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Klassenfahrten und Freizeiten

monday
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Klassenfahrten und Freizeiten

22 Aug. 2014 12:38
#93295
Hallo zusammen,

ich möchte einmal ein Lob auf alle Lehrer aussprechen, die es sich zutrauen, Kinder mit Diabetes auf Klassenfahrt zu nehmen.
Ich hatte einen Jungen mit Diabetes mit auf einer Jugendfreizeit. Ich habe mir vorher schon Sorgen gemacht, ob das alles klappt, ob er mir nicht plötzlich umkippt. Und ich kenne mich nun wirklich aus.
Aber für ein fremdes Kind die Verantwortung zu übernehmen, ist etwas ganz anderes. Man weiß ja auch nicht, wie das Kind bzw. die Werte auf die veränderte Umgebung bzw. den so ganz anderen Tagesablauf reagieren.
Und wenn man sich nicht mit Diabetes auskennt, kann ich nur sagen :"Hut ab".

Bevor wir also Lehrer verurteilen, die sich das nicht zutrauen, sollten wir einfach nur einmal überlegen, wie es wäre, ein anderes Kind mit Diabetes für eine Woche in einer fremden Umgebung zu betreuen- nebst 20 anderen Kindern.
Und aus dieser Perspektive können wir den Lehrern vielleicht ganz anders ihre Ängste nehmen.

Viele Grüße
Vera
P.S.: Es hat übrigens alles super geklappt. :)
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Wenke
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

23 Aug. 2014 21:38
#93318
Ich finde Lehrer, die sich das zutrauen, auch super!!!

Gleichzeitig bin ich allerdings der Meinung, dass unsere Kinder einen Anspruch darauf haben an 100% aller Aktivitäten teilnehmen zu können. So wird es einem von Ärzten, Diabetes-Beratern usw. auch immer vermittelt (O-Ton: "Ihr Kind kann bei allem mitmachen und ein normales Leben führen. Ihm fehlt ja nur ein Hormon.").

Es darf einfach nicht länger sein, dass Lehrer Angst haben dürfen und unsere Kinder nur mitnehmen, wenn die Eltern für eine Begleitung sorgen... und dass die zuständigen Ämter die Finanzierung einer solchen aber einfach ablehnen dürfen mit der Begründung sie sei nicht von Nöten... dass Ärzte zu bequem sein dürfen ein hieb-und-stichfestes Attest zu schreiben, dass so formuliert ist, dass das zuständige Amt sich nicht alles so zurecht drehen kann, wie es ihnen für die Ablehnung am besten passt... dass Schulen sogar verlangen dürfen, dass ein Diabetes-Kind zwar begleitet wird, aber bitteschön nicht von der eigenen Mutter (aus welchen Gründen auch immer, vielleicht weil der Lehrer die Mutter persönlich nicht mag, vielleicht auch, weil dann andere Eltern, die sich gern überall einmischen, auch mitwollen...) und unsere Kinder und damit auch wir als Eltern am Ende immer die Dummen sind.

Auf so einer Fahrt können 1 Million Dinge passieren... Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne, Alkohol... bei einer Klassenfahrt hier in der Gegend kamen vor einigen Jahren zwei minderjährige Mädchen schwanger zurück!!! Leider sind auf solchen Fahrten auch schon Kinder Opfer von Gewaltverbrechen geworden.
In Anbetracht dieser Tatsachen, ist Diabetes nur eine Gefahr von gaaaanz vielen.

Ich bin jedem extrem dankbar, der meinen Sohn normal behandelt und bereit ist, ein bisschen Extraarbeit und Extraverantwortung auf sich zu nehmen. Aber es macht mich gleichzeitig auch wütend, denn eigentlich will ich nicht dankbar sein müssen. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein.
Heike mit Lars (*9/2004, DM seit 11/2010, Minimed 640G, Humalog)
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delphyine
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

