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Artikel zum Thema Therapieformen

Möglichkeiten der Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes – Mehr als „Pieksen“ und „Spritzen“

Möglichkeiten der Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes – Mehr als „Pieksen“ und „Spritzen“

Menschen mit Typ-1-Diabetes leiden an einem absoluten Insulinmangel, so dass sie das lebenswichtige Hormon von außen zuführen müssen. Um festzustellen, wie hoch ihr Insulinbedarf ist, müssen die Patienten ihren Blutzuckerwert bestimmen. Dazu nutzen sie ein Blutzuckermessgerät, mit dem sie – etwa vier- bis sechsmal am Tag – den Blutzuckerwert zu bestimmten Zeitpunkten feststellen. Anhand der gemessenen Blutzuckerwerte – die die Basis der therapeutischen Entscheidung bilden – bestimmen Menschen mit Diabetes wie viele Insulineinheiten sie benötigen. Dabei hängt die Dosierung auch von Faktoren wie körperlicher Aktivität oder der Zusammensetzung von Mahlzeiten ab. Eine Möglichkeit den Glukosewert wesentlich häufiger zu bestimmen und dabei die aktuellen Werte stets im Blick zu haben, bietet die kontinuierliche Glukosemessung (CGM), auch wenn bestimmte therapeutische Entscheidungen mit einem gemessenen Blutzuckerwert bestätigt werden sollten. Mit CGM wird die Glukose in der interstitiellen Flüssigkeit des Unterhautfettgewebes in so kurzen Abständen gemessen, dass sich ein vollständiges Bild des Glukoseverlaufs über 24 Stunden ergibt – ein unschätzbarer Vorteil für die Patienten. Zusätzliche Alarmfunktionen informieren den Patienten rechtzeitig, falls zu hohe oder vor allem zu niedrige Glukosewerte drohen. CGM kann sowohl eingesetzt werden bei Patienten mit einer intensivierten Insulintherapie, als auch mit einer Insulinpumpentherapie (CSII). Im letzteren Fall spricht man von einer sensorunterstützten Insulinpumpentherapie (SuP). Das Besondere daran ist, dass das CGM sogar automatisch die Insulinabgabe managt, wenn die Gefahr einer Unterzuckerung besteht. Zukünftig wird CGM die gesamte Insulindosierung der Insulinpumpe steuern. In diesem Fall spricht man von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse (artifizielles Pankreas).

Blutzuckerselbstmessung (BZSM)

Bei der Blutzuckerselbstmessung (BZSM) entnimmt der Patient mittels Stechhilfe einen Tropfen Kapillarblut aus der Fingerbeere. Er trägt diesen auf einen Blutzuckerteststreifen auf, der zuvor in das Messgerät geschoben wurde. Innerhalb weniger Sekunden wird der aktuelle Blutzuckerwert angezeigt. Anhand des Ergebnisses errechnet der Patient, welche Insulindosis er beispielsweise zu den Mahlzeiten oder zur Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte spritzen muss. Eine Blutzuckerselbstmessung sollte zudem erfolgen, sobald der Patient Symptome einer Unterzuckerung spürt.

Kontinuierliche Glukosemessung (CGM)

Im Gegensatz zur Blutzuckerselbstmessung, die punktuell vorgenommen wird, erfolgt bei der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) eine stetige Messung der Glukosekonzentration, z. B. alle fünf Minuten. Dementsprechend werden pro Tag in diesem Fall 288 Werte erhoben, so dass eine Messkurve entsteht, die den dynamischen Verlauf des Glukosespiegels abbildet. Das CGM System muss allerdings mit Hilfe von Blutzuckermesswerten kalibriert werden. Deshalb ist eine zuverlässige und genaue Blutzuckermessung eine wichtige Voraussetzung, um ein CGM-Profil mit möglichst hoher Messqualität zu erhalten. Einen besonderen Stellenwert hat CGM in der Behandlung von Patienten mit insulinpflichtigem Typ-1-Diabetes, die mit einer Insulinpumpe behandelt werden und unter häufigen Unterzuckerungen oder einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung leiden. Bei Letzterer bemerken die Patienten die Symptome der Unterzuckerung zu spät oder gar nicht. Hier kann CGM die Insulinabgabe automatisch managen und die Gefahr der Unterzuckerung deutlich verringern. Auch während der Schwangerschaft kann CGM therapeutisch eingesetzt werden, um eine möglichst normnahe Diabeteseinstellung zu gewährleisten und möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Flash Glukose Monitoring (FGM)

Von der technischen Seite aus ist FGM ähnlich wie CGM: die Glukose wird kontinuierlich im Unterhautfettgewebe gemessen. Im Gegensatz zum CGM mit Anzeige der aktuellen Glukosewerte (deshalb wird häufig von Real-Time CGM (rtCGM) gesprochen) zeigt FGM aber die Werte nicht unmittelbar an. Der Patient muss mit einem Monitor über den Sensor streichen (scannen), muss also unmittelbar aktiv werden, damit die Glukosewerte für ihn sichtbar werden. Für die Einstellung des Blutzuckerspiegels stehen unterschiedliche Arten von Insulinen zur Verfügung, beispielsweise Human- oder Analoginsulin, langwirksames Basal- oder kurzwirksames Mahlzeiteninsulin. Als Therapieformen kommen insbesondere Folgende in Frage:

Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

Die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) versucht den natürlichen Anforderungen des Körpers gerecht zu werden. Der basale (nahrungsunabhängige) Insulinbedarf wird durch ein bis zwei Injektionen von langwirksamem Verzögerungsinsulin morgens und/oder abends gedeckt. Zu den Mahlzeiten wird jeweils ein kurzwirksames Insulin gespritzt, um den Anstieg des Blutzuckers durch die aufgenommenen Kohlenhydrate zu behandeln. Der Patient nutzt das kurzwirksame Insulin zudem, um zu hohe Blutzuckerwerte im Tagesverlauf zu korrigieren. Wird bei dieser Therapieform zusätzlich rtCGM genutzt, so spricht man von der Sensorunterstützten Therapie (SuT)

Insulinpumpentherapie (CSII)

Eine spezielle Form der intensivierten Insulintherapie ist die Insulinpumpentherapie (CSII: continuous subcutaneous insulin infusion). Der Patient trägt die etwa mobiltelefongroße Insulinpumpe am Körper. Der basale (nahrungsunabhängige) Insulinbedarf ist als individuelles Tagesprofil einprogrammiert und wird durch die kontinuierliche Gabe von kurzwirksamen Insulin gedeckt. Das Insulin wird über einen dünnen, flexiblen Kunststoffschlauch, der mit einer Kanüle verbunden ist, in das Unterhautfettgewebe abgegeben. Zusätzlich gibt der Patient eine an die jeweiligen Mahlzeiten angepasste Insulindosis als Bolus, per Knopfdruck über die Insulinpumpe ab. Mit ihrer Flexibilität ahmt die Insulinpumpentherapie die normale Funktion der Bauchspeicheldrüse nach. Der wesentliche Vorteil der CSII gegenüber der ICT liegt in der präzisen Dosierung und der Möglichkeit einer individuellen Basalratenprogrammierung nach den physiologischen Bedürfnissen. Durch die ausschließliche Verwendung von gut steuerbarem kurzwirksamem Insulin können sowohl die Basalrate als auch der Bolus auf den individuellen Bedarf des Patienten abgestimmt werden. Auch eine Anpassung an verschiedene Mahlzeiten ist möglich, indem die Boluslänge variiert wird. Das in Insulinpumpen integrierte Bolus-Management ermöglicht eine genaue Berechnung des Bolus unter Berücksichtigung des im Körper von vorherigen Dosierungen noch wirksamen Insulins. Zudem kann die Insulinpumpe auch sehr geringe Insulindosen abgeben, ein entscheidender Vorteil in der Insulintherapie bei Kleinkindern.

Sensorunterstützte Pumpentherapie (SuP)

Im Jahr 2006 wurden Insulinpumpe und CGM erstmals zur sensorunterstützten Pumpentherapie (SuP) zusammengeführt. Dabei misst das CGM fortlaufend den Glukosespiegel. Auf dem Display der Insulinpumpe wird neben dem aktuellen Glukosewert auch angezeigt, in welche Richtung sich der Glukosespiegel entwickelt. Sobald dieser abfällt und einen bestimmten voreingestellten Wert unterschreitet, warnt das System den Patienten durch einen Alarm vor einer Unterzuckerung. Allerdings kann es – vor allem im Schlaf – vorkommen, dass Patienten den Alarm nicht bemerken. Deshalb stellen das 2009 von Medtronic eingeführte MiniMed® VeoTM System, insbesondere jedoch die 2015 eingeführte MiniMed® 640GTM eine wichtige Weiterentwicklung dar. Letztere ist mit der Funktion einer vorausschauenden automatischen Hypoglykämie-Abschaltung ausgestattet. Sinkt der Glukosespiegel stark in Richtung eines vorher programmierten niedrigen Glukosewertes mit der Gefahr einer Hypoglykämie, so unterbricht das System automatisch die Insulinabgabe. Nach 30 bis 120 min erfolgt die automatische Wiederzuschaltung, wenn sie Glukosewerte wieder in einem sicheren Glukosebereich befinden. Der Patient bemerkt diesen „SmartGuard“ genannten Algorithmus gar nicht, wenn er die Warnfunktion ausgeschaltet hat, kann aber auch jederzeit selbständig reagieren. Damit ist das CGM unmittelbar in die Steuerung der Insulinpumpentherapie integriert und trägt so maßgeblich zur Therapiesicherheit bei. Zukünftig
wird CGM die Insulinabgabe vollständig auf Grundlage der gemessenen Glukosewerte steuern.

Über Medtronic Diabetes

Der Geschäftsbereich Diabetes von Medtronic ist weltweit marktführend in der Entwicklung und Herstellung innovativer Lösungen für das Diabetes-Management. Dies beinhaltet integrierte Diabetes-Managementsysteme, insbesondere Insulinpumpentherapie, kontinuierliche Glukosemessung sowie Softwarelösungen zur  Therapieoptimierung. Wir beraten und betreuen unsere Patienten und medizinischen Dienstleister über umfangreiche Services sowie unsere 24-Stunden-Servicerufnummer für technische Anfragen. Weitere Informationen Sie unter www.medtronic-diabetes.de sowie www.medtronic.de

Über Medtronic

Medtronic plc (www.medtronic.com), mit Hauptsitz in Dublin, Irland, ist ein weltweit führender Anbieter von Medizintechnik. Medtronic GmbH in Deutschland hat ihren Sitz in Meerbusch, Medtronic GmbH in Österreich hat ihren Sitz in Wien. Der europäische Hauptsitz von Medtronic ist in Tolochenaz (VD) in der Schweiz angesiedelt. Sie finden Medtronic im Internet unter www.medtronic.com, www.medtronic.de und medtronic.eu.

Quellverweis: Medtronic Diabetes anlässlich der Pressekonferenz "Startklar für CGM" vom 8.11.2016

Tags: CGM System, Kontinuierliche Blutzuckermessung, Blutzuckermessung, Insulinpumpe, Medtronic, Insulin, Firmen, Technik

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