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„Leben süß-sauer“ Folge 12 - I feel fine

Verfasst am . Veröffentlicht in Leben suess-sauer

Es ist nicht immer nur schrecklich, Diabetiker zu sein.

Dann zum Beispiel nicht, wenn ein sich Sportlehrer nennender Sadist von einem verlangt, man solle Basketball spielen – was man als extrem unsportlicher und leicht übergewichtiger Teenager nicht nur nicht kann, sondern auch auf gar keinen Fall vor den extrem sportlichen und mehr als leicht untergewichtigen Klassenkameraden tun möchte. Normale extrem unsportliche und leicht übergewichtige Teenager haben kaum Chancen, zu entkommen. Mit Diabetes aber wird der Sportunterricht im Nu zu etwas, wovor man keine Angst mehr haben muss. Nichts kommt schließlich plötzlicher als eine böse Unterzuckerung, mit der man unter keinen Umständen mehr Sport treiben darf.

Selbst, um Männer kennenzulernen ist Diabetes eine wahre Wunderwaffe. Tief ausgeschnittene T-Shirts und kurze Röcke tragen, um die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sich zu lenken, kann jede. Sich scheinbar ohnmächtig von ausgefeilter Position aus mit ach so hohem Blutzucker in die Arme eines besonders gut gebauten Exemplars der Spezies Mann fallen zu lassen, ohne sich ebenso lächerlich wie unglaubwürdig zu machen, ist Diabetikerinnen vorbehalten.

Aber auch loswerden kann man Männer mit Unterstützung des Diabetes sehr schnell wieder. Als Pumpenträgerin ist es ein Leichtes, zu behaupten, man könne leider niemals Sex haben, schließlich sei man ständig an dieses sehr teure und sehr empfindliche Gerät angeschlossen. Ablegen dürfe man die Pumpe nie länger als drei Minuten, um kurz zu duschen. In den meisten Fällen verabschiedet sich ein Mann danach mit einer fadenscheinigen Begründung. (Allerdings besteht die Gefahr, dass er stattdessen versichert, drei Minuten seinen völlig in Ordnung, er könne sich beeilen.)

Natürlich kann es trotz aller Diabetes-Asse, die man so im Ärmel hat, passieren, dass ein Mann nicht mitkommen oder eben nicht gehen will. Gegen den frustbedingten, unglaublich großen Hunger auf Schokolade, der sich zumindest im ersten Fall meistens einstellt, hilft abermals eine plötzlich einsetzende Unterzuckerung, die „absolut lebensbedrohlich“ (!!!) sein kann. Woher soll der kleine Bruder mit dem Schokoriegel schließlich wissen, dass man erstens gar nicht unterzuckert ist und zweitens eh immer Traubenzucker in der Tasche hat, der den Blutzucker viel schneller wieder ansteigen lässt, als fettige Schokolade? Also her mit dem Riegel!

Und auch für den genau entgegen gesetzten Fall ist Diabetes eine äußerst nützliche Krankheit. Wenn es bei Tante Frieda leckeren Marmorkuchen gibt, ist mein Blutzucker stets bestens, während allein der Anblick einer Schwarzwälder Ekel-Kirschtorte ihn ganz plötzlich so sehr angestiegen lässt, dass ich unmöglich ein Stück Torte essen kann. Was natürlich jedes Mal aufs Neue mit der gleichen Überzeugungskraft bedauert werden muss wie die Nicht-Teilnahme am Sportunterricht und die Unmöglichkeit, jemals mit einem Mann zu schlafen – es geht um die diabetische Glaubwürdigkeit.

Hinweis von Diabetes-Kids.de:
Dies ist die vorerst letzte Folge der Serie „Leben süß-sauer“
Herzlichen Dank an Frau Guadagno für diese tollen Geschichten.

Alle bisherigen Beiträge dieser Serie findet ihr hier

Tags: Buchtips, Lesetip

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