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Neues aus Forschung

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen schon in der Frühphase stoppen – Europaweites Forschungsprojekt gestartet

In einer richtungsweisenden Zusammenarbeit haben sich europaweit Partner:innen aus akademischer Forschung, Industrie und Patient:innennorganisationen zusammengeschlossen, um Typ-1-Diabetes (T1D) zu bekämpfen. Die Forschungsplattform EDENT1FI ist eine Kooperation von 28 Partner:innen aus 12 Ländern, darunter auch das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden in Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

Die gemeinsame Vision ist, die Entstehung von Typ-1-Diabetes schon im präklinischen Stadium zu stoppen, also bevor Symptome auftreten. Das Projekt wird im Rahmen des Horizon Europe-Programms als Innovative Health Initiative (IHI-JU) mit rund 23 Millionen Euro finanziert und erstreckt sich über fünf Jahre.

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes (T1D) zerstört das Immunsystem die körpereigenen insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Patient:innen haben dadurch einen chronischen Insulinmangel und sind ihr Leben lang auf die Gabe von Insulin angewiesen. Typ-1-Diabetes ist unheilbar und beeinflusst damit nachhaltig die Lebensqualität der Betroffenen. Personen, die vor dem 10. Lebensjahr an T1D erkranken, haben eine verringerte Lebenserwartung von durchschnittlich 14 Jahren. Weltweit sind etwa 9 Millionen Menschen betroffen, darunter 300.000 Kinder in Europa.

Ein Aufruf zum ParadigmenwechseL

Die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen steigt weltweit an, insbesondere auch während der COVID-19-Pandemie wurde eine Zunahme beobachtet. Während bisherige Screening-Bemühungen hauptsächlich auf die Familiengeschichte ausgerichtet waren, zeigen Statistiken, dass etwa 90 Prozent der Neuerkrankten keine Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben. Über 100 Jahre nach der ersten klinischen Anwendung von Insulin fordern die Forschenden darum einen Paradigmenwechsel in der Behandlung und Früherkennung von Typ-1-Diabetes. In Deutschland, unter anderem in Dresden, gibt es bereits Initiativen zur Früherkennung von T1D-Indikatoren. Eine flächendeckende Strategie mit umfassender Evaluation fehlte jedoch bisher.

Die EDENT1FI-Lösung

Mit EDENT1FI – kurz für „European action for the Diagnosis of Early Non-clinical Type 1 diabetes For disease Interception” – möchten die Forschenden diese Lücke nun schließen. Das übergeordnete Ziel ist die Erstellung einer umfassenden Roadmap für die Früherkennung von Typ-1-Diabetes im präklinischen Stadium bei 200.000 Kindern in ganz Europa. Dies umfasst die Bewertung des psychosozialen, medizinischen und wirtschaftlichen Einflusses einer solchen Früherkennung in verschiedenen europäischen Gesundheitssystemen und Bevölkerungen, einschließlich benachteiligte Familien im Hinblick auf die untersuchten Einflussfaktoren. Zudem möchte das Konsortium die Verwendung von Typ-1-Diabetes Biomarkern präzisieren, um die Risikoeinstufung, Stadieneinteilung und personalisierte Überwachung der Betroffenen zu verbessern. EDENT1FI ermöglicht so die Entwicklung innovativer, angepasster Therapiestrategien zur effektiven Vorbeugung und Behandlung von Typ-1-Diabetes. Auch die Aufklärung von Allgemeinbevölkerung, medizinischem Fachpersonal und Aufsichtsbehörden über neue Paradigmen in Diagnose und Versorgung von Typ-1-Diabetes ist Teil des Projekts.

Eine Vision für die Zukunft

Letztendlich möchte EDENT1FI Europa als Vorbild in der Prävention von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen positionieren. „Es ist äußerst zufriedenstellend zu sehen, wie sich unsere T1D-Biomarker-Entdeckungen der letzten Jahrzehnte in ein angesehenes europäisches Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaft und Industrie verwandeln. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem weit verbreiteten Screening, das schließlich zu einer deutlichen Verzögerung und sogar Verhinderung von Typ-1-Diabetes bei Kindern führen wird,” erklärt Prof. Ezio Bonifacio, Leiter des EDENT1FI - Arbeitspakets 3 und des Dresdner Teams am CRTD.

Finanzierung und Patientenbeteiligung

Das Projekt wird im Rahmen der Initiative Innovative Gesundheit - Gemeinsames Unternehmen (IHI-JU) durchgeführt und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 23,5 Millionen Euro. Der größte Teil (22 Mio. €) stammt aus Mitteln der Europäischen Kommission (Horizon Europe), des Leona M. and Harry B. Helmsley Charitable Trust, der Juvenile Diabetes Research Foundation International (JDRF) und aus Sachleistungen von teilnehmenden Pharmaunternehmen (EFPIA, MedTech und JDRF). Zusätzliche Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro werden den britischen Partner:innen durch den Research and Innovation Guarantee Fund (UKRI) zur Verfügung gestellt.
Menschen mit Typ-1-Diabetes und deren Eltern werden über einen Patient:innenbeirat in die Aktivitäten von EDENT1FI eingebunden. Ihr Feedback ist von unschätzbarem Wert für die Plattform und unterstützt dabei, die Ziele von EDENT1FI in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Über das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD)
Am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden widmen sich Spitzenforscher und -forscherinnen aus mehr als 30 Ländern neuen Therapieansätzen. Sie entschlüsseln die Prinzipien der Zell- und Geweberegeneration und ergründen deren Nutzung für Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten. Das CRTD verknüpft Labor und Klinik, vernetzt Wissenschaft und Klinik, nutzt Fachwissen in Stammzellforschung, Entwicklungs- und Regenerationsbiologie, um letztlich die Heilung von Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, hämatologischen Krankheiten wie Leukämie, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie Augen- und Knochenerkrankungen zu erreichen. Das CRTD wurde 2006 als Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegründet und bis 2018 als DFG-Forschungszentrum, sowie als Exzellenzcluster gefördert. Seit 2019 wird das CRTD mit Mitteln der TU Dresden und des Freistaates Sachsen finanziert.
Das CRTD ist eines von drei Instituten der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB) der TU Dresden.
www.tud.de/crtd 
www.tud.de/cmcb 

Quellverweis: TU Dresden vom 5.3.2024

Forschung, Studien, Prävention

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