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WHO-Bericht verdeutlicht, dass Gesundheit bei Jugendlichen nicht gerecht verteilt ist

Kopenhagen, 02. Mai 2012 --- Aufgrund der weit verbreiteten Ungleichheiten sind viele junge Menschen in den Ländern der Europäischen Region der WHO sowie in Nordamerika nicht so gesund, wie sie sein könnten. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht zur Studie über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC-Studie), der vom WHO-Regionalbüro für Europa veröffentlicht wurde.

„Das Jugendalter ist eine entscheidende Lebensphase, in der die jungen Menschen den Grundstein für mehr oder weniger Gesundheit im Erwachsenenalter legen“, sagt Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. „Der Bericht verdeutlicht, dass die Situation in der Europäischen Region insofern nicht gerecht ist, als Gesundheit durch Alter, Geschlecht, geografische Lage und Wohlstandsniveau der Familie maßgeblich geprägt wird. Aber es muss nicht so sein. Mit diesem Bericht erhalten politische Entscheidungsträger die Gelegenheit, sich für die Gesundheit der nächsten Generation einzusetzen. Die jungen Menschen haben die durch die HBSC-Studie gebotene Chance genutzt, sich Gehör zu verschaffen. Jetzt ist es an uns, denen ihre Wünsche und Ziele, ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen am Herzen liegen, darauf zu reagieren.“

Prof. Candace Currie, Koordinatorin von HBSC International bei der University of St Andrews (Vereinigtes Königreich), kommentiert: „Die Ungleichheiten hinsichtlich der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen machen Konzepte und Maßnahmen auf nationaler wie internationaler Ebene erforderlich, die allen jungen Menschen die Chance eröffnen, ihr heutiges und künftiges Potenzial in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden voll auszuschöpfen. In den Programmen zur Gesundheitsförderung sollten daher Aspekte wie Alter, Geschlecht und sozioökonomische Unterschiede gebührend berücksichtigt werden, und es sollte eine Situation angestrebt werden, die allen jungen Menschen gerecht wird. Dieser Bericht ist insofern weltweit einzigartig, als er ein umfassendes Bild von der Gesundheit und dem Wohlbefinden junger Menschen liefert, und er ist unverzichtbar als solide Evidenzbasis, die für politische Entscheidungen herangezogen werden kann.“

Der Bericht gibt die Ergebnisse der HBSC-Studie 2009/2010 wider, die in 39 Ländern und Regionen innerhalb der Europäischen Region der WHO und Nordamerikas durchgeführt wurde. In der Untersuchung wurden Daten von 11-, 13- und 15-Jährigen zu insgesamt 60 Fragen erhoben, die in Verbindung mit ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden, ihrem sozialen Umfeld und ihren Verhaltensweisen stehen. Die HBSC-Berichte werden seit 1996 alle vier Jahre veröffentlicht.

Unterschiede zwischen den Ländern

Aus dem neuesten Bericht geht hervor, dass es beträchtliche Ungleichheiten zwischen den einzelnen Ländern gibt. So lagen etwa die Raten für Übergewicht und Adipositas für 11-jährige Mädchen zwischen 30% in den Vereinigten Staaten und 20% in Portugal und nur 5% in der Schweiz. Der Anteil der jugendlichen Raucher, der unter den 11-Jährigen noch weitgehend gleich ist (unter 1%), entwickelt sich bis zum Alter von 15 Jahren je nach Land äußerst unterschiedlich und beträgt in Österreich und Litauen über 25%, in Norwegen und Portugal dagegen nur 10%. Dies deutet darauf hin, dass es möglich ist, die sozialen Rahmenbedingungen zum Nutzen der Gesundheit junger Menschen zu verändern.

Auch die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen in der Schule sind sehr uneinheitlich; so gaben 89% der 11-jährigen Mädchen in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien an, gern in die Schule zu gehen, während es in Kroatien nur 17% waren.

Langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit von Jugendlichen

Gesundheitliche Ungleichheiten entstehen oder verschärfen sich im Jugendalter und können in dauerhaften Ungleichheiten im Erwachsenenalter münden, wenn etwa das schulische Potenzial nicht ausgeschöpft wird. Das Jugendalter ist unbestritten eine Schlüsselphase für die seelische Gesundheit; dies gilt in besonderem Maße für Mädchen. Bei ihnen nimmt die Zufriedenheit mit dem Leben in der Phase zwischen 11 und 15 Jahren ab. In Polen und Schweden beträgt die Abnahme ca. 15%, während sie dort für Jungen nur etwa 5% beträgt.

Darüber hinaus nehmen gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen in den jugendlichen Jahren zu. So erhöht sich in der Phase zwischen 11 und 15 Jahren der durchschnittliche Anteil der Jugendlichen, die angeben, mindestens einmal wöchentlich zu rauchen und zu trinken, um 17 Prozentpunkte. Viele dieser jungen Raucher setzen diese Gewohnheit über das gesamte Erwachsenenalter fort. In ähnlicher Weise ist ein frühes Einsetzen sexueller Aktivität ein wichtiger Marker für eine schlechte sexuelle Gesundheit im Erwachsenenalter, aber auch für andere riskante Verhaltensweisen im Jugendalter. Aus dem Bericht geht hervor, dass im Durchschnitt 26% der 15-Jährigen sexuell aktiv sind. Gleichzeitig nehmen gesundheitsförderliche Verhaltensweisen wie regelmäßiges Frühstücken und der Verzehr von Obst ab.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern

Jungen und Mädchen weisen in Bezug auf gesunde und ungesunde Verhaltensweisen unterschiedliche Muster auf; dies gilt insbesondere für die Altersgruppe der 15-Jährigen. Auch wenn Jungen generell in allen Altersgruppen häufiger in Kämpfe und Schikanen verwickelt sind, so trägt ein Junge in Lettland ein 12-mal höheres Risiko, solchen Schikanen ausgesetzt zu sein, als ein Mädchen in Italien.

