Schule-Kindergarten

Streit um Hilfe für krankes Kind – Lehrerin versetzt

Verfasst am . Veröffentlicht in Schule/Kindergarten

Weil sie die Verantwortung für die richtige Medikation eines zuckerkranken Kindes nicht übernehmen wollte, hat eine Vorschullehrerin ihre Klasse verloren. Wieviel Unterstützung müssen Lehrer leisten?

Mehr dazu und Quellverweis: Welt.de vom 16.3.2017

Tags: Schule, Rechtliches

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leseHexe antwortete auf das Thema: #104728 04 Apr 2017 23:46
Hallo!
Bei uns in Rheinland-Pfalz gab es letztes Jahr ein Pilotprojekt mit Seminaren für pädagog. Fach- und Lehrkräfte vom Verein "Hilfe für Kinder und Jugendliche bei Diabetes mellitus e.V." über
Handlungsempfehlungen für Fach- und Lehrkräfte zum Umgang mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen am Beispiel Diabetes mellitus Typ 1.

Daraus sind in diesem Jahr Seminare im Rahmen der regülären rheinland-pfälzischen Lehrerfortbildung geworden, die vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz in Speyer angeboten werden.
Von der Seite " www.diabetes-kinderhilfeverein.de/aktuelles.html ":
"Es liegen dem Diabetes-Kinderhilfeverein Anfragen aus anderen Bundesländern - ja sogar aus dem Ausland vor, wie und in welcher Form man solche Seminare umsetzen kann. Ausführlich können wir darauf eine Antwort geben, wenn die Fakten und Daten der wissenschaftlichen Begleitung der Universität Landau im August dieses Jahres vorliegen."

Ich habe selbst ein solches Seminar besucht: es nimmt auf jeden Fall die Angst vor Diabetes - aber für die Versorgung und Hilfeleistung, die vor allem jüngere Kinder - oder solche mit noch weiteren Beeinträchtigungen auch mit höherem Alter - brauchen, ist das bei weitem nicht ausreichend. Ich denke auch, dass Schulkrankenschwestern eine gute Lösung wären.
GrÜße Silvia
rosa14 antwortete auf das Thema: #104687 01 Apr 2017 20:54
Ich muss ja sagen ich wäre auch sehr für schulkrankenschwestern und würde das auch sehr gerne beruflich machen. Ich habe mich diesbezüglich auch schonmal hier bei uns umgehört, scheint aber nicht gewollt zu sein. Was eigentlich merkwürdig ist denn unsere diabeteskinder sind ja nicht die einzigen die medizinische Betreuung brauchen. Auch auf den normalen Grundschulen nicht. Und der Bedarf wird ja mit der weiteren Umsetzung der inklusion noch steigen. Ich arbeite derzeit in der ambulanten kinderkrankenpflege und betreue mehrere Kinder mit unterschiedlichen medizinischen Indikationen, das können und sollen Lehrer gar nicht leisten....
austria antwortete auf das Thema: #104683 01 Apr 2017 13:32
@mibi
1) es ist in Österreich nicht anders, und das sogar bis zur 9. Schulstufe - du kannst dich nicht irgendwo anmelden, aber ... und das kann ja wohl bei Euch auch nicht anders sein, habe ich alle Schulen in meinem Bezirk durch (und keine will oder kann aus welchen Gründen auch immer mein Kind nicht nehmen) und habe ich ein schulpflichtiges Kind, dann finde ich entweder selbst eine andere oder bei uns heißt diese Institution Stadtschulrat muss mir eine gleichwertige Schule suchen, die aber auch ich dann natürlich noch immer ablehnen kann, und mit diesen Problemen kämpfen bei uns viele Eltern und das hat nichts mit dem Diabetes zu tun. Und da handelt es sich immer um eine Einzelfallentscheidung, aber ich persönlich habe ja keinen Argumentationsbedarf, in einen anderen Bezirk zu wechseln, wenn im Bezirk zB keine Schule bereit wäre, mein Kind aufzunehmen.
2) nur eine kleine Richtigstellung: ich habe mit keinem Wort erwähnt, eine Privatschule zu suchen, wie schon gesagt, bin ich Lehrerin, da verdient man hierzulande nicht mal annähernd so viel, um eine Privatschule bezahlen zu können; mit so lange suchen, bis ich eine Schule finde, meinte ich genau das, was ich oben beschrieben habe: Mir ist es halt wichtiger, dass mein Kind freiwillig und bereitwillig aufgenommen wird, als auf einer Schule zu bestehen, die vielleicht, näher, schöner, moderner, ... ist. Hier noch ein kleiner Erfahrungswert, warum mir aber die Schule an sich ziemlich egal ist: vor allem in der Grundschule zählt nur eines: eine engagierte Lehrkraft, die ihren Beruf gerne macht, die mit meinem Kind kompatibel ist und wenn die "Kinder dabei im Wald unterrichtet" werden, wärs mir auch wurscht.

