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Diabetes-Kids Elternblog: Mutter-Kind-Kur oder Kinderrehabilitation? Scheidegg - Tagebuch einer gelungenen Kur

Welche Maßnahme ist die Richtige für unsere Familie? Eine Mutter-Kind-Kur oder Kinderrehabilitation? Geht das Kind allein oder in Begleitung mit einem Elternteil? Mit oder ohne Begleitkind. Hat es noch andere Erkrankungen, die mit behandelt oder berücksichtigt werden sollten/müssen? Und natürlich spielt das Alter des betreffenden Kindes eine wichtige Rolle.

Und jetzt seid Ihr gefragt! Wie wäre es, wenn Ihr einen ähnlichen Bericht verfasst? Oder unter Kommentare hinzufügt. Das könnte für andere Eltern hilfreich sein. Denn obwohl ich schon öfter mit unserem Sohn zur Kur war, trat ich diese Reise mit Sorge an. War diese Kinderrehabilitation wirklich das, was ich wollte? Was mein Sohn brauchte? Würde es ihn weiterbringen? Was wenn es nicht so war, wie ich es mir erhofft oder vorgestellt hatte?
Doch Vorsicht! Geschildert wird hier nur mein Kuralltag und was mir so passiert ist. Es geht hier nicht darum, ob das Essen geschmeckt oder die Putzfrrau einen guten Job gemacht hat!

Nun zu uns:

Nun zu uns:ich(41) - Begleitperson  /  Vater(39) - darf zu Hause bleiben  /  meine Tochter(6) - Begleitkind, Erstklässler  /  Sohn(10) - Viertklässler, hat seit neun Jahren Diabetes, keine weiteren Erkrankungen

 

Zielsetzung:

  •  Selbstständigkeit im Umgang mit seinem Diabetes weiter fördern.
  •  neue Dinge lernen und sich zutrauen. (z.B. Katheter wechseln)
  •  Andere Kinder kennenlernen, die ebenfalls Diabetes haben.

Zum Schluss mein Fazit: Es war genau das, was ich mir für unseren Sohn erhofft hatte. War viel erholsamer als ich mir je zu träumen wagte. Die Ärzte und das Personal, viel frischer und unkonventioneller, als ich es für möglich gehalten hätte. Einfühlsamer im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Ich habe meinen Sohn dort aufblühen sehen und mitbekommen, wie er einen ganzen Tag ohne mich unterwegs war. Ohne Angst haben zu müssen, dass er weggeschickt wurde, weil seine Werte nicht in das Konzept des Betreuers passten.( In der Schule kommt das leider öfter vor). Beruhigend zu wissen, dass wenn die Zeit kommt und unser Sohn allein nach Scheidegg geht, er dort verdammt gut aufgehoben ist!

Fachklinik Prinzregent Luitpold, Scheidegg/Allgäu

Tagebuch einer gelungenen Kur

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Mittwoch, 25. November

Unsere Anfahrt mit dem Zug verlief fast reibungslos. Fast. Denn ... Wir hätten mal lieber nicht den letzten Zug nicht verpassen dürfen. Und dann traf ich eine Entscheidung, die ich noch bereuen sollte. Ich stieg in ein Taxi. Wohlgemerkt, es war das Einzige, dass vor dem Bahnhof in Lindau stand. Der Fahrer war weit über sechzig, wenn nicht sogar noch älter. Mit Besorgnis sah ich, wie die linke Hand am Steuer vor sich hin zitterte und auch, dass er bei der einsetzenden Dämmerung, nicht mehr recht sehen konnte. Seine Nase klebte fast an der Frontscheibe und die Knöchel der lenkenden Hand, traten weiß hervor. In Lindau schneite es wohl schon seit Stunden, denn draußen war alles von einer dicken Schneedecke bedeckt. Das Schneetreiben wurde immer heftiger und Straßen samt Umgebung verschmolzen zu einem grauen Weiß. Mit den Kindern auf dem Rücksitz, so mitten im Nirgendwo, das kam mir dann doch etwas suspekt vor! Aussteigen ging auch nicht. Nicht mehr! Was wollte ich mit Koffern und Kindern, bei dem Wetter, mitten im Nirgendwo! Warum dauerte das so lange?
Können sich Taxifahrer verfahren? Oh ja sie können! Das Navi macht´s möglich! Aus 15 Minuten wurden satte 1,5 Stunden! Zum Glück musste ich nur den normalen Preis bezahlen. Aber am glücklichsten war ich, als wir endlich unbeschadet vor dem Eingang der Klinik standen.
Ist es nicht schön, die Erste gewesen zu sein, der laut Klinikpersonal, so etwas passierte? Typisch! So etwas kann nur mir passieren!

