Forschungsansätze zur Heilung von Diabetes

Senkt eine Impfung gegen Rotaviren bei Kindern das Risiko für Typ-1-Diabetes?

Verfasst am . Veröffentlicht in Heilung

Der Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und einer Diabetes Typ 1-Erkrankung wird schon seit Längerem erforscht. Heute möchte ich Ihnen zwei neuere Studien vorstellen, die untersucht haben, ob eine Impfung gegen Rotaviren möglicherweise von einem Typ-1-Diabetes schützt. Wir danken unserem Experten Prof. Dr. Baptist Gallwitz für den Hinweis auf die Studien.

Beide Studien beschreiben, dass in Australien in den Jahren seit 2008 die Zahl an neudiagnostiziertem Diabetes bei Kindern zurückging. Im Mai 2007 war in Australien eine Impfung gegen Rotavirus bei allen Kindern ab der 6. Lebenswoche eingeführt worden, an der ca. 84 % aller Kinder teilnahmen. Im National Diabetes Services Scheme, der so gut wie alle Kinder mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes in Australien erfasst, konnte für die Zeit seit Einführung der Rotavirus-Impfung bei Kindern zwischen 0 und 4 Jahren nun ein Rückgang der Neuerkrankungen um 14% festgestellt werden. Für ältere Kinder zwischen 5 und 14 Jahren war der Rückgang nicht signifikant. Insgesamt nahmen in Australien nach der Rotavirus-Impfung seit 2008 die neuen Fälle von Typ-1-Diabetes von 130 auf 110 pro Jahr ab. In Deutschland ist die Rotaviren-Impfung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen.

Rotavirus-Infektionen führen möglicherweise dazu, dass das Immunsystem so verändert wird, dass die Betazellen der Bauchspeicheldrüse empfänglicher werden für Angriffe. Es handelt sich hier aber nur um einen von mehreren Umweltfaktoren, die bei genetisch empfänglichen Kindern zu der Autoimmunerkrankung führen können. Trotzdem schützt die Rotavirus-Impfung jedoch möglicherweise zumindest einen Teil der Kinder vor Typ-1-Diabetes. Ein kausaler Zusammenhang ist jedoch nicht bewiesen und andere Ursachen für den Rückgang bei den Typ-1-Erkrankungen sind möglich. Zudem war in einer finnischen Kontroll-Studie der Rückgang nicht zu beobachten. Dennoch machen die neuen Studien Hoffnung, dass Impfungen vielleicht einen Beitrag zur Prävention des Typ-1-Diabetes leisten können. Hier sind weitere Studien notwendig.

Quellverweis: Diabetes-News ad hoc von DiabetesDE vom 23.4.2019
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Quellen: 
Perrett K P. et al.: Association of rotavirus vaccinatin with the incidence of type 1 diabetes in children. Research Letter. JAMA Pediatr. 2019; 173(3)280-202. doi:10.1001/jamapediatrics.2018.4578

Abbasi J: Quick Uptakes: After rotavirus vaccine, Australia‘s type 1 diabetes incidence declines. JAMA published online March 13, 2019. doi:10.1001/jama.2019.0766

Schatz H. Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.https://blog.endokrinologie.net/rotavirus-impfung-kinder-typ-1-diabetes-4076/ [zuletzt aufgerufen 17.04.2019]

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Impfkalender 2018/19: https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html;jsessionid=FDE13C976337822ACA0AC381913B129D.1_cid390 [zuletzt aufgerufen 17.04.2019]

Tags: DiabetesDE, Forschung, Prävention

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Cheffchen antwortete auf das Thema: #111402 28 Apr 2019 00:53
"neuen Fälle von Typ-1-Diabetes von 130 auf 110 pro Jahr ab" in ganz Australien?
Da gibts ja fast mehr neue fälle nur bei unserer Stamklinik.


Cheffchen