Werde unser Facebook Fan

                                     

Diabetes-Kids Elternblog: Diabetes-Mütter und Väter. Im Minenfeld zwischen Wünschen und Realität.

Ist Perfektionismus im Diabetes-Management etwas für Anfänger, Idealisten oder Fortgeschrittene? Da Mister Diabetes seit neun Jahren bei uns wohnt, scheidet das Erste schon einmal aus. Dennoch, als Anfänger war ich hochgradig konsequent! Immer schön aufs Gramm genau. Immer genau, was der Arzt gesagt, empfohlen oder nahegelegt hat. Leider ist es so, dass man in diesem Anfängerstadium, seine Ideale getrost über Bord werfen kann. Ich rede von der körperlichen und seelischen Unversehrtheit und bitte ja keine Unterschiede in der Erziehung machen!  Alles steht im krassen Gegensatz zueinander. Es ist wie ein Minenfeld. Nur eine Frage der Zeit, bis einen alles um die Ohren fliegt! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schier unmöglich ist, alles unter einen Hut zu bekommen. Dabei wird von uns Diabetes-Müttern und Vätern ein hohes Maß an Perfektionismus eingefordert! Ganz zu schweigen, von unseren Kindern. Ist es also nur pures Glück, das ich nicht geschieden, keinen meiner Freunde über den Jordan geschickt, meinen Job behalten und sogar noch ein zweites "stoffwechselgesundes" Kind bekommen habe? Ich weiß es nicht. Nur so viel, dass ich irgendwann aufgehört habe PERFEKT sein zu wollen.

Ein Optimist bin ich dennoch geblieben. Oh ja! Ich strebe immer noch optimale Traumwerte an. Obwohl mich oft das dumpfe Gefühl beschleicht, dass es so etwas nur in Märchen gibt.  Man starrt auf das Messgerät. Fünf Sekunden werden herunter gezählt.  Lotto für Diabetes-Mamis! Man hofft. Fiebert mit. Und dann? Freude. Ernüchterung. Resignation! Es ist unglaublich, wie viel Macht ein Blutzuckermessgerät über uns hat. Ein paar Zahlen entscheiden ob wir uns glücklich, unglücklich oder euphorisch fühlen. Ich will das gar nicht, kann mich dem aber nicht entziehen.  Der Blick unseres Sohnes, wenn er ein Eis es möchte und der Wert bei 480 mg liegt. Der tut mindestens genau so weh, als wenn er sich ausgelassen freut, weil er einen niedrigen Wert hat. Dann ist nämlich eine Extraportion Gummibärchen fällig!

Zähle ich nach neun Jahren aber nun zu den Fortgeschrittenen? Nur weil ich mit schlafwandlerischer Sicherheit so fast jedes Essen abschätzen kann?  Und obwohl ich zu der Gattung Blindfisch (mit dem Zusatz: Gleitsicht-Blindfisch) gehöre, reicht es noch allemal dazu aus, im Lokal mit Bravour zu bestehen. Ich hätte es nie für möglich gehalten, doch DAS ist wirklich eine Übungssache. So ganz blöd ist der Mensch dann wohl doch nicht! Mein Mann schwört an dieser Stelle lieber auf seine Kohlenhydrat-App. Damit will ich nicht sagen, dass er blöd ist, nur etwas faul. Der größte Fehler meinerseits war, dass ich ihm damals viel zu viel abgenommen habe. Ich hätte Vater und Sohn öfter ihrem Schicksal überlassen sollen. So sind wir Mütter. Liegt an den Genen. Wir meinen ohne uns ginge die Welt unter. Dabei herrscht nur in der Küche und bei der Wäsche sortieren; tiefste Sonnenfinsternis. Solange mein Mann sein Telefon hat, ist er für alle Unzulänglichkeiten des Lebens bestens gerüstet! Wenn du einmal nicht weiter weißt: Frag dein Smartphone! Das weiß wirklich alles! Vorausgesetzt Mann hat ein Netz.

Ich glaube, ich werde nie wirklich eine Fortgeschrittene werden. Auch nicht mein Mann. Aus einen ganz einfachen Grund. Uns fehlt etwas ganz Entscheidendes. Mister Diabetes! Wir werden nie das Perfekte tun oder lassen können, weil nicht wir die Diabetiker sind, sondern unser Sohn. Der wird unbestritten DER Experte werden! Dieser Gedanke hat durchaus etwas Tröstendes. Alles, was wir tun können ist, Wissen zu vermitteln und Unwissen zu verhindern.

Das klappt besonders gut, wenn unser Sohn am wenigsten damit rechnet. Zum Beispiel wenn er schläft. Vor lauter Tatendrang kann ich kaum noch an mich halten. Es ist doch so ein tolles Gefühl gebraucht zu werden nicht? Um ein Uhr. Um drei Uhr morgens. Ich liebe es. Na klar. Und die Erde ist eine Scheibe! Trotzdem mache ich es immer und immer wieder. Manche Dinge ändern sich. Manche nicht. Andere lösen sich wohl erst mit dem Auszug aus dem Elternhaus in Luft auf.

Tags: Elternblog, Blog

Drucken E-Mail

Diskutiert diesen Artikel im Forum (2 Antworten).

Login