An diesem Abend erfolgte nicht mehr viel. Abendessen. Schlüsselübergabe und im Apartment die Koffer auspacken. Diese hatte ich fünf Tage vorher per Post verschickt.

Am tollsten fanden meine Kinder das Hochbett und das sich im Schrank ein Fernseher versteckte. Ich hingegen fand den ultrabequemen Sessel ganz toll und den kleinen Kühlschrank.

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Donnerstag, 26. November

Bevor es zum Frühstück geht, treffen sich alle im Aufenthaltsraum um 07:15 Uhr zum Blutzucker Test. Hier wird kurz besprochen, ob man etwas anpassen muss oder wie die Nacht verlaufen ist. Das ist jeden Tag, von Montag bis Freitag so! Ein super Tag! Superviel Schnee! Die Kinder gut aufgelegt. Es gab kaum verpflichtende Termine. Keine Schule. Nur ein Rundgang durch sämtliche Gebäude und das Aufnahmegespräch bei der Ärztin. Mein Sohn wurde gewogen und gemessen. Blutdruck und der Hba1c. Letzteres nicht venös, sondern nur per Finger piken. 
Der Rest des Tages stand uns frei zur Verfügung. Ich nutzte die Gunst der Stunde und verschwand mit den Kindern für eine Stunde ins Hallenbad. Nach dem Schwimmen gingen wir zum Abendessen. Leicht bekleidet. Die Kinder in Hausschuhen. Ich war wirklich tiefenentspannt. Und dann ...
Feueralarm!
Fünf Sekunden betreten aus der Wäsche gucken und erst einmal den Lärm analysieren. Kinder schnappen und raus rennen. Am Sammelplatz ausharren, was gar nicht so einfach war. Aber zum Glück sind wir gebildete Menschen, die das Verhalten von Pinguinen kennen. Also wurden alle Kinder in einen Kreis gestellt und wir Erwachsene darum. Dreißig Minuten können lang werden. Im Dunklen. Bei Schneefall. Manche Erwachsene nur kurzärmlig, weil sie ihre Jacken den jüngsten Kindern gaben. Bis die Feuerwehr endlich Entwarnung gab. Irgendein Trottel hatte den Feueralarm ausgelöst!
Immerhin ist mir das nicht allein passiert, sondern mindestens fünfzig anderen auch. Das verbindet, finde ich.

Freitag, 27. November
Wir sind nun auch gedanklich angekommen und haben uns an die Örtlichkeiten gewöhnt. Für die Kinder beginnt wieder der Schulalltag. (Zwei Stunden pro Tag.) Nur der Diabetes spinnt und zickt herum! Aber das ist ok. Wir wohnen hier um einiges höher und der viele Schnee muss auch mit Eimern, Schaufel und Schlitten bearbeitet werden. Das strengt an und macht unheimlichen Hunger! Jede Nacht zwischen ein und zwei Uhr beehrt uns eine Nachtschwester. Das ist auch nötig, da die Blutzuckerwerte in den ersten Nächten ganz schön niedrig ausfallen.

