahren gut zurecht kommen) auf 100-100 ändern und die Insulinwirkzeit in der Pumpe auf 4 h stellen. 

Angeblich wirkt Humalog IMMER 4 h. 

Meinen Einwurf, dass kleine Dosen Analoginsulin doch wohl unmöglich 4 h wirken (bei Faktoren von 0,7-0,5-0,4 bekommt Lars selbst bei einem ausbiebigen Essgelage praktisch nie mehr als 5 IE, meistens sind es eher so 0,1 bis 2,5 IE), beachtete der Experte nicht weiter. 

Angeblich würden wir unseren Sohn so durch zu frühe Korrekturen permanent in Hypos schießen. Logisch! 
Das passiert vielleicht alle paar Wochen mal und auch dann ist der BZ fast nie unter 60. (So manch ein anderer Experte vertritt ja die Meinung, erst unter 50 könnte man von einer Hypo sprechen.)
Ansonsten landen wir vielleicht mal mit einer Korrektur auf Zielwert 140 bei 85. Das ist dann zwar "übers Ziel hinaus geschossen", aber eben bei weitem noch keine Hypo.

Wenn wir die Insulinwirkzeit auf 4 h stellen, heißt das im Klartext, dass wir außer nach Mitternacht bzw. zum Aufstehen NIE korrigieren können. Nach 2-3 h wird ja immer schon wieder etwas gegessen und neues Insulin beginnt zu wirken. (Sorry, aber dazu nur 3 mal am Tag zu essen, bekomme ich meinen Sohn beim besten Willen nicht!)

Natürlich ist man nicht an den Vorschlag des Bolusexpert gebunden, aber wenn ich ihn permanent "übergehe" und dann doch früher korrigiere, kann ich mir das mit den 4 h auch gleich sparen. Ganz davon abgesehen, dass Lars die Anweisung hat, die Vorschläge in der Schule grundsätzlich zu akzeptieren, weil ihm ohnehin Zeit und Lust fehlen selber zu rechnen. 

Nun sagt ja manch ein Schlaumeier, wenn wir alles so machen, wie er es für richtig hält, müssen wir nichts mehr korrigieren. Diese Rechnung dürfte aber erst aufgehen, wenn Ostern zufällig mal auf Pfingsten fällt. Bis dahin muss nämlich das Mensaessen in der Schule geschätzt werden, ebenso wie die bei in der Klasse wöchentlich von irgendwem mitgebrachten Geburtstagsmuffins und aus anderen Anlässen verteilten Süßigkeiten. Von den eingeplanten und dann ausgefallenen Sportstunden ganz zu schweigen...
Den dadurch erhöhten BZ dann bis Mitternacht "stehen zu lassen", kann ja wohl kaum die Lösung sein. Sowas nennt man "den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", nur mit dem Unterschied, dass wir gar keinen Teufel haben, sondern höchstens ein klitzekleines, niedliches Teufelchen, mit dem wir ganz gut leben können. 

Nach all den guten Ratschlägen, habe ich mich so aufgeregt, dass ich die halbe Nacht nicht schlafen konnte. 
Ich kann es nunmal schlecht vertragen, wenn man mich für ignorant hält, wo ich mir täglich den Kopf zerbreche, was man sinnvollerweise an Lars' Therapie verbessern könnte, ohne gleichzeitig etwas anderes (und wäre es "nur" seine Krankheitsakzeptanz) zu verschlimmbessern.

Nachdem ich zweimal darüber geschlafen habe, muss ich nun sagen: nicht Eltern, die nicht bei jedem Expertenvorschlag gleich "Hurra, das machen wir!" schreien, sind ignorant, sondern Experten, die sich anmaßen beurteilen zu können, was in das Leben eines Patienten passt bzw. was nicht. 

Das musste einfach mal gesagt werden!

 

(Und einen lieben Gruß an alle Experten, die mehr Einfühlungsvermögen besitzen.)

Tags: Elternblog, Blog, Expertenrat

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