24 Aug. 2014 09:17
#93326
Hallo Vera,
Ich sehe das ähnlich. Ich hatte im letzten Jahr auch einige Kinder mit DM. Eine ganz große Schwierigkeit, die ich immer hatte war auch der Gedanke: "Ich finde das bei meinem Kind nicht schlimm, aber wie denkt diese Mutter wohl darüber?" besonders, wenn es um Süßigkeiten außer der Reihe bei hohen Ausgangswerten geht. Will die andere Mutter wohl lieber die Integration und ich kann das Kind mitessen lassen oder ist sie womöglich eher panisch bei zu hohen Werten und ich sollte dem Kind das Süße zur Seite stellen? (gleiches bei sportlichen Aktivitäten und nicht perfekten Werten)
Natürlich könnten sich die Kids auch was brechen, aber dabei ist fast immer klar, dass kein Elternteil sich wünscht, dass man die Kinder hohe Bäume raufklettern lässt, damit sie sich was brechen können. Man versucht also sein bestes, um Insektenstiche und Knochenbrüche zu vermeiden und wenn doch etwas passiert, bringt man das Kind zum Arzt (und macht sich Vorwürfe!). Kurzfristig hohe Werte sind i.d.R. ja ungefährlich, aber manche Eltern finden schon Werte ab 200 furchtbar (während wir bei Leya ja alles kennen von 20-600 und bei 200 nicht mehr mit den Wimpern zucken). Und als Außenstehender kennt man die genaue Einstellungen nicht. Wie reagiert das fremde Kind auf Sport im Kletterparcours/Eis in der Waffel/Apfel?
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monday
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

25 Aug. 2014 19:26
#93348
Wenke schrieb:
Es darf einfach nicht länger sein, dass Lehrer Angst haben dürfen und unsere Kinder nur mitnehmen, wenn die Eltern für eine Begleitung sorgen...

Auf so einer Fahrt können 1 Million Dinge passieren... Knochenbrüche, ausgeschlagene Zähne, Alkohol... bei einer Klassenfahrt hier in der Gegend kamen vor einigen Jahren zwei minderjährige Mädchen schwanger zurück!!! Leider sind auf solchen Fahrten auch schon Kinder Opfer von Gewaltverbrechen geworden.
In Anbetracht dieser Tatsachen, ist Diabetes nur eine Gefahr von gaaaanz vielen.

Angst habe dürfen sollte nicht nur jeder Lehrer, sondern jeder Mensch , dass wurde uns so mitgegeben als Überlebensstrategie.

Natürlich sollte jedes Kind mit auf solche Fahrten gehen dürfen. Es ging mir einfach darum, sich in die Betreuungsperson hineinzuversetzen. Denn wenn man Ängste versteht, kann man ihnen ganz anders begegnen.
Viele Eltern wollen mit dem Kopf durch die Wand und wundern sich dann, dass es hart ist. ;)

Gruß Vera
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Wenke
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

26 Aug. 2014 10:02
#93359
Hallo Vera,

natürlich dürfen Lehrer Angst haben, solange es nicht auf Kosten der Kinder geht! In der Tat, Angst ist überlebenswichtig. Wer keine Angst hat, hat auch keinen Mut sondern ist einfach nur wahnsinnig.

Ist deine Tochter schon mal ausgeschlossen worden? Hast du schonmal ein heulendes Häufchen Elend zu Hause sitzen gehabt, das Dinge zu dir sagt, wie "Wenn ich Bundeskanzler wäre, dürften auch Kinder mit Diabetes überall mitmachen"?

Ich schätze eher nicht?

Hast du dir schon die Finger wundgewählt und wundgeschrieben und bist von Amt zu Amt geschickt worden, wo dir dann wieder nur gesagt wurde, das könnte doch alles die Lehrerin machen bzw. ein bisschen Diskriminierung müsste man halt hinnehmen, das wäre halt so als Diabetiker, je früher sich ein Kind daran gewöhnt desto besser (Aussage der Amtärztin!)?

Wohl auch nicht?

Ich kann mich durchaus in Lehrer, Erzieher usw. hineinversetzen. Und ja, ich hätte auch Angst (auch ohne Diabetes).

Ich finde auch nicht, dass Lehrer das alles machen müssen und durchaus Angst haben und sich überfordert fühlen dürfen. Aber dann muss es eben entsprechende Hilfen geben und zwar überall in diesem Staate und nicht nur auf dem Papier und ohne dass man jedesmal klagen muss!

Wie ich schon öfter erwähnte: Ich habe eine Freundin Norwegen, die ca. 20 Jahre als Erzieherin im Kindergarten gearbeitet hat. Sie war entsetzt, als ich ihr erzählte, was wir hier alles erlebt haben und meinte, in Norwegen sei es selbstverständlich, dass sich Erzieher schulen lassen müssten, wenn ein Kind eine Krankheit oder Behinderung hat. Und wenn sich herausstellt, dass sie das überfordert, z.B. weil die Krankheit in der Tat zu komplex ist, ist es Sache der Einrichtung für Hilfe zu sorgen.