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Samstag, 28. November
Schnee, Schnee und nochmals Schnee! Die Schneedecke ist wieder um ein paar Zentimeter gewachsen. Trotzdem sind wir heute nach dem Frühstück ins Hallenbad gegangen. Es ist hier überaus praktisch, dass alle Häuser unterirdisch miteinander verbunden sind. So kommt man von Gebäude zu Gebäude, ohne nasse Füße zu bekommen. Man darf sich nur nicht verlaufen. Trotz der vielen “Kurianer“ waren wir die Einzigen im Hallenbad. So konnte ich eine Stunde lang ungebremst Bahnen ziehen. 
Nach dem Mittagessen ging's raus in den Schnee und mit Mach 6 den Abhang hinunter. Also die Kinder, nicht ich! Mit Kopf voraus und auf dem Bauch liegend, dass hätte dann doch etwas unseriös gewirkt. 
Morgen werden wir hoffentlich noch einen ruhigen und entspannten Tag haben. Am Montag bläst dann der Wind aus einer anderen Richtung!

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Donnerstag, 03. Dezember
Die Tage sind gut ausgefüllt. Wir gehen von Termin zu Termin. Was ich jetzt nicht als stressig empfinde. Ganz im Gegenteil. Hier wird die Therapie mit dem Kind gemacht. Keine hochtrabenden Erklärungen. Das Kind steht mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund und der Diabetes wird mitgenommen. Das ist für die Kinder hier eine ganz tolle Erfahrung. Für mich natürlich auch. Es ist schön hier zu sein! Auch wenn gerade ein fieser Magen-Darm-Virus grassiert und ich den ersten Dezember hauptsächlich über der Kloschüssel verbrachte.

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Samstag, 05. Dezember
Gestern Abend kam der Nikolaus mit Knecht Ruprecht, in Begleitung eines Esels. Anschließend gab es in der Kapelle noch eine kleine Veranstaltung und natürlich für alle Kinder eine Tüte mit Schleckereien. Für die Diabetestruppe lagen kleine Zettel in den Tüten, auf denen stand, wie viel KE die Sachen hatten. Die Schokoladennikoläuse überlebten bei meinen Kindern nicht einmal die nächste halbe Stunde!

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Sonntag, 06. Dezember

Heute am Sonntag waren wir morgens im Juki (eine Art Jugendtreff) Billardspielen. Für alle Kinder, die ab sechs Jahren über den Tisch gucken konnten, gab es eine intensive Einführungsstunde. Nachmittags besuchten wir das Hallenbad und danach, das hatte sich schon als lieb gewonnene Rutine eingeschlichen, ein Nachmittagskaba mit Kuchen. Später ging's zur Fackelwanderung durch den stockdunklen Wald. Buhah! Unser Führer, den es Spaß machte, Schauergeschichten zu erzählten, gab etwas vom Wolf zum Besten. Von wegen jagen und dass sie in unseren Wäldern wieder Fuß fassen würden. Na klar! Da war er bei mir eindeutig an der falschen Adresse! Welches Raubtier ist schon so bescheuert und greift eine Horde Mütter an, deren Kinder Fackeln in den Händen halten und einen Geräuschpegel verursachen, den man kilometerweit hören kann? Als ich das in einer milderen Form zu bedenken gab, unternahm er noch einen letzten Versuch, mich und die, die hinter mir mit gespitzten Ohren folgten, gruseltechnisch einzustimmen. Grizzlybären hätten vor gar nichts Angst! “Ja“, stimmte ich zu,  “aber wenn ich hier im Wald einem Grizzly begegnen würde, dann wäre das für mich einfach saudumm gelaufen!“ 
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Montag, 7. Dezember.

Heute war ich den ganzen Vormittag frei von Terminen, während mein Sohn schon um 08.30 Uhr zur Sporttherapie und anschließend um 10:00 zum Unterricht musste. 

