Angela bloggt: Diabetes ist wie Socken suchen, nur anders....

Verfasst von Alegna am . Veröffentlicht in Angela bloggt

Socken...aber was hat dies mit den Blutzuckerwerten meines Sohnes zu tun?!

Zugegebenermaßen wenig. Auf den ersten Blick. Nur das man beim Suchen von Socken, weil der Alarm wieder groß war keine Socken mehr zu besitzen, Schätze entdeckt, die man als Eltern, nicht finden wollte.

Davon aber gleich mehr. Wie gehabt: lang, viel zu lang und ich verneige mich wieder vor dem Leser, der es bis zum Ende schafft?

Dieses "Sockenproblem" bestand jedoch schon vor der Erkrankung. Wer kennt dies nicht?! Man steckt diverse Socken in die Waschmaschine und herauskommen sie nicht. Es fehlen immer ein paar davon. Leider verschwindet i.d.R. nicht das passende Paar, sondern immer nur 1er davon. Seit neuester Zeit verschwinden sie aber in seinem Zimmer, auf wundersame Weise. Nun gut, es geht hier weniger um Socken. Is ja ne Diabetes und keine Sockengruppe, mir geht es auch nicht ums Tauschen von Socken untereinander, reicht ja schon, wenn ich Kinder und Jugendliche tauschen möchte.

By the way, gestern war der Alarm wieder groß, keine Socken mehr im Haus und weil ja nun Ferien sind, wollte das Kind nun gerade raus. Durch genaues Schauen fand sich auch noch ein Paar. Also rein in die Turnschuhe, Türe auf, Kind raus. Im Gepäck "besagten Ferienblutzucker", der ja gerade macht was er will, nur nicht so wie er soll. Soll er doch oder Stop besser nicht, geht ja um die gesundheitliche Zukunft meines Sohnes, für die ich mitverantwortlich bin. Bin ich? Soll ich? Darf ich noch? Bin ich!

Ich machte mich also "Rund um das Areal Bett" auf die Suche und wurde fündig. Socken soweit das Auge reichte. Passende dabei, wie Zauberei. Mein Sohn konnte sich dies später auch nicht erklären....

Aber mit Blick auf den Ferienblutzucker war ich gedanklich nicht nur auf Socken eingestellt, sondern ich überlegte während meiner Suche, was zu einer Verbesserung der Werte führen könnte?! Ist es die Basalrate, die dringend einer Erhöhung bedarf?! In den Ferien einen Basalratentest machen?! Macht irgendwie gerade so gar keinen Sinn, denn in ein paar Tagen geht es an den See, dann ans Meer und dann wieder ins Bett, bevor es mit dem Zug nach Hessen geht.....also See, Meer, Bett, Hessen - macht vier Basalratentests oder fünf, wenn die Schule wieder beginnt! Oder spare ich mir das und nehme die Bolusfaktoren in den Blick? Prinzipiell ist Rätsel raten ja eine spannende Sache, so wie Stalken oder Die Drei ??? Fälle lösen ?. Man bedenke nur, ich habe diese Woche frei und auch mein Diabetes Areal im Gehirn würde sich mal gerne entspannen, denn danach muss ich noch mal zwei Wochen ran, danach hab ich erst so richtig lange frei. Also was jetzt? Bolus und Basal betrachten oder experimentieren ohne Sinn und Verstand? Während ich die Gesundheit meines Sohnes noch im Blick habe und den Ferienblutzucker nicht einfach so akzeptieren kann, mein Gehirn muss also ran, immer noch Socken in Bettritzen suche, Schubladen öffne......bleiben meine Gedanken schlagartig stehen!

SuesskramWas is das? Falsch! Was dies ist, seh ich ja, keine Socken! Überall glitzert es! Leere blickt mich an. Sehr viel Leere. Leere Verpackungen. "Basal-Bolus Gedanken" lass ich los, schwanke zwischen "Ich seh nicht recht" und Freude, denn der Ferienblutzucker hat einen ganz anderen Grund. Bleibt die Frage: mach ich meinen Diabetiker jetzt mal so richtig rund?! Nun ja, Schätze sind ja was feines, vor allem in Massen. Unsortiertes Chaos. Süßigkeitenpapier wie Sand am Meer. Übrigens Meer, da fällt mir was ein, wollte ich da nicht gerade sein?! Muscheln sammeln, stattdessen Süssigkeitenpapier und Socken? Lauter Schätze, die ich dem Lieblingssohn bei Rückkehr unter die Nase reiben kann. Schön verpackt von
mir in ner Tüte, zippzapp Tüte auf und zu gemacht.

