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Buchtips

„Leben süß-sauer“ Folge 7 Moviestar

Ein junges Mädchen wird entführt, die Eltern benachrichtigen die Polizei und dann beginnt der Wettlauf gegen die Zeit: Die Kleine ist Diabetikerin. Wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden ihre Medikamente bekommt, muss sie sterben. (Tusch, dramatische Musikuntermalung.)

 

Wie vielen Drehbuchautoren mag es schon so gegangen sein: Eine Geschichte um Kindesentführung soll es sein, aber nicht das übliche, langweilige Zeug, sondern ganz besonders spektakulär und mit dem berühmten Überraschungsmoment. Und wie viele dieser Drehbuchautoren mögen sich dann gedacht haben: Das ist es! Ich mache das Kind einfach zum Diabetiker!

Ein Blick in die Fernsehzeitschrift und das Kinoprogramm verrät: Es waren viele. Sehr viele.

Sehr wenige von ihnen hingegen haben nach ihrer großartigen Idee auch nur einen weiteren Gedanken an Diabetes verschwendet.

In Filmen sind Diabetiker grundsätzlich nicht in Besitz einer Insulinpumpe, mit der man den Blutzucker ja schon ganz gut regulieren könnte. Sie leben immer nach der konventionellen Therapie und müssen zu minutengenau festgelegten Zeiten essen und Insulin spritzen. Was wiederum die obligatorische 24-Stunden-Frist zur Folge hat. Denn, so erklärt die völlig aufgelöste Mutter dem Kommissar, „Annikas Langzeit-Insulin wirkt 24 Stunden. Dann braucht sie neues, sonst...“


Ja, was sonst? Sonst steigt Annikas Blutzucker, ihre Entführer können sich den ganzen Tag ihr „Ich habe solchen Durst“-Gejammer anhören und ihr alle zehn Minuten die Fesseln von den Händen nehmen, damit sie auf die Toilette gehen kann.

Das Sonst besteht jedenfalls nicht darin, dass sie auf die Uhr sehen und nach exakt 24 Stunden sagen wird: „Sorry, Jungs. Ich muss jetzt mal eben sterben, weil ich viel zu viel Zucker im Blut habe.“ Was allerdings immer noch weniger realitätsfern wäre als eine schwere Unterzuckerung, die der kleinen Annika in solchen Filmen ebenfalls immer wieder zu schaffen macht. Wie war das doch gleich? Insulin lässt den Blutzucker sinken, bei Stress steigt er. Wenn Annika also kein Insulin bekommt und panische Angst vor ihren Entführern hat, unterzuckert sie? Hm. Aber gut, gehen wir der Einfachheit halber mal von einer schweren Unterzuckerung aus. Annika sitzt also da, fängt an zu zittern, wird nervös und – läuft blau an. Warum läuft sie blau an? Vielleicht denkt sie sich, ihr Zittern müsse was mit Kälte zu tun haben und friert einfach mal ein bisschen.

 

Wahrscheinlicher ist wohl, dass sie vom Regisseur gesagt bekommen hat: „Du musst richtig krank aussehen – wegen der Dramatik und so...“, woraufhin sie einfach das eine gesunde Gesichtsfarbe verleihende Atmen unterlässt.

Was sie trotz allen Ärgers mit der Unterzuckerung aber immer noch kann, ist einen Blick auf ihre HighTech-Blutzucker-Uhr zu werfen. Eine Blutzucker-Uhr, die automatisch und ohne Blut die Werte bestimmt. Eine Blutzucker-Uhr, die es nicht gibt. Jedenfalls nicht in Deutschland; wer weiß, ob es amerikanische Diabetiker nicht vielleicht längst besser haben als wir.

 

Doch selbst wenn dem so ist: Besser als die Filmprotagonisten haben wir deutschen Reality-Diabetiker es aber auch ohne Blutzucker-Uhr. Wir werden immerhin nicht ständig entführt.

 

Hinweis von Diabetes-Kids.de:
Weitere Folgen der Serie „Leben süß-sauer“ werden wir ab sofort in regelmässigen Abständen hier veröffentlichen.
Herzlichen Dank an Frau Guadagno für diese tollen Geschichten.

Nächste Folge

Alle bisherigen Beiträge dieser Serie findet ihr hier

Tags: Buchtips, Lesetip

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