So sollte das meiner Meinung nach laufen. Damit wäre allen gedient.

Nur, dass Kinder ausgeschlossen und Eltern rumgeschubst werden, dass geht gar nicht. Und dass sogar noch Eltern, die in der Lage und willig sind, eine Klassenfahrt zu begleiten, nicht mitgenommen werden, weil das irgendwie stören würde (oder ganz ohne dass ihnen ein Grund genannt wird), das geht noch weniger. Ich kenne inzwischen 3 solcher Fälle.

Wir wollten nie mit dem Kopf durch die Wand!! Und wenn benötigte Hilfen genehmigt würden, bräuchte das niemand zu wollen. Leider machen Lehrer und Erzieher auch gern einfach dicht. Wo keine Wand ist, muss niemand mit dem Kopf durch.

Gruß Heike
Heike mit Lars (*9/2004, DM seit 11/2010, Minimed 640G, Humalog)

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delphyine
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

26 Aug. 2014 11:40
#93361
Hallo,

Ich finde, dafür müsste es erstmal einen Konsens darüber geben, ab wann der Lehrer einen Fehler macht bei Diabetes. Bei deinem Beispiel mit dem gebrochenen Arm/Bein ist es klar: Wenn etwas gebrochen ist, hat der Lehrer nicht gut genug aufgepasst. (oder manchmal ist das Kind einfach blöd gefallen, aber in jedem Fall durch ist durch, Kind kaputt). Bei Diabetes ist jeder einbisschen anderer Meinung.
Die einen finden es völlig ok, wenn das Kind bei Geburtstagen Kuchen isst, wie alle anderen auch und nehmen dann die hohen Werte in Kauf, die anderen schimpfen schon, wenn die Mutter des Geburtstagskindes nicht die genauen BE-Angaben herausgibt und das Essen der Kinder abzählt. Die einen finden 300mg/dl ist ausnahmsweise mal ok, die anderen rufen bei 250 schon im Krankenhaus an. (Ich nehme mich da nicht aus! Je nach Situation habe ich beides schon getan und ich schimpfe oft genug auf Erzieher und Lehrer)

Dieses Dilemma wird sich ja nicht lösen lassen. Aber für Lehrer ist es nahezu unmöglich bei Diabetes richtig zu reagieren. Lassen sie das Kind beim Geburtstag mitnaschen, ist das falsch, weil sie nicht die genaue BE-Angabe kennen (und selbst wenn sie da geschult sind, schau mal, wie unterschiedlich das hier gehandhabt wird, die einen sagen, Apfel berechnen, die anderen wollen Apfel nicht berechnet sehen, bei Reis, Nudeln, Kartoffeln gehen die g-Angaben pro KE weit auseinander.), lassen sie das Essen einpacken ist das ein Ausschluss und damit Diskriminierung, also auch falsch.

Beim gebrochenen Arm ist es einfacher: Kind zum Arzt und damit Aktivität unterbrochen. Aber das Kind bricht sich ja den Arm hoffentlich nicht mehrmals täglich. Der Ausschluss von der Aktivität ist damit einmalig.
Es braucht erstmal eine ganz klare Handlungsanweisung, was Lehrer dürften und sollen und was sie nicht dürfen und da müssten dann die Ärzte auch ganz klar aufschreiben, was ab welchem Wert ok ist/nicht ok ist.
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monday
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

26 Aug. 2014 15:44
#93366
Eigentlich gibt es diesen Konsens doch schon zumindest in Ansätzen. Erst einmal sind Lehrer gegen Fehler versichert. Auch bei Diabetes.
Zweitens müssen sie im Notfall helfen, das heißt, sie müssen den Notarzt verständigen. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung.
3. Dürfen sie nach genauen Anweisungen des Arztes Medikamente verabreichen- müssen sie aber nicht. Machen sie hierbei etwas falsch, sind sie versichert.

Dass sie in solchen Fällen versichert sind, wissen viele Lehrer und Erzieher aber nicht.

@ Heike
Dass mit dem Kopf durch die Wand war allgemein gemeint und nicht persönlich auf euch bezogen.
Dass dich das sehr mitnimmt, wenn dein Sohn heulend zu Hause sitzt, weil er von einer Aktivität wegen seines Diabetes ausgeschlossen wurde, kann ich gut verstehen, und auch, dass man dann Loblieder auf Lehrer satt hat.