Soll ich mich jetzt aufregen? Ich hab doch Urlaub, bin ganz entspannt, glaubt mir: ich kann! Kurz und heftig, wie ein Wolkengewitter, aber dann schon kommen diese anderen Gedanke, drängen sich in den Vordergrund, nachdenkliche, mich traurig stimmende. Ist mein Sohn, vielleicht auch einfach Opfer seiner Krankheit? Nun gut, aufräumen könnte er schon. Auch als Opfer!

Nichts bleibt unentdeckt. Jede Insulinabgabe, ich bin ja froh und dankbar, wenn er dafür abgibt, festgehalten in seiner Pumpe. Dieses Ding, über das wir uns freuen. Dieses Ding macht aber auch alles sichtbar. Für ihn und den Rest der Welt. Fluch und Segen zugleich. Ich frag Euch, wie oft waren wir in unserer Kindheit im Kiosk, im Eiscafé, im Supermarkt und unsere Eltern bekamen davon nichts mit, nur unser Gespartes wurde weniger. Warum auch nicht?

Dieses Gerede, "Typ 1 Diabetiker können alles essen" wie Gesunde auch, ich erinnere mich gut, wurde ihm schon bei Diagnose 2014 gesagt, nur muss man dafür das passende Insulin abgeben. STOP dieses NUR, ist schon ein Witz für sich. Ach so, ja alles klar, klingt einfach?und ist es nicht. Verdammt noch mal, was is die richtige Menge?? Er, ich, wir wissen es manchmal einfach nicht. Wie jetzt gerade, in Ferienzeiten.

Zurück aber zur Schublade, die war jetzt leer. Die "Tat" von mir, zur besseren Sichtbarkeit, in eine dieser durchsichtigen Tüte gepackt, als Willkommensgruß aufs Bett drapiert. Ist das fair?

Was regt mich eigentlich so auf? Das er zu viele Süßigkeiten isst, er sich ungesund ernährt? Das ich davon nichts mitbekam? Das er heimlich isst? Tut er das? Muss er mich überhaupt fragen, ob er kann, ob er darf? Er ist 13 Jahre alt, hat Wurzeln und auch Flügel. Lauter Fragen in mir. Ist er nur zu bequem aufzuräumen oder zwingt ihn ein Gefühl von "ich darf nicht" dazu? Und dies ist jetzt der eigentlich springende Punkt!!!!Hab ich ihm das Gefühl gegeben, er darf nicht? Macht er es deswegen nun heimlich? Bin ich schuld? Ist meine Jagd nach der geraden Blutzucker Linie, Grund für volle Schubladen, die keiner sehen soll? Ich weiß es nicht! Ich fühle nur plötzlich wieder diese Traurigkeit, die mich mittlerweile selten, aber manchmal doch überkommt. Plötzlich sind fehlende Socken und glitzerndes Papier kein Thema mehr und ich wünschte kurz, ich könnte Pumpe gegen gesunde Bauchspeicheldrüse tauschen (es gibt doch so Technikfreaks) und meinen Sohn, der gerade unterwegs ist, in den Arm zu nehmen. Denn so sehr er sich auch "bemüht" und er macht dies auf seine eigene, ganz wunderbare Weise, werden uns solche Situationen immer wieder mal begleiten. Mein
Ärger ist längst verraucht. Die Beweistüte im Müll gelandet. Später konnten wir reden, über die eigenen Sorgen und Ängste. Von ihm und von mir. Wieder ein wenig Verständnis und Vertrauen geschafft. Viel Wichtiger sind für ihn heute seine neuen Schuhe und genauso soll es sein! Lieblingskind, lauf los mit Leichtigkeit im Gepäck und erobere die Welt. Kauf Dir Schuhe, hau Dir Süßigkeiten rein und gib dafür bitte die passende ? Insulinmenge ab und verdammt noch mal: räum Socken und Papierberge weg!

Tatsächlich befürchte ich, wird es Einer von Euch schaffen, meine verbalen Ergüsse bis zum Ende zu lesen. Wie immer Helden, ihr seid?

Ich wurde tatsächlich gefragt und dies ehrt mich sehr, denn die Person, die mich fragte bewundere ich für ihre Arbeit im Sinne der Sache sehr, ob ich nicht ein wenig bloggen mag. Dies war nie mein Sinnen, aber warum nichtmal was Neues beginnen?Fang ich mal mit Angela bloggt auf Diabetes-Kids.de an ? Ich wünsche allen noch einen zauberhaften Abend?

Tags: Elternblog, Blog

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