13.00 Uhr gab es für mich in der Schule eine Gesprächsrunde für die einzelnen Klassenstufen. Es ging um organisatorische Dinge. Normalerweise wäre der Termin schon viel früher gewesen, doch der Magen-Darm-Virus brachte auch hier so einiges durcheinander. Später versuchte ich mein Glück, unseren Sohn davon zu überzeugen, sich den Katheter einmal selbst zu setzen. Erfolglos. Immerhin bekamen wir ihn dazu, die Pumpe so weit zu bedienen, dass sie einsatzbereit war und nur noch der Katheter gelegt werden musste. Dazu kann ich nur sagen, es ist verdammt schwierig, neue Fortschritte zu machen, wenn der Diabetes irgendwie schon immer da war und man das Leben ohne gar nicht kennt. Immerhin hat er ein paar Tage später eingelenkt und sein Können an einer Stoffpuppe ausprobiert. Zugegeben hat er es natürlich nicht, doch es hat ihn beschäftigt, dass die kleinen Mädchen aus seiner Gruppe, diesen Schritt bereits gemacht, und überall stolz erzählten, dass sie sich den Katheter selbst gelegt hatten.

Mit der Schwester legte ich eine Extrarunde ein. Da die Begleitkinder hier nur mitlaufen, muss man aufpassen, dass sie nicht untergehen. Deshalb nutzte ich jede Gelegenheit, wenn es ein entsprechendes Angebot gab, zu einem Mutter-Tochter-Ding! 
Heute ging es mit ihr um 16:45 Uhr zur Bastelstunde.

Dienstag, 08. Dezember
8:30 Uhr stand Entspannung auf meinem Plan. Schon wieder. Auf einem Kissen liegend, dazu noch in einer kuscheligen sonnengelben Decke eingepackt. Den Klangeffekten verweigerte ich mich, und auch, was ich mit meinen Muskeln alles machen sollte. Von wegen anspannen und loslassen. Lieber döste ich so vor mich hin. Hab mich hinterher auch so entspannt genug gefühlt. Meine Kinder waren schließlich zu der Zeit mit Schule und Sport beschäftigt. Damit also ein 90 % geringerer Stressfaktor. Mein Sohn durfte außerdem zum zweiten PC-Test antreten, bei dem er befragt wurde, was ihm Sorgen machte.
Nach meiner Anti-Stress-Runde ging´s zur Lehrküche. Dort bereiteten wir Obst-Tiramisu zu.  Köchelten Nudelauflauf und mischten Salat mit Sonnenblumenkernen zusammen.
Nach dem Mittagessen (es gab die Gerichte aus der Lehrküche) ging es für uns alle weiter. Diabetes-Schulung und Elterngesprächskreis. Um 16:30 Uhr sammelte ich meine Kinder von den Tagesgruppen ein. Alles in allem war das der anstrengendste Tag gewesen.

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Mittwoch, 09. Dezember

Halbzeit. Ab heute liegen weniger Tage vor, als hinter uns. Mein Tag begann, wie jeden Morgen, um kurz vor sieben. Auch diese Nacht hatte mich die Nachtschwester zwei Mal aus dem
Schlaf gerissen, weil die Werte korrigiert werden mussten. Mittlerweile die vierte Nacht infolge. Seit meine Kinder morgens ein Türchen vom Kalender öffnen dürfen, kommen beide zumindest schneller aus dem Bett. Doch aus dem Schlafanzug heraus und in den Speisesaal ... Das dauert wesentlich länger!

