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News zur Insulinpumpe

„PodArt“: Die Insulin-Patch- Pumpe wird zum Kunstobjekt

PodArt1Wer im Internet nach „OmniPod Art“ oder „Painted Pods“ sucht, stößt auf eine neuen Trend. Patch-Pumpenträger wie die 16-jährige Amélie bemalen ihre Pods – und zeigen sie der Welt.

Wenn Amélie von ihrer Insulinpumpe spricht, dann klingt das so: „Für mich ist die Pumpe kein Symbol für meine Krankheit, sondern ein guter Freund, der immer dabei ist, wenn ich etwas mache.“ Auf die Idee, diesen Freund zu verstecken, käme sie nie. Amélie ist 16, hat gerade die 10. Klasse beendet und wird in zwei Jahren Abitur machen. Sie ist fröh-
lich, optimistisch, kreativ und selbstbewusst. Dass sie Diabetes hat: „Sehe ich nicht als Belastung,“ kommentiert sie. „Blöd finde ich nur, wenn die Leute Vorurteile haben und den Diabetes mit Übergewicht oder Alter in Verbindung bringen.“

PodArt2PodArt4Alle drei Tage ein neues Motiv
Amélie trägt die Insulin-Patch-Pumpe mylife OmniPod. Für die 16-jährige gehört die Pumpe zum Leben, und das soll möglichst bunt sein. Wie der Pod, densie am Oberarm trägt. Schwarze Sonnenbrillen auf knallrotem Untergrund – das Ding fällt auf. „Soll es ruhig, wer will, der kann ja danach fragen“, meint sie. Seit November 2014 bemalt die 16-jährige ihre Pods. Alle drei Tage einen neuen, denn dann wird ausgetauscht. „Angefangen hat es damit, dass ich bei Instagram (soziales Netzwerk, auf dem Bilder gepostet werden; Anm. d. Redaktion) unter #PodArt und #PaintedPods die Bilder von bemalten Pods anderer Patch-Pumpen-Träger gesehen habe,“ erzählt sie. Inzwischen postet sie selbst. 80 Stück hat sie mittlerweile in ihrer Sammlung. Mit Blumen und Leopardenmuster, auch ein Osterhase ist dabei. Auf einen Pod hat sie einen Buchtext geschrieben. Zum Bemalen nimmt Amélie Nagellack und feine Pinsel. Kürzlich gab es als Geburtstagsgeschenk eine neue Palette von Nagellackstiften. Worauf sie sorgfältig achtet ist, das Sichtfenster freizulassen. „Damit man die Einstichstelle der Kanüle immer sieht,“ sagt sie.

PodArt3PodArt6Steine im Weg
Amélies Mutter Iris freut sich, dass ihre Tochter inzwischen so selbstbewusst mit ihrem Diabetes umgeht. Denn das Mädchen hat es in den vergangenen Jahren nicht immer leicht gehabt. Besser gesagt: Es wurde ihr nicht leicht gemacht. Mit vier Jahren bekam sie die Diagnose Typ-1-Diabetes. Das war die Zeit, in der andere Kinder in den Kindergarten gehen. Die Leiterin von Amélies Kindergarten im Ort weigerte sich allerdings, ein Kind mit Diabetes aufzunehmen. Mutter Iris, studierte Juristin, ließ sich das nicht gefallen. Amélie bekam zwar ihren Platz – allerdings auch zum ersten Mal einen Eindruck davon, was es bedeutet, mit Diabetes nicht erwünscht zu sein. Es sollte leider nicht die letzte Erfahrung bleiben. „Vor der Einschulung hat uns die Grundschule mitgeteilt, dass Amélie mit dem Diabetes auf eine Förderschule gehört“, erzählt Iris. „Da war ich richtig sauer“. Juristisches Know-how und ein Gespräch mit dem Rechtsreferenten des Schulamtes waren notwendig, bis klar war: Amélie kann selbstverständlich eine Regelschule besuchen. Schwierig wurde es für sie dann noch einmal in der siebten Klasse. Sie war gerade auf die Insulin-Patch-Pumpe eingestellt worden, als bei ihr Zöliakie diagnostiziert wurde. Dadurch fehlte sie einige Zeit in der Schule „Als ich zurückkam, wurde ich plötzlich gemobbt“, erzählt die 16-jährige. „Die anderen haben mich beleidigt und ausgeschlossen.“ Wegen des Diabetes und der Zöliakie war sie auf einmal ausgegrenzt. Die Gründe dafür hat sie nie erfahren. „Weil die Schule nichts getan hat, um die Konflikte zu lösen, kam nur ein Wechsel in Frage“, erzählt ihre Mutter. „Die beste Entscheidung.“ Auf der neuen Schule war alles ganz anders. Amélie wurde von Anfang an akzeptiert, die Lehrer gaben sich viel Mühe. Auch die Teilnahme an der Klassenfahrt war kein Problem mehr. „Für meine Freunde in der Schule ist es heute nichts Besonderes mehr, dass ich Diabetes habe“, sagt Amélie. „Die wundern sich höchstens, wenn ich gerade mal kein Bild von meinen Pods auf Instagram poste. Und essen gerne meine glutenfreien Kekse.“