Meine Tochter wurde wegen ihres Diabetes vom Geigenunterricht ausgeschlossen :woohoo: aber zum Glück kam ihr das in dem Moment entgegen, weil sie sowieso aufhören wollte. Und wir haben uns darüber amüsiert, dass es Menschen gibt, die so dämlich sind.
Wir hatten natürlich bezogen auf eure Situation doppelt Glück: erst einmal war meine Tochter schon älter, als sie Diabetes bekam, das heißt, sie hatte einfach schon ein anderes Selbstverständnis und konnte das Ganze überhaupt besser verstehen, auch wenn Menschen sich überhaupt nicht mit Diabetes auskannten. Und davon gibt es hier auch viele. Aber dann liegt es auch an uns diese Unwissenheit zu beseitigen. Manchmal lohnt es sich und manche werden es eh nicht verstehen, einfach weil sie für die Meinung anderer nicht offen sind.
Und wir hatten mit den Lehrern auch einfach immer Glück.
Und sie konnte ihren Diabetes natürlich von Anfang an alleine händeln.

So wie du es beschreibst, gehört Ostfriesland dann wohl zu Norwegen.
Hier holen sich die Institutionen auch entsprechende Hilfen.
Ich habe noch nie gehört, dass hier ein Kind wegen Diabetes von etwas ausgeschlossen wurde.

Wenn es hier ein Problem gäbe, dass jemand wegen Diabetes von Aktivitäten ausgeschlossen würde, bräuchen wir das nur unserer Ärztin zu sagen, die kümmert sich darum.
Somit haben wir nun wohl auch noch Glück mit der Ärztin.

Das ganze Glück mag mit daran liegen, dass hier eben alles klein und beschaulich ist. Jeder kennt fast jeden irgendwie und man weiß die Leute zu nehmen und einzuschätzen.

Und natürlich ist das dann wohl auch der Grund, warum wir dann vieles leichter nehmen.

Somit wünsche ich dir ganz viel Kraft, viel Durchhaltevermögen, viele Momente, in denen ihr Lachen könnt und viele Menschen auf eurem Weg, die euch unterstützen und verstehen.

Herzliche Grüße Vera

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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

27 Aug. 2014 07:37
#93369
monday schrieb: Eigentlich gibt es diesen Konsens doch schon zumindest in Ansätzen. Erst einmal sind Lehrer gegen Fehler versichert. Auch bei Diabetes.
Zweitens müssen sie im Notfall helfen, das heißt, sie müssen den Notarzt verständigen. Alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung.
3. Dürfen sie nach genauen Anweisungen des Arztes Medikamente verabreichen- müssen sie aber nicht. Machen sie hierbei etwas falsch, sind sie versichert.

Dass sie in solchen Fällen versichert sind, wissen viele Lehrer und Erzieher aber nicht.

Ja, aber das ist zu wenig. Denn im Endeffekt muss man auch lange mit den Eltern zusammenarbeiten. In der Grundschule 4 Jahre, in der weiterführenden Schule noch länger. Die allermeisten Fehler, die passieren sind keine Versicherungsfälle, da niemand zu Schaden kommt. Trotzdem wird das Verhältnis zu den Eltern stark getrübt, wenn man irgendwas nicht bedenkt und das Kind z.B. immer wieder sehr hohe Werte hat. Die Zusammenarbeit ist aber wichtig (Deshalb sind sogenannte Brennpunktschulen so problematisch: Dort fehlt diese Zusammenarbeit häufig komplett oder ist durch Sprachbarrieren behindert. Die Kinder sind dort die Gleichen, wie in anderen Schulen)

Ähnlich problematisch finde ich noch veganer mit Allergien. Solche Kinder werden ausgeschlossen beim gemeinsamen Frühstück und beim gemeinsamen Mittagessen, Geburtstage, bei der Klassenfahrt ist es problematisch... an welcher Stelle diskriminiere ich und bis wohin muss ich diesen Eltern entgegenkommen und auf vegane Küche achten? Da Veganer aber meist nicht sterben, wenn sie Eier essen, ist das dann einfach ein Machtkampf Schulprogramm/Lehrer-Eltern und in keinem Fall ein Versicherungsproblem. Bei Diabetes ist dieser Machtkampf dann zusätzlich mit einer gesundheitlichen Langzeitwirkung verbunden, die die Eltern möglichst gering halten wollen und Lehrer gar nicht sehen.
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

27 Aug. 2014 13:44
#93372
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich mit meinem Beitrag jetzt totsl in die Nesseln setze:

