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Diabetes-Kids Elternblog: Liebe Mama - alles richtig gemacht!

Diesen Brief habe ich meiner Mama zum Muttertag geschickt (ich bin nicht nur Mutter einer Diabetikerin, sondern auch selbst seit meiner Kindheit Diabetikerin).

Dachte mir -  das tut vielleicht auch anderen "Dia-Müttern" gut. Klopft Euch alle mal auf die Schulter - ihr macht einen Wahnsinns-Job!

(natürlich ist das nicht der Brief ganz im Original - nicht alles davon gehört ins Internet - und ein paar Erklärungen für Leser, die nicht wie ich schon seit Jahrzehnten im Dia-Geschäft sind, wurden auch ergänzt...)

Liebe Mama - Danke für alles!

Erst seit meine Tochter selbst Diabetes hat ist mir bewusst geworden, was das eigentlich für dich bedeutet hat und was du das großartiges geleistet hast!

Im Vergleich zu mir hattest du nicht schon jahrzehntelanges Wissen über diese Krankheit - Nein! - das hast du dir einfach so, quasi über Nacht aneignen müssen.

Ich hatte nie das Gefühl krank, behindert oder irgendwie anders/benachteiligt zu sein und das war und ist dein und euer Verdienst.

Ich war grade mal 2, konnte mich selbst noch nicht so gut äußern, und es gab im Vergleich zu heute quasi keine Technik, die uns das Leben heute erleichtert. Von Sensoren, die bei zu hohen oder zu tiefen Werten Alarm geben konntet ihr nur träumen. Wie viele Jahre hast du dir jede Nacht um die Ohren geschlagen nur damit es mir gut geht? Und das ganz nebenbei - es waren ja meine Geschwister auch noch da, die dich gebraucht haben.

Ich hab wenig Erinnerungen an die ersten Jahre - nur ein paar Erinnerungen von denen ich nichts mehr wusste kamen die letzten Wochen und Monate doch hoch:

Ich erinnere mich an das riesige Messgerät, für das man gefühlt einen Liter Blut brauchte und bestimmt mindestens 5-10 Minuten um einen Blutzucker zu messen. Es war schwer und dick wie ein Telefonbuch (Messgeräte kamen grade erst auf  - ich glaube ihr musstest viel mit der Krankenkasse verhandeln - um es für zu Hause zu bekommen  - und auch Teststreifen waren rationiert (4 am Tag?!). Ich erinnere mich an das Blut "melken" - anders konnte man das nicht nennen - um die große benötigte Menge aus dem Finger zu bekommen - das waren bestimmt viele Kämpfe für euch... 

Danke!

Eine Situation im Kindergarten: Andere Kinder wollten nicht mit mir spielen - weil sie Angst hatten sich bei mir "anzustecken". Bis zu diesem Moment war mir gar nicht klar, dass ich "anders" bin und eine Krankheit habe. Du hast dich wie eine Löwin aufgeregt und dann die Kinder und ich glaube vor allem auch die Eltern aufgeklärt. Danach war das nie mehr Thema mit anderen Kindern im Dorf.

Heute weiß ich, warum Papa immer mit auf Vereinswochenenden oder (Mehr-)Tagesausflüge oder sonst was mitgefahren ist - es war nicht unser großes Auto (mit dem man einfach am meisten Schlafsäcke und Material transportieren konnte - so dachte ich als Kind-). Nein! - es war vermutlich auch die Sorge nach mir. Ich sollte alles unbeschwert mitmachen können - war aber doch noch zu klein um es alleine zu schaffen.

Danke!

Ich erinnere mich an einen Martinsumzug. Verschiedene Mütter hatten Martinsbrötchen gebacken, die alle in einen großen Korb kamen und am Ende an die Kinder verteilt wurden. Du hattest auch gebacken und vorab einen für mich auf die Seite, von dem Du wusstest wie viele BE er hat, aber ich wollte unbedingt einen aus dem Korb und hab mich nicht davon abbringen lassen - Ohje, was musst du geschwitzt haben  - damit hab ich dir wahrscheinlich die Nachtruhe geklaut - war mir damals natürlich nicht bewusst - Danke! Es gab diese Situation bestimmt ständig - nur ihr habt es geschafft, dass ich nichts davon mitbekommen habe und ganz unbeschwert Kind sein durfte.

Danke!

Ich erinnere mich, wie ich als Kind/Jugendliche heimlich Schokolade aus der Speisekammer geklaut und natürlich auch gegessen hab (natürlich ohne zu spritzen!) - hinterher habe ich es geleugnet und erklärt ich wisse auch nicht warum der Zucker so hoch ist... Natürlich hast du die Süßigkeiten-papierchen hinterher gefunden - was muss das für ein Stress für dich gewesen sein - ich war mir keiner Schuld bewusst...

Danke!

Später hab ich (in der Pubertät) Werte von 250 gemessen, aber ins Buch 150 eingetragen - du solltest dir keine Sorgen machen und mich nicht "nerven" - natürlich hat der HbA1c mich dann irgendwann verraten.

Du hast die schiefen Werte nachts wieder grade gebogen und dafür gesorgt dass ich lernte Süßigkeiten richtig zu berechnen und auch zu spritzen. Danke!

Ich erinnere mich an zahlreiche Besuche in der Uniklinik. Weniger an die Zeiten im Arztzimmer - eher an die Besuche im Labor (du hattest immer Sorgen , ich würde auch so weinen wie die Kinder vor mir - hab ich aber nie) oder an die ewige Zeit auf der Toilette - ich sollte eine Urinprobe dalassen - konnte aber nicht auf Kommando. Ich glaube das hat uns beide immer am meisten gestresst ;-) (zumindest in meiner Erinnerung).

Danke für deine Geduld und fürs Nervenbewahren!

Ich erinnere mich an zahlreiche Besuche bei der Krankenkasse - ich weiß noch genau, wie das Büro ausgeschaut hat und der Blick aus dem Fenster auf den Parkplatz. Nicht weit davon war ein Kiosk - da gab es danach öfters eine kleine "Belohnung" -irgendwas zum basteln oder so....

Heute haben wir eine Insulinpumpe und einen Sensor - ihr musstet damals um jeden BZ-Streifen und für ein neues BZ-Messgerät kämpfen - heute undenkbar (nur 4 Teststreifen am TAG!!)

Danke für das immer wieder kämpfen für die beste Therapie für mich!

Ja! - Danke für alles! Auch Danke für alles was hier nicht benannt wurde - Diabetes bei Kindern ist echt ein Fulltimejob - ich bin dankbar, dass ihr alles gegeben habt um mir ein möglichst normales Leben zu ermöglichen - nie habe ich miCH krank oder anders gefühlt. Ihr hattet immer einen Blick auf meine Werte - so dass mir auch heute bald 40 Jahre später nichts fehlt! Danke!

PS.: Und der doofen Schwester - die dir kurz nach meiner Erst-Manifestation Angst machte mit "Ihre Tochter wird mal nicht alt" und mit Blick auf deinen schwangeren Bauch: "und eigenen Kinder wird sie auch nicht haben" - haben wir ja eindeutig bewiesen was für ein Humbug das war!!!

Tags: Elternblog, Blog

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