Um die Zeit bis zum nächsten Termin zu überbrücken, bin ich für eine Stunde in den Fitnessraum verschwunden. (Das mache ich öfter.) Danach schnell Duschen und zur Rehabesprechung. Hier wollte man hauptsächlich wissen, ob ich mich wohlfühle oder ob es irgendwelche Probleme gibt. Da wir hier nur wegen Diabetes, und nicht wegen anderer Begleiterkrankungen angereist sind, führe ich im Gegensatz zu meinen anderen Leidensgenossinnen, ein sehr, sehr entspanntes Leben! Der überwiegende Teil der Gruppe ist noch nicht so lange mit dem Diabetes vertraut. Manchmal habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, wenn ich beobachte, wie schwer sie sich mit Dingen tun, die für mich mittlerweile selbstverständlich sind. Vielen fehlt noch die Gelassenheit des alltäglichen Umgangs mit dem Diabetes. Vor allem bei den Hauptmahlzeiten, da "grüßte täglich das Murmeltier". Lustig war das nicht! Ich frag mich, was der Grund sein könnte, wenn ein Kind zu denen gehört, die nur sehr langsam essen und auch noch wählerisch sind. Wie ich x KE bolen kann und dann am Tische täglich mehrfach einen Kollaps bekomme, weil es nicht gegessen werden möchte. Das ist doch für Kind und Mutter die Hölle auf Erden! Andererseits weiß ich, dass ich mir das hart erarbeiten musste, um dahin zu kommen. Dabei bin ich bei Weitem noch nicht am Ende angekommen. Sofern es diesen Zustand überhaupt gibt. Wer weiß, womit ich mir meine eigene Hölle schaffe und es gar nicht bemerke.
Wie dem auch sei, ein langer regnerischer Tag ist zu Ende gegangen. Im angrenzenden Raum, in dem die Kinder schlafen, ist endlich Ruhe eingekehrt.
Morgen steht ein zweistündiges Einkaufstraining an. Das wird sicherlich lustig werden! Im positiven Sinne natürlich. Was denn sonst!

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Donnerstag, 10. Dezember
Es ist wieder kälter geworden. Die Wiese vor unserem Fenster war komplett mit Reif überzogen. Nach dem Frühstück stand das Einkaufstraining mit der Diätassistentin auf dem Plan. Für mich der einzige Event des Tages. Meinen Sohn sehe ich heute nur zum Mittagessen und dann geht es für ihn zur Diabetes-Schulung. Anschließend zur Schule. (Eine Stunde Nachmittagsunterricht.) Und zum Abschluss des Tages in die Schwimmtherapie. 
Zurück zum Einkaufstraining. Um ehrlich zu sein, habe ich mich gelangweilt, denn es ging um all das, was bei uns sowieso selten, bis gar nicht auf dem Teller kommt. Tiefkühlkost und Fertigprodukte. Zugehört hab ich schon, nur eben mit einem halben Ohr. Informativ fand ich neue Produkte zur Behebung von Unterzuckerungen aus der Babyabteilung. Da gibt es Fruchtmus im praktischen Trinkbeutel mit Drehverschluss. (Markennamen darf ich ja nicht nennen)
Der Nachmittag wollte heute überhaupt nicht vergehen, obwohl die Mädchen mit Musik hören und Karten spielen beschäftigt waren. Die Jungs mit herumtoben, schreien und herumblödeln. Ich bin müde und fühle mich genervt! Hoffentlich schlafen die Kinder heute schneller ein. Hoffentlich lässt mich der Diabetes heute Nacht ein paar Stunden länger schlafen. Und die Nachtschwester. Vor allem die Nachtschwester!

Freitag, 11.Dezember
Natürlich sind die Kinder nicht eher eingeschlafen. Und natürlich hat mich die Nachtschwester schon wieder geweckt. Schon komisch, was von mir um zwei Uhr in der Früh erwartet wird! So aus dem Tiefschlaf aufgeschreckt ganze und zusammenhängende Sätze herausbringen ... In den ersten Sekunden eher schwierig! Fast hätte ich meiner Tochter den Strohhalm in den Mund gesteckt. Die Kinder haben in ihrem Zimmer ein Hochbett. Da jeder oben liegen möchte, wechseln sie sich täglich ab. Das kann schon mal verwirren.