Ich habe den Diabetes 1995 bekommen, da war ich 7. Und aus dieser Sicht muss ich sagen, wird hier manchmal auch auf hohem Niveau "gejammert". Das soll jetzt gegen niemanden persönlich gehen und ist auch in keinster Weise böse gemeint, aber ich finde man sollte auch immer im Blick behalten, wie die Situation sich in all den Jahren (und alle die noch länger Diabetes haben, können da noch mehr überblicken) bereits getan hat.
Meine Eltern hatten die Wahl: Entweder sie sitzen während des Schwimmunterichts in der Umkleide, oder das Kind nimmt nicht teil, ebenso bei Klassenfahrten und Ausflügen. Zumindest solange, bis sie alleine klarkommt.

Es ist eben eine zweischneidige Sache, damals gab es nur die möglichkeit der CT, ich hatte den Vorteil, dass ich nie was berechnen musste, allerdings durfte ich auch dafür fast nix essen (bzw. musste gegessen werden, schonmal bei Magen- Darm abwechselnd erbrochen und gegessen? :sick: )und es gab kein "normales Leben".
Ich war eines von noch deutlich weniger Kindern mit Typ 1 als heute, wo das ja eh gefühlt jeder zweite hat. Man ist damit nichts großartig besonderes mehr heutzutage.
Es gab keine solch starke Lobby wie heutzutage, die sich gegen Diskriminierung einsetzt. Meine Eltern und ich musste eben alleine sehen, wie wir klar kamen.

Heutzutage ist glaube ich oft das Dilema, dass auf der einen Seite gefordert wird, dass kein Kind aufgrund des Diabetes irgendeinen Nachteil oder Unterschied zu einem gesunden Kind hat, auf der anderen Seite aber sollen nach möglichkeit alle (vorsicht, überspitzt formuliert!) Rücksicht nehmen, das Essen berechnen, die FPE mit einbeziehen, die Pumpe bedienen und die Werte im Idealverlauf halten.

Ich glaube da liegt das Hauptproblem (einzig meine Meinung!) ist, dass an zwei entgegengesetzten Fronten gekämpft wird. Diabetes ist eine Krankheit, in der sich "absolut normal sein" und "perfekte Einstellung" nicht 100% vereinen lassen. Man muss immer in dem einen oder anderem Bereich Kompromisse eingehen. Schwierig ist das halt, dass man da als Kind nicht selbst entscheiden kann, weil die Eltern entscheiden, welche Kompromisse eingegangen werden.

Ich finde es einfach wichtig, sich vor Augen zu halten, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass es völlig normal war, dass Diabetiker eine Lebenserwartung von Manifestation + 20 Jahren hatten.

Und das letztendlich auch die beste EInstellung nicht davor schützt, doch Folgeerkrankungen zu bekommen. Natürlich muss man alles dafür tun, dass dies nicht passiert, aber wenn man währenddessen kein Leben gehabt hat, nützt es einem auch wenig, 100 Jahre zu werden (vorsicht, auch übertrieben ;))!

Mir selbst fehlt ein ganzer Teil Kindheit, weil meine Eltern verständlicherweise auch alle der (damals noch wesentlich strengeren!) Vorschriften einzuhalten.

Es gab damals überhaupt keine Diskussion über nen I- Helfer oder derart. Ich finde gerade diese Diskussion zeigt doch deutlich den Widerspruch: Mein Kind soll bloß nicht benachteiligt werden, aber es soll unbedingt einen Integrationshelfer bekommen... Ich finde, damit drückt man den Kindern einen Stempel auf, aber auch das ist meine persönliche Meinung.

Letztendlich kann man sowieso alles erst rückwirkend analysieren, wenn die Kinder von heute so alt sind, dass sie es vernünftig beurteilen können, wie sie Ihre Kindheit im Nachhinein erlebt haben.

Ich finde es auch sehr wichtig, den Lehrern da wirklich auch mal Verständnis entgegen zu bringen, ich möchte auch nicht für ein fremdes Kind zuständig sein und dann das Gefühl haben, ich KANN dieser Aufgabe nicht gerecht werden.
Das die sache mit der Inklusion und den Gemeinsamen Schulen bislang eine absolute Fehlplanung vom personalschlüssel her darstelllt, würde ich auch so unterschreiben.