PodArt7PodArt8Therapiewechsel mit 13
Auch bei der Therapie dauerte es einige Zeit, bis Amélie ihren Weg gefunden hatte. Neun Jahre lang spritze sie Insulin mit dem Pen. Die Ärzte rieten immer wieder zur Insulinpumpe, aber das Kind konnte sich mit dem Gedanken nicht anfreunden – auch nicht, nachdem sie eine zur Probe getragen hatte. „Ich wollte auf keinen Fall eine Pumpe mit Schlauch“, erzählt sie. „Der hat mich total gestört.“ Zwingen wollten die Eltern ihre Tochter nicht. 2012 fanden sie die Lösungim Internet. Mutter Iris entdeckte die schlauchlose Insulin-Patch-Pumpe mylife OmniPod, und danach ging alles sehr schnell. „Ich war in unserer Klinik eines der ersten Kinder mit dieser Pumpe“, erinnert sich Amélie. „Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, noch mal mit dem Pen zu spritzen“, sagt die 16-jährige. Mit dem Wechsel auf die Insulinpumpe haben sich auch einige Therapieprobleme gelöst. Vorher haben die Eltern teilweise noch nachts Blutzucker gemessen und Insulin nachgespritzt. Durch die kontinuierliche Versorgung mit Basalinsulin ist das nicht mehr notwendig. „Bei der Pumpe muss man nur noch auf den Bolus achten, das Basalinsulin kommt ja automatisch,“ erklärt Amélie. „Auch unterwegs ist das jetzt viel einfacher, man hat ja das Messgerät in der Pumpe immer dabei.“ Die Therapie „leidet“ gerade ein wenig unter den hormonellen Schwankungen in der Pubertät. Das ist normal, hat ihr der Diabetologe erklärt. „Regelmäßig muss die Basalrate oder ein Mahlzeitenfaktor angepasst werden“, erklärt die Mutter. „Das machen wir durch Basalratenfasten. Die ganze Familie, auch Amélies Schwester Elisa, fastet dann aus Solidarität mit.“

Einen Pod zu bemalen dauert etwa eine halbe  Stunde. Amélie hat noch viele kreative Ideen.Alles ist möglich
„Wir haben immer versucht zu vermitteln, dass sie auch mit Diabetes alles erreichen kann, was sie will“, sagt Iris. Die Tochter ist auf einem guten Weg. Was sie nach dem Abi machen will? „Ich nähe gerne und habe gerade ein Praktikum im Theater gemacht“, erzählt sie. „Aber ich kann mir auch vorstellen, Medizin zu studieren.“

Bitte beachten Sie
Eine korrekte Funktionsweise bei bemalten Pods ist durch den Hersteller nicht getestet. Die Bemalung erfolgt daher auf eigene Verantwortung. Wenn Sie sich trotzdem dafür entscheiden, sollten Sie das Sichtfenster und das Kontrollfenster für den pinken Führungsschlitten unbedingt freilassen, um prüfen zu können, dass die Kanüle richtig eingeführt wurde.

Quelle: Beitrag aus dem Diabetesmagazin feelfree Nr. 2/15 von DiaExpert (www.diaexpert.de) mit freundlicher Genehmigung

Mitglieder von Diabetes-Kids.de finden Amelies Benutzerprofil unter diesem Link

 

Tags: Insulinpumpe, Technik, Insulet

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WebAdmin antwortete auf das Thema: #97864 07 Sep 2015 08:41
Sehr coole Idee!!

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