Mein Sohn musste heute als Erstes zur Sporttherapie und anschließend zum Unterricht. Ich zur Blutzuckervisite mit dem Arzt und danach zur psychologischen Schulungsreihe. Thema war Stressbewältigung. Die Psychologin war verdammt gut drauf! Ihr Vortrag war nicht eine Sekunde langweilig. Zum Schluss wurden wir aufgefordert, zwei Stressbewältigungsübungen mitzumachen. Den “Gorilla“ und den “Zitteraal“. Ich gehöre nicht gerade zu der Sorte Mensch, den es leicht fällt, alle Hemmungen fallen zu lassen und mit einem lauten Huuuhaaa, stoßweise auszuatmen.

In der letzten Reihe wurde am lautesten gelacht, da sie in dem Genuss kamen, auf alles ein Auge zu haben. Dagegen stand ich in der zweiten Reihe und kam mir leicht bis mittelschwer bekloppt vor! Wie der Zitteraal aussah? Nun ich würde sagen, wie wenn man die Tollwut im Endstadium erreicht hat und in eine Steckdose langt.

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Samstag, 12.Dezember
Ganz kurz zum Wochenende: Heute Vormittag war unser Sohn beim Tauchkurs.
Heute Nachmittag schafften wir es endlich zum Skywalk hinauf. So oberhalb der Baumwipfel herumzulaufen war schon etwas merkwürdig.

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Montag, 14. Dezember
Wie jeden Morgen treffen wir uns bis 7.15 Uhr im Aufenthaltsraum zum Blutzuckertest. Dann geht es ab zum Frühstück. Sie wird anschließend zur Schule geschickt und er in die Tagesgruppe, bis die Schule anfängt. Und ich dreh bis zur Blutzuckervisite eine Runde im Fitnessraum. Nach dem Mittagessen habe ich noch Diabetes Schulung. Die sind meist sehr lustig. Bevor sie anfangen, währenddessen und hinterher sowieso. Dieses Mal ging es um Insuline. Wer sie herstellt und  aus was sie bestehen. Wie lange sie wirken und warum.
Damit wäre die Pflicht beendet. Kommen wir nun zu den angenehmen Dingen des Lebens. Für den Nachmittag habe ich die Weihnachtsbastelstube gebucht. Meine Kinder waren sehr kreativ. Ich hab das ganze Gebastelte schier nicht tragen können. Die Seidentücher von gestern musste ich ja auch noch mitnehmen. Hoffentlich passt der ganze Kram in den Koffer!
Und dann? Bin ich fertig. Geistig und körperlich sowieso.

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Dienstag, 15. Dezember

Kurz etwas zu den Blutzuckerwerten: Sie haben sich deutlich verbessert! Mein Sorgenkind waren die nächtlichen Werte. Das pure Chaos! Morgens an vier Tagen hintereinander im zweistelligen Bereich zu sein, das muss Jahre her sein! Dafür nehme ich die nächtlichen Besuche der Nachtschwester gerne auf mich. Schließlich wurde ordentlich an der Basalrate geschraubt und dies sollte auch überwacht werden. 
Nun zu unseren Tagesablauf:
07:15 Uhr Blutzuckertest
08:30 Uhr Sporttherapie (Sohn)
08:30 Uhr Schule (Tochter)
10:00 Uhr Schule (Sohn)
11:00 Uhr Elterngespräch mit Psychologin (nur ich)
11:30  Uhr Blutzuckertest
13:00  Uhr Diabetes-Schulung (Sohn)
13:45 Uhr Entspannung Kind + Begleitperson 
14:30 Uhr Elterngesprächskreis Diabetes 
15:30 Uhr Ende
Zusätzlich gab es heute noch einen Gottesdienst in der Kapelle, bei dem willige Kinder mitsingen und mittanzen konnten.
21:51  Uhr gucke ich “Sing meinen Song“ und verputze die restlichen Chips.

