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Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

iffi27
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Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

09 Okt. 2013 11:01
#86122
Hallo zusammen,

da ich beruflich mit dem Thema Inklusion viel zu tun habe, bin ich bei der Recherche über folgenden Artikel "gefallen":

www.taz.de/Inklusion-an-Berlins-Schulen-I/!125095/

Abgesehen von der seltsamen sprachlichen Darstellung ("schwer zuckerkrankes Mädchen") irritiert mich, dass ein Arzt einen Wochenstundenbedarf von 20 Stunden Integrationshilfe sieht. Das Schulamt hat nicht so viel bewilligt und jetzt muss die Schule "relativ drastisch organisieren".

Da unser Sohn nicht mehr zur Schule geht, habe ich keine eigenen Erfahrungen mit Inklusion. Ich nehme an, dass viele Kinder von euch eine Regelgrundschule und keine Förderschule besuchen (außer es gibt eine weitere Behinderung), daher würde mich interessieren, wie Ihr den Diabetes in der Grundschule managet.
  • Habt Ihr Integrationshilfe beantragt und bekommen und wenn ja, in welcher Höhe (Stundenzahl) wird sie nun angeboten? Gibt es bestimmte Zeiten wie Mittagsverpflegung oder Sport oder wann tritt die Hilfe auf?
  • Habt Ihr einen Pflegedienst in der Grundschule? Wenn ja, wie viele Stunden täglich? Und wofür?
  • Oder organisiert Ihr das Diabetes-Management selbst? Wer misst/bolt/spritzt in der Schule?

Ich würde mich über eure Antworten freuen.

Liebe Grüße
Steffi

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Astrid
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Re: Re:Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

09 Okt. 2013 13:22
#86127
Hallo Steffi, mein Sohn (noch 7 Jahre) besucht die dritte Klasse einer Regel-Grundschule. Er ist seit Januar 2013 betroffen. Wir haben das Glück, dass unsere Schule sehr gut kooperiert und die Lehrer und Bismittagbetreuer geschult sind. Mein Sohn misst selbst, auf der Tüte seines Schulbrot steht die BE- Zahl, die gibt er selbst in die Pumpe ein und die Lehrerin guckt einmal drauf, ob er korrekt eingegeben hat.
Dennoch gibt es leider öfter Turbulenzen. Heute zum Beispiel ist in der Katheter raus gegangen, da musste ich von der Arbeit schnell zur Schule und schnell wieder zurück. Das ist natürlich wahnsinnig anstrengend, kommt aber zum Glück nur selten vor. Ich finde, man kann, wenn die Schule und die Bismittagbetreuung gut kooperiert, auch ohne Pflegedienst klarkommen, wenn das Kind einigermaßen fit ist und man als Elternteil im Notfall doch mal schnell in die Schule kann. Manchmal, so wie heute, wünschte ich allerdings, mir würde das jemand abnehmen. Der Stress ist schon enorm manchmal.

Lg Astrid
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iffi27
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Re: Re:Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

10 Okt. 2013 12:50
#86156
Hallo Astrid,

vielen Dank für deine Beschreibung, ich kann mir schon vorstellen, dass es anstrengend ist und man immer auf der Lauer ist. Das war ich auch - teilweise bin ich es noch heute, wenn ich plötzlich einen Anruf bekomme, mit dem ich nicht rechne, denke ich oft, das könnte wegen meinem Sohn sein.

Mütter halt ;-)

Gibt es hier denn jemanden mit Integrationshelfer?

Liebe Grüße
Steffi

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Wenke
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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

10 Okt. 2013 13:40
#86158
Mein Sohn (vor 2 Wochen 9 geworden) geht in die 4. Klasse einer "normalen" Grundschule. Eigentlich ist es eine GU-Schule, aber davon merkt man meiner Meinung nach nicht viel... (Er ist auch nicht wegen GU dort. Es ist einfach unsere Dorfschule. Ich war auch schon da.)

Bei der Diabetes-Diagnose war er seit 2 Monaten in der ersten Klasse. Dass es sowas wie Integrationshelfer gibt oder dass man einen Pflegedienst bekommen könnte, hat uns damals kein Mensch gesagt.

Das erste halbe Jahr hat Lars in der Schule gar nicht gemessen, weil er es selbst nicht ausreichend konnte und ich einfach nicht täglich hingehen konnte (der kleine Bruder war damals im 1. Kindergarten-Jahr und häufig krank zu Hause, die Schwester war noch ein Baby.) In der Schule spritzen musste er anfangs nicht.

Später haben wir eine Integrationshelfer beantragt. Das Sozialamt hat die Sache 9 Monate lang verschleppt (immer neuer Nachweise angefordert, Tatsachen verdreht, Unterlagen verschlampt...) und dann den Antrag abgelehnt. Unser Widerspruch wurde auch abgelehnt.

