Tirzepatid bei Typ-2-Diabetes: Kein belegter Zusatznutzen bei Kindern und Jugendlichen
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Tirzepatid, bekannt unter dem Handelsnamen Mounjaro, für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes bewertet. Das Ergebnis: Ein Zusatznutzen gegenüber den bislang verfügbaren und vom G-BA festgelegten Vergleichstherapien ist derzeit nicht belegt.
Wichtig dabei: Diese Bewertung bedeutet nicht, dass Tirzepatid bei Kindern und Jugendlichen nicht wirkt oder nicht eingesetzt werden darf. Ausschlaggebend für die Entscheidung war vielmehr, dass für die Nutzenbewertung keine geeigneten Daten vorlagen, mit denen Tirzepatid direkt mit der sogenannten zweckmäßigen Vergleichstherapie verglichen werden konnte.
Seit Anfang 2026 auch für Kinder ab zehn Jahren zugelassen
Tirzepatid ist seit Januar 2026 auch zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes zugelassen. Es kann ergänzend zu Ernährung und Bewegung eingesetzt werden – entweder allein, wenn Metformin nicht infrage kommt, oder zusätzlich zu anderen Medikamenten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes.
Der Wirkstoff wird einmal wöchentlich gespritzt und wirkt an den Rezeptoren der Darmhormone GIP und GLP-1. Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes kann Tirzepatid den Blutzucker deutlich senken und führt häufig auch zu einer Gewichtsabnahme.
Was hat der G-BA bewertet?
Bei der sogenannten frühen Nutzenbewertung wird nicht grundsätzlich geprüft, ob ein Medikament wirksam ist. Stattdessen geht es um die Frage, ob ein neues Medikament gegenüber bereits etablierten Behandlungsmöglichkeiten einen zusätzlichen therapeutischen Vorteil bietet.
Für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und unter 18 Jahren mit Typ-2-Diabetes legte der G-BA verschiedene mögliche Vergleichstherapien fest. Dazu gehören unter anderem Kombinationen aus Metformin mit Insulin, GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid oder Dulaglutid sowie SGLT-2-Hemmern wie Dapagliflozin oder Empagliflozin.
Für einen geeigneten direkten Vergleich von Tirzepatid mit diesen Behandlungsoptionen lagen jedoch keine ausreichenden Daten vor. Deshalb kam zunächst das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und nun auch der G-BA zu dem Ergebnis:
Ein Zusatznutzen von Tirzepatid ist nicht belegt.
Der G-BA stellt ausdrücklich fest, dass für wichtige Bereiche wie Lebensqualität keine Daten beziehungsweise für Krankheitsverlauf und Nebenwirkungen keine ausreichend bewertbaren Vergleichsdaten vorlagen.
Was bedeutet das für Familien?
Die Entscheidung bedeutet nicht, dass Tirzepatid aus der Behandlung von Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes verschwindet. Die Zulassung besteht weiterhin.
Ob Tirzepatid für ein bestimmtes Kind oder einen Jugendlichen infrage kommt, muss individuell mit dem behandelnden diabetologischen Team entschieden werden. Dabei spielen unter anderem die bisherige Therapie, die Stoffwechseleinstellung, Begleiterkrankungen, das Körpergewicht sowie mögliche Nebenwirkungen eine Rolle.
Für Familien ist außerdem wichtig zu wissen: Die aktuelle Bewertung betrifft ausschließlich Kinder und Jugendliche mit Typ-2-Diabetes. Sie betrifft nicht die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes.
Der G-BA geht in Deutschland von etwa 300 bis 390 Kindern und Jugendlichen aus, die der konkret bewerteten Patientengruppe angehören.
Weiterführende Informationen
Über den aktuellen Beschluss berichtet auch das Deutsche Ärzteblatt ausführlich. Dort finden sich weitere Informationen zur Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses und zur vorausgegangenen Bewertung durch das IQWiG.
Stand: 21. August 2026
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