Mittwoch, 16. Dezember

Heute durfte ich endlich auch einmal richtig lange die Schulbank drücken! Von 8:15 bis 9:45 war Diabetes-Schulung. Uns wurden verschiedene Pumpen gezeigt, und was sie können oder (noch) nicht können. Stahlkatheter oder Teflon? 
Danach kam das Übliche:
- Verwendung unterschiedlicher Bolusformen
-Wechseln des Katheters
- Wo kann das Infusionsset angelegt werden
-Basalratentest
-Basalrate bei Insulinpumpentherapie
-Hyperglykämie bei Insulinpumpentherapie
Natürlich wurden diese Themen auch für die Nichtpumpis besprochen. Dazu Unmengen an Informationsmaterial.
 
Um 10:00 Elternrunde in unseren Aufenthaltsraum. Ganz entspannt, wie immer.
Am Nachmittag hatte ich mich mit dem Großen zum Massagekurs angemeldet. Er lag da und hat es genossen, wie ich meinen “Traktor“ holte. Das Feld pflügte. Kartoffeln setzte und diese zuschüttete. Dann kam der Regen und der Traktor fuhr wieder heim. 
Die Kursleiterin zeigte mir Druckpunkte an den Fußsohlen, die die Bauchspeicheldrüse aktivieren sollte. Diese sei bei uns sowieso hinüber, meinte ich. Gut, das war etwas überzogen. Gemacht habe ich es natürlich trotzdem. Wer weiß, schließlich hat man schon Pferde kotzen sehen!
Nach dem Kurs war ich so erschöpft, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Nur einer wabbelte zäh in meinem Kopf vor sich hin. “Kaffee!“
Mir fehlt hier einfach der kurzzeitige Mittagsschlaf, um mich zu regenerieren. Und bei der einschläfernden Hintergrundbeschallung willst du einfach nur die Augen zu machen. 

Jetzt ist es 21:49. Ich bin topfit. Es gab ein perlendes Getränk für alle Muttis in unserer Gruppe. Eines der Kinder hatte sein zweites Diabetes-Jubiläum. Wir haben auf das Mädchen angestoßen und es gedanklich hochleben lassen. Eigentlich eine schöne Sache. Das sollte ich nächstes Jahr auch machen. 10 Jahre Diabetes gemeistert zuhaben, also wenn das kein Grund zum Feiern ist.

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Freitag, 18. Dezember
Heute sollte es ein besonderer Tag für alle Kinder werden! Dafür hatten wir in der Lehrküche Vanillekipferl gebacken. Bastelten mit den Kindern Papiersterne. Verpackten Kleinigkeiten in Geschenkpapier und sogar für Musik war gesorgt!
Vorher kam natürlich erst die Pflicht.
8:30 Sporttherapie (Sohn)
8: 30 Schule (Schwester)
8:45 Lehrküche für Begleitpersonen. Heute gab es Kartoffelpüree mit Hackfleischküchle und besagte Vanillekipferl.
9:50 Blutzuckervisite
10:00 Schule (Sohn)
10:30 psychologische Schulungsreihe (Eltern). Es ging um das Spielverhalten von Kindern.
Um 15 Uhr gingen wir zuerst zu der offiziellen Klinikveranstaltung. Es wurde gesungen und natürlich gegessen und getrunken. Danach ging es in unser Haus zurück. Päckchen aufreißen. Essen. Trinken. Tanzen. Danach alle ein paar Minuten auf dem Spielplatz den Blutzucker abbauen. Aufatmen und für dreißig Minuten die Stille genießen.
Doch damit war es noch nicht genug. Denn das Beste sollte noch kommen! Die Mädchen hatten sich schon vor ein paar Tagen ausgemacht, wer wo schlafen wollte. Meine Tochter sicherte sich ihren Platz, indem sie mit Bettzeug, sowie Zahnputzsachen vor der Tür der Gastmutter ihrer Wahl stand.
Mein Sohn hätte das auch gerne gemacht. Leider ist sein bester Freund hier mit Adhs ausgerüstet und dessen Mutter wollte es nicht einmal versuchen. Schade, aber durchaus nachvollziehbar. 