Einen Pflegedienst wollte die KK nicht zahlen (jedenfalls nicht so, wie wir ihn gebraucht hätten). Als wir ihr mit einer Anwältin auf die Bude gerückt sind, war sie gesprächsbereit. Gefunden haben wir trotzdem keinen. Die Pflegedienste hier sind fast alle ausgebucht. Die meisten wollen keine Kinder, weil sie damit keine Erfahrung haben und weil sie keine Pünktlichkeit garantieren können. Anderen waren wir zu weit weg.

Die Lehrerin war immer sehr engagiert (wenn auch nicht 100%ig verlässlich, weil sie dazu neigt, sich mehr aufzuhalsen, als sie leisten kann). Die Erzieherinnen in der Offenen Ganztagsschule waren vorübergehend sehr verängstigt, was sich aber soweit gelegt hat.

So nach und nach hat Lars alles selbst gelernt. Er macht jetzt in der Schule alles selbst und wiegt und berechnet auch sein Mittagessen.

Durch mangelnde Betreuung (kein I-Helfer) ist er sehr früh selbstständig geworden, aber es hat uns auch viiiieeel Nerven gekostet.

LG Heike
Heike mit Lars (*9/2004, DM seit 11/2010, Minimed 640G, Humalog)
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LoRi
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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

10 Okt. 2013 20:59
#86174
Hallo!

Also ich wusste auch nichts von Integrationshelfern.Glaube aber das wäre eine große Hilfe für ALLE Beteiligten.
Lotte war in der 3. Klasse bei der Diagnose ,hatte also ein Verhältnis zu Zahlen und konnte Werte einordnen.Hätte sie den DM 2 Jahre früher bekommen...da hätte ich richtig Angst gehabt.Ihre Klassenlehrerin weiß was bei Unterzuckerung zu tun ist und würde im Ernstfall den Notarzt rufen. Die Glucosespritze würde da niemand anrühren,das war nach 5 min klar.Da war nicht ansatzweise die Bereitschaft sich das auch nur anzuhören. Ganz ehrlich ich musste mich sofort 100 % auf mein Kind verlassen. Die Lehrerin würde meiner Meinung nach auch nicht mitkriegen ob Lotti aufisst oder den Pen richtig einstellt. Ich hatte auch schnell das Gefühl nicht mehr erwarten zu können. ich glaube die Lehrer können mehr gar nicht leisten.Mein Kind hat ihr Handy und hat von der Lehrerin die Erlaubnis mich IMMER anrufen zu dürfen. Das scheint diese sehr zu entlasten. Die Verantwortung liegt absolut bei mir und Lotte. Es klappt so auch gut! Es ist für mich natürlich etwas stressig neben der Arbeit im Krankenhaus immer sofort präsent zu sein wenn Lotte anruft. Aber irgendwie ging es bis jetzt immer gut...Als Mutter ist man immer zerrissen. man möchte bei der eigenen Arbeit nicht ständig extra Würste haben (wobei es nun mal nicht anders geht) rennt also da mit nem schlechten Gewissen rum und will nicht die Lehrer in eine anti Haltung bringen,das kann nämlich auch schnell passieren.Die meisten sind mit ihren "normalen" Lehrer Job gefühlt schon oft am Limit. Als her mit den Integrationshelfern :) Wäre wie gesagt für alle das Beste!
Liebe Grüsse

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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

10 Okt. 2013 21:55
#86176
Wir haben eine Integrationshelferin und sind sehr froh darüber. Die Werte schwanken echt ziemlich. Nur beim essen testen wäre zu wenig, zumal er das auch vergisst, wenn er auf den Schulhof will. (also das essen, warscheinlich auch das testen und bolen :S ) Abgesehen davon sind in der Klasse auch permanent Studenten mit unterschiedlichen Projekten, also kommt entweder zusätzliche Bewegung oder essen (selber Apfelsaft und Apfelmus herstellen oder Abschiedstörtchen etc.. mit rein) in den letzten 2 Wochen waren 5 Aktionen. Da bin ich schon verdammt froh, dass er alles mitmachen kann. Mit nem Pflegedienst wären wir da aufgeschmissen. Klar soll mein Sohn auch lernen sich selbst zu kümmern aber in meinen Augen ist es schön, wenn er Altersgerecht reinwachsen darf und genaquso wenig wie ich meinem Sohn zutrauen würde den Diabetes seines Papas zu managen würde ich ihm zutrauen seinen eigenen ganz selbständig hinzubekommen.
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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

11 Okt. 2013 08:30
#86182
Hallo,

vielen Dank für eure umfassenden Schilderungen. Meine Erfahrung ist auch, dass Lehrer lieber nichts mit Diabetes zu tun haben und vielleicht auch überfordert wären, auf das einzelne Kind besonders zu achten.

@Meike: Wie viele Stunden habt Ihr denn die Integrationshelferin in der Klasse? Ist sie besonders geschult worden oder hat sie eine bestimmte Ausbildung?

