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Buchtips

„Leben süß-sauer“ Folge 4 Sweets for my sweet

„Hallo. Kann ich Dir helfen?“

Sie hatte es sicher gut gemeint, die freundliche Verkäuferin im Reformhaus. Woher sollte sie schließlich wissen, dass mein Besuch in ihrem Geschäft nicht aus dem Wunsch heraus geboren war, mich gesund zu ernähren, sondern aus dem Zwang dazu?

Ich wollte nichts essen, was zuckerfrei, dafür aber mit zehn Vitaminen angereichert worden war. Und ich wollte auch keine Schokolade kaufen, auf deren Verpackung nicht „Nuss Nougat“ stand, sondern „DIÄT“. Doch als frisch gebackene Diabetikerin mit konventioneller Therapie wäre meine Alternative gewesen, gar keine Schokolade zu kaufen und somit auch keine zu essen.

Ich war also ins Reformhaus gegangen, das ich noch nie zuvor betreten oder auch nur als Bestandteil der Fußgängerzone wahrgenommen hatte, und stand dort nicht nur kurz vor den Tränen, sondern auch vor einem ein mal ein Meter kleinen Regal mit Süßigkeiten für Diabetiker.Meine Großmutter hatte mein Leiden nach drei Wochen zuckerfreier Zeit nicht mehr mit ansehen können und mich mit einem Zwanzigmark-Schein hierher geschickt.

Hätte ich früher einmal so viel Geld für Süßigkeiten bekommen, wäre es in kürzester Zeit zu Schokolade und Lakritz gemacht worden. Doch nun stand ich mit der bitteren Erkenntnis in diesem Reformhaus, dass es hier nichts gab, was auch nur annähernd lecker genug aussah, um es haben zu wollen.Nachdem ich auf die Frage der Verkäuferin nichts gesagt, sondern nur traurig dreinschauend abgewinkt hatte, wurde sie misstrauisch.

Ihr Verdacht, ich könnte etwas stehlen, erhärtete sich offenbar, als ich auch nach einer halben Stunde noch immer wortlos und ohne ein Produkt in die engere Kaufauswahl genommen zu haben vor dem Diabetiker-Regal stand. Ganz zufällig hatte sie alle zwei Minuten immer am Regal direkt neben meinem etwas ein- oder auszuräumen und beobachtete mich dabei auffällig unauffällig.

Um sie zu beruhigen und den Entscheidungsprozess nicht noch weiter herauszuzögern, hielt ich mir schließlich eine Hand vor Augen und holte mit der anderen drei Produkte aus dem Regal.Das Ergebnis: Eine Tafel DIÄT-Schokolade Vollmilch-Geschmack für 2,80 Mark, ein Glas zuckerfreien Honig (wie soll das denn gehen, aber bitteschön...) für 7,20 Mark und eine Tüte Multivitaminbonbons mit Süßstoff für 3,10 Mark. Alles nicht ganz billig, dafür aber mit dem Gratis-Hinweis: Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.  Wieder zu Hause wartete ich schließlich brav auf meine nächste Zwischenmahlzeit, bis ich einen Riegel der DIÄT-Schokolade Vollmilch-Geschmack von der Tafel abbrach.

Schon beim ersten Stück, das ich mir eigentlich nach so langer Abstinenz auf der Zunge hatte zergehen lassen wollen, wusste ich  a) warum diese Schokolade nicht Vollmilch-Schokolade hieß, sondern nur von sich behauptete, deren Geschmack zu haben, und b) dass ich mir um die abführende Wirkung bei übermäßigem Verzehr keine Sorgen zu machen brauchte. Das teure Schokoladen-Surrogat wanderte umgehend in den Mülleimer und das restliche Geld meiner Großmutter in der Kasse des Zeitschriftenhändlers um die Ecke. Die Frauenzeitschrift mit dem Sonderthema „Kochen und Backen mit Schokolade“, die ich mir damals zur Frustbewältigung kaufte, habe ich noch heute ...

Hinweis von Diabetes-Kids.de:
Weitere Folgen der Serie „Leben süß-sauer“ werden wir ab sofort in regelmässigen Abständen hier veröffentlichen.
Herzlichen Dank an Frau Guadagno für diese tollen Geschichten.

Nächste Folge

Alle bisherigen Beiträge dieser Serie findet ihr hier

Tags: Buchtips, Lesetip

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