In Armenien waren in der Altersgruppe der 15-Jährigen fast fünfmal so viele Jungen wie Mädchen schon mindestens einmal betrunken. Dagegen sind in den skandinavischen Ländern und im Vereinigten Königreich unter den 15-Jährigen mehr Mädchen als Jungen schon einmal betrunken gewesen oder haben Geschlechtsverkehr gehabt. In Grönland gaben sogar 71% der befragten Mädchen an, schon Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Mädchen machen sich auch mehr Sorgen über ihr Gewicht und machen häufiger eine Diät, obwohl sie seltener als Jungen übergewichtig sind. Insgesamt gaben ca. 40% der 15-jährigen Mädchen an, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein, und 22% machten eine Diät, obwohl nur 10% tatsächlich übergewichtig waren.

Wohlstandsniveau der Familie

Es verwundert nicht, dass der Lebensstil wohlhabenderer Familien insgesamt gesünder ist, etwa durch einen größeren Verzehr von Obst, regelmäßiges Frühstücken und Bewegung. Er geht in der Regel auch mit einer besseren Kommunikation mit den Eltern, einer größeren Unterstützung durch Klassenkameraden und eine höhere Zahl enger Freunde, aber auch mit einer besseren seelischen Gesundheit einher.

In Bezug auf das Risikoverhalten ergibt sich dagegen ein komplexeres Bild. In vielen Ländern und Regionen hat das Wohlstandsniveau der Familie einen eher geringen Einfluss auf das Rauch- und Trinkverhalten, während andere soziale Faktoren, wie etwa der Einfluss der Gleichaltrigen, sich hier offenbar stärker auswirken. Ferner steigt das Verletzungsrisiko mit steigendem Familieneinkommen. So beträgt in Finnland der Unterschied in der Prävalenz zwischen den Familien mit dem höchsten und dem niedrigsten Wohlstandsniveau fast 20%.

Schützende Faktoren

Eine Unterstützung durch Familie und Klassenkameraden schützt junge Menschen vor negativen Einflüssen. Jugendliche, die angaben, mit ihren Eltern unbeschwert kommunizieren zu können, wiesen häufiger positive gesundheitliche Resultate auf. Die Unterstützung durch enge Freunde und Gleichaltrige ist auch ein starker Prädiktor für eine gute Gesundheit im späteren Leben. Je mehr Unterstützung junge Menschen von verschiedener Seite bekommen, desto höher ihre Chancen auf eine gute Gesundheit.

Der HBSC-Bericht zeigt, dass ein konsequentes Ansetzen an den sozialen Determinanten gesundheitlicher Ungleichheiten in Kindheit und Jugend junge Menschen in die Lage versetzen kann, ihr Potenzial in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden voll auszuschöpfen, und dass diese Ungleichheiten sich dann nicht im Erwachsenenalter fortsetzen und eine Vielzahl möglicher negativer Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft insgesamt nach sich ziehen.

Der Bericht ist der sechste in der Reihe „Gesundheitspolitik für Kinder und Jugendliche“ (HEPCA). Er wird offiziell auf einer Veranstaltung am 2. Mai in Edinburgh (Schottland) vorgestellt. Journalisten, die teilnehmen möchten, sollten sich an die nachstehend genannte Medienreferentin wenden.

Der Bericht und die wichtigsten Ergebnisse finden sich unter https://euro.sharefile.com/d/s089b2fe26d74d4ca und können nach dem 2. Mai von der Website des WHO-Regionalbüros für Europa (http://www.euro.who.int/HBSC) abgerufen werden.

Wichtigste Erkenntnisse und fünf Faktenblätter (http://www.euro.who.int/HBSC)

Studie über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC) [EN, RU]
http://www.euro.who.int/en/what-we-do/health-topics/Life-stages/child-and-adolescent-health/activities/adolescent-health/health-behaviour-in-school-aged-children-hbsc2.-who-collaborative-cross-national-study-of-children-aged-1115

Internationales Koordinationszentrum der HBSC-Studie [nur EN] http://www.hbsc.org

Weitere Auskünfte erteilen:

Vivian Barnekow
Programmleiterin, Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung
WHO-Regionalbüro für Europa
Scherfigsvej 8, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark
Tel.: +45 39 17 14 10
E-Mail: vbr@euro.who.int

Tina Kiær
Informationsbeauftragte, Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung
WHO-Regionalbüro für Europa
Scherfigsvej 8, DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark
Tel.: +45 39 17 12 50, +45 40 87 48 76 (Mobiltel.)
E-Mail: tki@euro.who.int

Quelle: Pressemeldung der WHO vom 2. Mai. 2012

Tags: Rechtliches

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