@alle
den Ansatz mit den Schulkrankenschwestern finde ich ganz gut, denn da passt auch die Betreuung von zB DIA-Kindern ins Berufsbild.

Lehrer verpflichten zu wollen, wird nie und nimmer funktionieren, bei euch und auch bei uns nicht, außer die Lehrerausbildung wird um einiges verlängert und es ist dann Teil der Ausbildung, dass ich auch ein fundiertes Fachwissen in medizinischen Teilbereichen nachweisen muss. Dann ist es auch OK, denn dann weiß ich von vornherein, dass ich auch für diese Gebiete ausgebildet werde und kann nachher nicht nein sagen. Aber hier nochmals auf den Punkt gebracht: Lehrer haben keine medizinische Ausbildung und ich persönlich finde es sehr dankenswert und auch bewundernswert, dass es doch auch sehr viele Kollegen und Kolleginnen gibt, die solche Aufgaben freiwillig übernehmen, auch wenn sie sich damit rechtlich immer in einer sehr dunklen Grauzone befinden.
schönes WE, sabine
mibi74 antwortete auf das Thema: #104681 01 Apr 2017 09:28
Hallo in die Runde!

Die Mühlen mahlen langsam und der “Leidensdruck“, sowie die öffentliche Aufmerksamkeit ist noch lange nicht so, wie es sein sollte. (Das verhindert auch die aktuelle Weltpolitik. Was außerhalb des Landes passiert überschattet das Innenpolitische. )

Für kommende und neuerkrankte Kinder wird es noch viel problematischer werden, als wir es uns momentan vorstellen können.
Wir wissen, dass die Erkrankungen unter dem Schulalter stark zugenommen hat. Diese Kinder werden in den kommenden 2 bis 5 Jahren weiter in die Schulen drängen, dass sich die Problematik, wie die Schulen das noch packen sollen weiter zuspitzen wird.

Es ist nicht die Frage ob das System Schule und wie sie mit chronischen Erkrankungen umgehend können, kippt, sondern wann. Und meine Vermutung ist, dass es vor irgendeiner Wahl passiert, wenn die Lehrer vor dem Landtag stehen und es richtig Raudau gibt.

Der Leidensdruck muss erst so ansteigen, bis die Situation an unseren Schulen unhaltbar geworden ist. Die Anzahl der Lehrerer werden wollenden Menschen zurückgeht. Einen Lehrermangel haben wir schon, durch die aktuellen politischen Wendungen. Sie Suppe kocht schon.
EgonManhold antwortete auf das Thema: #104680 31 Mär 2017 22:57
Hallo,

pardon Wenke, da hab wohl irgendwie was durcheinander gebracht.


Ich und die entsprechenden Schulen hatten auch das Glück, dass ich Termine zur Lehrer-Information zum Thema Diabetes bei ihren Schülern, mit den Schulen absprechen konnte und dann dafür vom Dienst freigestellt wurde.
DAS kann es aber m.E. nicht sein, dass solche Informationen/Fortbildungen vom Engagement der Diabetesberater/Diabetologen und deren Verwaltungschefs abhängt. Da muss wirklich eine generelle Lösung gefunden werden. Nur bis "die" Politiker, Ämter, Krankenkassen usw. das einsehen und entsprechende Gelder zur Verfügung stehen, das wird noch dauern.
Bereits vorhandenen Unterlagen für solche Fortbildungen kann man dazu nutzen und ggf. an aktuelle Situationen anpassen.
Wobei es nach m.M. auch nach solche einer Fortbildung für Lehrer/Erzieher nicht deren Aufgabe werden kann, z.B. Insulininjektionen u.ä. durchzuführen. Da braucht man anderes Personal für.

Gruß, Egon