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Neues aus Forschung

Forscher in Österreich entwickeln künstliche Bauchspeicheldrüse

Die Weiterentwicklung und Erprobung einer "Künstlichen Bauchspeicheldrüse" (AP - Artificial Pancreas), welche gleichzeitig und automatisiert die Zuckermessung und Insulinabgabe bei Diabetes-Patienten zu Hause durchführt - das ist das Ziel des EU-Projektes AP@home. Das Forschungsprojekt wird von der Europäischen Kommission (EC) durch das 7. Europäische Rahmenprogramm mit rund 10,5 Millionen Euro gefördert - der Grazer Anteil des Projektvolumens beträgt rund 2 Millionen Euro. Das 4-jährige Forschungsprojekt startete im Februar 2010.

Die wesentlichen Komponenten einer "künstlichen Bauchspeicheldrüse" sind ein Glukosesensor zur kontinuierlich Messung des Blutzuckers, eine Pumpe zur gesteuerten Insulinabgabe sowie ein miniaturisierter Computer. Dieser wertet die Messdaten des Sensors aus und durch einen Algorithmus zur Simulation des Glukose-Insulin-Regelkreises (Closed-Loop System) wird die Pumpe gesteuert.

Im Rahmen des EU-Projektes sollen Systeme, die bereits auf dem Markt sind, mit einem so genannten "two-port" System kombiniert werden, um die Algorithmen zu verbessern und ihre Funktionalität zu bestätigen. Ebenso soll die Genauigkeit der Sensoren verbessert und ein Hypoglykämie-Alarm hinzugefügt werden. "Ein weiteres Ziel ist die Weiterentwicklung zweier AP-Systeme, die eine Insulinpumpe und eine kontinuierliche Blutzuckermessung in nur einem Gerät verbinden. Dieses Gerät wird den PatientInnen mit nach Hause gegeben", erläutert Dr. Martin Ellmerer, Projektleiter an der Med Uni Graz. Das neue System, welches an der Medizinischen Universität Graz von Dr. Werner Regittnig entwickelt und patentiert wurde, wird nur einen Zugangspunkt auf der Haut benötigen ("single-port"). Daher wird es nicht mehr notwendig sein, die Haut einmal für die Blutzuckermessung und ein zweites Mal für die Insulinabgabe zu stechen. In der Endphase des 4-jährigen Projektes wird die Leistung der "künstlichen Bauchspeicheldrüse" mit der heute standardmäßig angewandten Insulin-Therapie im täglichen Leben in einem multinational kontrollierten Versuch verglichen.

Grazer Expertenteam mit internationalem Renommee in der wissenschaftlichen Erforschung von Diabetes mellitus
Die Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Thomas Pieber beschäftigt sich im Rahmen des EUProjekts AP@home einerseits mit der Weiterentwicklung des neuen Ansatzes ("single-port") für eine patientenfreundliche Realisierung eines Closed-Loop Systems. Andererseits liefert die Med Uni Graz wertvolle klinische Expertise für die Weiterentwicklung dieses Systems. Der Single- Port-Ansatz wird in Kooperation mit einem steirischen Unternehmen (4a engineering) weiterentwickelt.

Das AP@home Team - sieben Europäische Universitäten, fünf Unternehmen
Internationale Experten aus verschiedenen Bereichen garantieren einen schnellen Transfer neuer Erkenntnisse aus diesem Projekt in die medizinische Anwendung. "Am Ende des Projektes soll Europa eine Vorreiterrolle in der Entwicklung von AP-Systemen einnehmen. Dieses Projekt zielt auf eine vereinfachte Behandlung von Diabetes, eine erhöhte Lebensqualität für Diabetes- PatientInnen, die Verminderung von Folgeerkrankungen und somit auch auf niedrigere Gesundheitskosten ab", erklärt Priv.-Doz. Dr. Ellmerer.

Die Projektmitglieder: Universitäten von Amsterdam, Cambridge, Padua, Pavia, Montpellier, Medizinische Universität Graz, EPF Lausanne, Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH, Triteq Ltd, Sensile Medical AG, STMicroelectronics und 4a engineering GmbH.

Facts&Figures

  • Weiterentwicklung einer "Künstliche Bauchspeicheldrüse" - Ein Gerät, welches Patienten mit Diabetes mellitus in Abhängigkeit von kontinuierlichen Messungen des Blutzuckerspiegels zu Hause mit Insulin versorgt

  • EU-Förderung: 10,5 Mio Euro, davon rund 2 Mio Euro für die Med Uni Graz

  • Projektpartner: 7 Europäische Universitäten und 5 Unternehmen

Quelle: Oe-Journal vom 9.3.2010

Tags: ClosedLoop, Technik

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