Ich persönlich denke, man muss einfach seinem Kind so gut wie möglich eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen, Diabetes zu haben ist so schon schwer genug. Und entgegen der häufigen Meinung, wird es mit zunehmendem Lebensalter nicht einfach ;) Perfektionismus ist selten gut und wichtig ist, dass keiner dabei auf der Strecke bleibt. Ich musste früh lernen, selbstständig zu werden, mit 12 hab ich meine Pumpe bekommen, da wurden meine Eltern nicht mehr mitgeschult! Meiner heutigen Meinung nach eine Katastrophe, allerdings musste ich das beste daraus machen.

Ein Kind vom Geigenunterricht auszuschließen ist allerdings echt schon so doof, dass es wirklich schon fast wieder lustig ist;) Das enorme Risikopotential des Geigenunterrichts wird scheinbar immer wieder unterschätzt :woohoo: ;)

Also nochmal: Ich möchte keinen persönlich Angreifen und vermutlich werden sich jetzt einige auf den Schlips getreten fühlen, aber ich wollte nur mal meine Sicht der Dinge beisteuern, wir Diabetiker beurteilen das nämlich manchmal doch anders als unsere Eltern. Und eine richtige Lösung gibt es sowieso nicht... also hilft wohl nur entspannen und Tee trinken!

Schönen Tag euch noch!
Sandra
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Wenke
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Re: Klassenfahrten und Freizeiten

27 Aug. 2014 14:43 - 27 Aug. 2014 15:08
#93373
Hallo Sandra,

du hast zweifelsohne recht bei dem meisten, was du da gesagt hast, aber:

Wenn ich meine Kindern (9, 7 und 4) erzähle, wie das FRÜHER alles so war,
z.B.
- Ich rege mich auf, weil sie jammern sie hätten zu wenig Geld, weil sie eine Woche nachdem sie volle 70 EUR (von uns bekommen sie solche Summen nicht, aber Opa schießt tüchtig zu) in ein Lego-Set investiert haben, schon wieder Wünsche haben, die dann aber ein paar Wochen warten müssen... Dann erzähle ich ihnen, dass ich mir früher nie auch nur annähernd solche großen Sachen hätte von Taschengeld kaufen können und dass solche Wünsche damals bis zum Geburtstag oder Weihnachten warten mussten.
- Unsere Kinder werden nicht, wie ich früher gezwungen Sachen zu essen, von denen ihnen schlecht wird (ich musste als Kind z.B. immer den Fettrand am Fleisch mitessen). Das Resultat ist, dass sie kein anderes Essen als ihre Leibgerichte akzeptieren und sogar noch regelmäßig rummeckern, weil es mal nicht DAS Leibgericht gibt, auf das sie gerade Lust haben. Ich war früher froh, wann immer es etwas gab, was ich essen konnte ohne würgen zu müssen. Leibgerichte gab es nur alle 1-2 Wochen mal.
- Wenn wir früher krank waren, mussten wir im Bett bleiben. Stundenlang fernsehen war nicht, es kam ja eh nichts für Kinder. Video hatten wir erst, als ich schon halb erwachsen war. Das Telefon hing am Kabel und stand im Flur und Internet gab's noch nicht. Spielkonsole hatte ich auch keine.

... dann verdrehen sie die Augen und sagen: "Ja, Mama, das war FRÜHER!! Da war die Welt ja auch noch schwarzweiß!"

Ach ja und CT hatte mein Sohn 2010/2011 auch noch (wir sind an eine besonders rückständige Klinik geraten), sogar mal mit Magen-Darm-Infekt.

Natürlich jammern wir irgendwie auf hohem Niveau. Aber das tut beinahe jeder in dieser und dieser Zeit.

Wie war das eigentlich früher, haben die Ärzte euch da auch vermittelt, du könntest praktisch normal leben?
Heute machen sie das nämlich! Ich finde, man wird von dieser Seite sehr wenig auf die Probleme vorbereitet, die einen da erwarten (können). Und wenn sie (die Probleme) dann da sind, werden sie von ärztlicher Seite gern schöngeredet und man bekommt leider oft wenig brauchbare Tipps, wie damit umzugehen ist.

Gruß
Heike

Nachtrag: Es ist heute von staatlicher Seite gewollt, dass Mütter arbeiten gehen, am besten Vollzeit (damit sie gefälligst viel Geld verdienen, viele Steuern zahlen, viel konsumieren und noch mehr Steuern zahlen können). Das geht aber nur, wenn Mütter nicht in der Umkleidekabine sitzen müssen.
Heike mit Lars (*9/2004, DM seit 11/2010, Minimed 640G, Humalog)
Letzte Änderung: 27 Aug. 2014 15:08 von Wenke.

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