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Samstag, 19. Dezember
Der heutige Tag zog sich zäh dahin. Besonders unentspannt waren die Mädels. Typisch. Die Nacht durchfeiern und dann den darauffolgenden Tag miese Stimmung verbreiten. Die Futterorgie blieb auch bei unserem Sohn nicht ohne Folgen. Zuerst waren die Werte extrem hoch und ab 24 Uhr ging es steil abwärts! Mein Schlafpensum fiel daher erwartungsgemäß ziemlich kurz aus.
Als ich dies beim Frühstück erzählte, wurde mir sehr schnell klar, dass es bei den anderen auch nicht besser gelaufen war. Seufzen. Augenrollen. Am zweiten Pott Kaffee festhalten und den Abend herbeisehnen. Sollte ich erwähnen, dass wir am Freitagabend noch auf eine Runde ohne Kinder zusammengehockt sind? Lieber nicht! Am besten, ich gehe dann mit den Kindern raus. Den Kopf freimachen.

Montag, 21.Dezember

07:30 Uhr sollte mein Sohn im Labor erscheinen. Wie zu Beginn wurde der Blutdruck gemessen, Blut für den Hba1c entnommen und sein Gewicht bestimmt.

08:30 Uhr Schule (Schwester)

09:45 Uhr Lehrküche für Begleitpersonen

Kartoffel-Lauch-Suppe, Gemüselasagne, Apfelstrudelmuffins und Kindertiramisu, sowie Pizza für den Abend

Für Dienstag Apfel- und Käsekuchen.

10:00 Uhr Schule (Sohn)

11:30 Blutzucker-Test

13:00 Uhr psychologischer PC-Test (Sohn)

14:00 Uhr Diabetes-Schulung (Begleitpersonen)

 

Dienstag, 22. Dezember

Mein letzter Tag im Paradies begann damit, dass nach einem kurzen Anklopfen, ein Kind aus der Gruppe in der Tür stand. Und ich senkrecht im Bett! Ich hatte vergessen den Wecker neu einzustellen. Daher erschien ich etwas verspätet und nicht so ganz mit perfekt gestyltem Haar beim allmorgendlichen Blutzucker-Test. (Ein Hoch auf das Erfinden des Haargummis!)

08:20 Uhr Basalratenabgleich

08:30 Uhr Sporttherapie (Sohn)

08:30 Uhr Schule (Lina)

08:30 Uhr Entspannungslehrgang (ich)

09:45 Uhr ärztliche Beratung

11:30 Uhr  Blutzucker-Test

Vor und nach dem Mittagessen Aufstellung für das Gruppenfoto

14:30 Uhr Elterngesprächskreis Diabetes

Anschließend Kuchen essen und Tee schlürfen. Kinder essen, mampfen und spielen. Später saßen wir noch zusammen. Zum letzten Mal.

Mittwoch, 23. Dezember

Alles fing an, wie gehabt. Und doch war alles anders. Nach dem Frühstück hieß es für uns Abschied nehmen. Ein Wechselbad zwischen Glück und Unglück. Oder irgendetwas dazwischen. Jeder freute sich auf zu Hause. Auf altes Vertrautes. Familie und Freunde. Mehr Freiraum. Anderseits, so ging es mir, werde ich viele Gespräche vermissen und das gegenseitige Verstehen. Jeder von uns wusste, was es heißt, ein Kind mit Diabetes zu begleiten. Wie anstrengend, kräftezehrend und aufwendig es ist. Und dass das, was scheinbar leicht und unbeschwert wirkte, oft hart erarbeitet war.

Wieder zu Hause angekommen hätte ich am liebsten meine Koffer genommen und wäre umgedreht! Zu laut, zu schnell, viel zu viel von allem. Mein Leben war vier Wochen entschleunigt und meine innere Uhr tickte noch im Scheideggtackt!

Puh. Vielen Dank fürs durchhalten! Das war wirklich jede Menge Text! Um genau zu sein 4003 Wörter. Herzlichen Glückwunsch! Du hast es geschaft!

The End

 

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