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Diabetes-Kids Expertenforum

Großer Bruder übernimmt Therapieverantwortung

Frage:
Mein  Sohn (9J) übernimmt von sich aus oft die "Therapieverantwortung" für seine jüngere Schwester. So überwacht er, dass sie ihren Blutzucker misst und hat auch ein Auge darauf, wieviel Insulin sie über die Pumpe abgibt. Auf der einen Seite bin ich ja schon stolz auf ihn, trotzdem finde ich, dass er damit heillos überfordert ist. Nur - wie mache ich ihm das klar? Er weiß, dass ich das nicht von ihm verlange, sondern er macht das von Anfang an freiwillig - vielleicht auch, weil er weiß, dass mein Exmann seiner Tochter nicht helfen könnte. So hat er z. B. bei Manifestation sämtliche Schulungsunterlagen gelesen und hat auch tatsächlich mehr Wissen über DM als sein Vater und sogar mehr als seine Schwester selbst, was z. B. die Grundlagen anbelangt. Meiner Tochter ist das recht egal - für sie ist es wichtig, dass sie mit der Pumpe und den BE klar kommt - der Rest interessiert sie nicht wirklich.

Antwort von unserem Experten, Frau Dr. Karin Lange:
Sie selbst schätzen die Situation schon richtig ein. Ein neunjähriger Junge kann der jüngeren Schwester zwar etwas helfen, aber nicht die Verantwortung für deren Therapie übernehmen. Es ist auch schön, dass sich beide dabei gut zu verstehen scheinen. Deshalb würde ich auch nichts dagegen tun, solange es zu keiner Gefährdung der jüngeren Schwester kommt. Es sollte aber nicht so weit gehen, dass die Schwester ganz passiv oder von ihrem Bruder über den Diabetes „klein“ gehalten wird. Als Mutter würde ich darauf achten und selbst steuern, welches Kind, was tun darf. Erklären hilft dabei weniger als klare Absprachen, die Sie als Mutter verantworten.

Sie deuten aber auch einen anderen Punkt an, den ich ebenfalls bedenken würde. Hier kann ich jedoch nur spekulieren, da ich Sie und Ihre Familie nicht kenne. Es passiert häufig nach Trennungen, dass der älteste Sohn versucht, die Rolle des Vaters / Partners der Mutter zu übernehmen. Dabei wirken die kleinen Jungen oft sehr erwachsen und vernünftig, sie übernehmen sich aber auch schnell. Ein Risiko ist jedoch auch, dass so ein Junge viel zu früh die Orientierung an Erwachsenen, vor allem an den Eltern, aufgibt und eigene Wege geht. „Er ist ja schon erwachsen.“ Damit kann es in wenigen Jahren schwierig werden, ihn zu steuern oder zu beeinflussen, wenn es dringend sein muss, weil er sich falsch verhält oder in schwierige Kreise geraten ist. Deshalb erscheint es mir sehr wichtig, dass ein Kind auch nach der Trennung Kind bleibt und nicht das Gefühl entwickelt, den Vater ersetzen zu müssen. Darauf würde ich frühzeitig achten. Auch die Abwertung eines Vaters – selbst wenn es zwischen den Partnern heftige Konflikte gibt – bedeutet immer, dass dieser Elternteil irgendwann keinen Einfluss mehr auf ein Kind hat – auch dann nicht, wenn es dringend erforderlich wäre.

Per Email wäre es vermessen, Ihnen ohne Kenntnis Ihrer Familie einen konkreten Rat zu geben. Sollten Sie aber das Gefühl haben, dass Ihnen eine persönliche Beratung helfen könnte, würde ich mich an eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Region wenden. Die Beratung nach einer Trennung zählt dort zu den häufigsten Gesprächsthemen.

Die Beiträge in dieser Rubrik Fragen & Anworten sind ein anonymisierter Auszug aus unseren Expertenforen im geschützten Mitgliederforum. Wenn Ihr selbst eine Frage an unsere Experten stellen möchtet, schreibt an webmaster@diabetes-kids.de  oder als Mitglied in unser Expertenforum.

Tags: Expertenrat, Geschwisterkinder

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