Vielleicht wird ja durch den GU für mehr Eltern möglich, einen Integrationshelfer in der Schule zu erhalten - schließlich soll die Inklusion ja gefördert werden ... hast du schon einmal einen Antrag auf Integrationshilfe gestellt, Henrike?

Liebe Grüße
Steffi

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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

11 Okt. 2013 22:22
#86210
Unsere Helferin ist Krankenschwester und hat schon vor unserem Kind ein anderes Kind mit Diabetes in einer Schule begleitet. Sie ist während der Schulstunden anwesend, was das jetzt an wöchentlicher Arbeitszeit im Schnitt macht weiß ich nicht genau, weil das ja wieder mit Ferien und Feiertagen verrechnet wird etc...

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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

12 Okt. 2013 23:16
#86230
Hallo Steffi!

Nein, ich habe keinen Antrag gestellt.Wie gesagt wusste ich auch zu dem Zeitpunkt nicht,dass es das das überhaupt gibt.Alles musste schnell wieder funktionieren.Lotte wollte ganz schnell wieder in die Schule und ich musste wieder zur Arbeit.
Ich weiß im nachhinein auch nicht ob Lotte das gewollt hätte. Irgendwie war und ist ihr Autonomie sehr wichtig. So,ruft sie mich "unauffällig" an und wir klären kurz die Situation.Ich glaube sie würde ungerne weiter auffallen und als "Problemfall" gelten wenn da extra jemand käme.Ich weiß es aber nicht genau...
Sie hat jetzt z.B eine neue Mathelehrerin und einen neuen Sportlehrer. Sie hat beide selbst über ihren DM informiert. Vor einiger Zeit musste ich sie mal abholen,weil sie ziemlich hoch war und sich nicht gut gefühlt hat BZ 330 aber keine Ketone, da habe ich kurz mit dem Sportlehrer gesprochen(mit der Mathelehrerin hole ich das jetzt nach). Auch da hatte ich das Gefühl der will damit nichts zu tun haben und wenn was ist werden wir Eltern (eher ich) eben angerufen. Mir ist es selbst fremd da noch jemanden mit ins Boot zu holen. Ich als Mutter fühle mich 100 % verantwortlich.
Trotzdem bin ich gerade sehr nachdenklich....und denke was wäre wenn meine Tochter nicht so wäre wie sie ist und noch mehr Unterstützung bräuchte.
Wenn meine 3 jährige DM bekäme wäre ich glaube ich aufgeschmissen mit der Kita usw.
Vielleicht müsste so eine Integrationshilfe selbstverständlich werden um sich selbstverständlich anzufühlen....Ich finde es gut und wichtig ,dass du dich damit beschäftigst
Liebe Grüsse

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Meike
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Re: Diabetes und Integrationshelfer-Wie macht Ihr das?

13 Okt. 2013 11:55
#86236
Henrike schrieb: So,ruft sie mich "unauffällig" an und wir klären kurz die Situation.Ich glaube sie würde ungerne weiter auffallen und als "Problemfall" gelten wenn da extra jemand käme.
....
Vielleicht müsste so eine Integrationshilfe selbstverständlich werden um sich selbstverständlich anzufühlen....Ich finde es gut und wichtig ,dass du dich damit beschäftigst
Im Gegensatz zu nem Pflegedienst, der ja meist nur zu bestimmten Uhrzeiten kommt ist ein Integrationshelfer ja über nen längeren Zeitraum oder unter Umständen den ganzen Schulvormittag da. Der ist dann Teil der Klassen/Kitanormalität und fällt nicht weiter auf. In der Kita haben ganz ganz viele Eltern (eigentlich alle außer denen mit denen mein Sohn mal verabredet war erst mitbekommen, dass die 3. Erwachsene in der Gruppe garnicht zur Kita sondern zu meinem Sohn gehört. Mal schauen wie schnell das in der Schule vergessen ist. In der Kita kam nur mal die Verwunderung, dass die Einzefallhilfe ja immer gleichzeitig mit meinem Sohn krank wird :laugh: .
In der Schule ist sie jetzt auch schon ganz normal, ne Sonderstellung hat mein Sohn durch sie nicht, weil sie eben auch für alle anderen Kinder da ist, wenn was ist. Natürlich ist unsere Einzelfallhelferin auch ein absoluter Glücksgriff und die tollste die es gibt B) :whistle: :P :laugh: aber diese Angst das Kind durch nen Einzelfallhelfer zum Außenseiter zu machen halte ich nicht für generell begründet. Auch wenn es für mich kein Problem darstellt wenn es eine Familie ohne hinbekommt. Ich habe das ein halbes Jahr in der Kita versucht und an die Zeit denke ich nur ganz ungerne zurück und bin froh, dass ich eigentlich keine "Alarmanrufe" mehr bekomme und jeden Tag in der Kita/Schule aufschlagen muss weil irgendwas ist, das war mit Baby echt heftig und wäre diesmal nicht weniger anstrengend.

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