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Diabetes und schwerer Krankheitsverlauf von Covid-19

DiabetesDEEin immer wieder diskutiertes Thema in der aktuellen Coronavirus-Pandemie ist der Zusammenhang zwischen Diabetes und der Wahrscheinlichkeit von schweren Verläufen bei einer Covid-19-Erkrankung. Im Folgenden möchten wir Ihnen vier neuere Studien zum Thema vorstellen.
 
In einer Studie von der MedUni Innsbruck stellen die Forscher fest, dass 85 % der Patienten, deren Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden musste, Diabetes oder Prädiabetes hatten. Bemerkernswert daran ist, dass nur bei sieben der insgesamt 47 schwer Erkrankten der Diabetes bereits im Vorfeld bekannt war. In allen Fällen handelte es sich um einen Typ-2-Diabetes. Die behandelnden Ärzte bemerkten die erhöhten HbA1c-Werte im Rahmen der Blutuntersuchungen, die bei den Corona-Patienten gemacht wurden. Im Gegensatz zu früheren Studien, die weitere Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen in den Mittelpunkt stellten, hatten von den Innsbrucker Intensivpatienten nur 36 % einen BMI über 30 kg/m2.

Einer der Forscher wies darauf hin, dass gerade ein unerkannter Diabetes mit der einhergehenden chronischen Blutzuckerentgleisung die Immunabwehr und die Gefäßzellenwände schwächt, die auch durch das Coronavirus befallen werden. Um das erhöhe Risiko für schwere Verläufe rechtzeitig zu erkennen, empfehlen sie eine routinemäßige Überprüfung des HbA1c bei allen Covid-19-Patienten.
 
Zwei Studien aus England untersuchen den Zusammenhang zwischen Todesfällen durch Covid-19 und Diabetes: Eine der beiden zusammenhängenden Studien vergleicht das gesamtgesellschaftliche Risiko, an Covid-19 zu sterben, mit dem Risiko von Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes und zeigt, dass beide Typen ein deutlich erhöhtes Risiko haben: Ein Drittel der im Krankenhaus verstorbenen Covid-19 Patienten waren an Diabetes erkrankt und in jeder Altersgruppe war das Risiko von Menschen mit Diabetes, an Covid-19 zu versterben, signifikant höher als das von stoffwechselgesunden Menschen.
 
Eine weitere populationsbasierte Kohorten-Studie untersucht dann die veränderlichen Risikofaktoren wie erhöhte Glukosewerten und Adipositas und Covid-19-assoziierten Todesraten unter den unter mehr als 3,1 Millionen Menschen mit diagnostiziertem Typ-1- und Typ-2-Diabetes in England. Im Vergleich zu dem selben Zeitraum in den Jahren 2017-2019 sind in England in den ersten 19 Wochen des Jahres 2020 50,9 % mehr Menschen mit Typ-1-Diabetes und 64,3 % mehr Menschen mit Typ-2-Diabetes gestorben.

Neben bestehenden Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren waren bei beiden Diabetes-Typen höheres Alter, männliches Geschlecht, nicht-weiße ethnische Zugehörigkeit sowie niedriger sozioökonischer Status assoziiert mit gesteigerter Sterblichkeit durch Covid-19. Das Risiko stieg zudem mit steigenden HbA1c-Werten sowie mit niedrigem BMI (< 20 kg/m2) sowie besonders hohem BMI (≥ 30 kg/m2). Wie schon zuvor immer wieder berichtet spielt auch die Glukosestoffwechsellage eine wichtige Rolle. Es erhöhte sich das Risiko hinsichtlich der Sterblichkeit bei Menschen mit Typ 2 unter 70 Jahren und mit einem HbA1c ≥ 7,6 %. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes stieg das Risiko bei Menschen vor allem über 70 Jahre und bei einem HbA1c von > 10 %. Aufgrund fehlender Daten lassen es die Autoren offen, ob die Assoziation zwischen den genannten Risikofaktoren und Sterblichkeit durch Covid-19 durch ein höheres Infektionsrisiko, mehr schwere Verläufe oder beides bedingt ist. Sie fordern aber, durch Interventionen beeinflussbare Risikofaktoren wie erhöhter HbA1c und Adipositas so weit wie möglich zu reduzieren, so wie es auch eine leitliniengerechte Behandlung vorsieht.
 
Eine Überblicksstudie aus Italien fasst verschiedene Studien weltweit zusammen, die die Gründe untersuchen, warum Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben. Im Gegensatz zu anderen Epidemien mit Infektionen wie SARS oder dem H1N1-Grippevirus ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, laut dieser Studie für Menschen mit Diabetes nicht höher als für stoffwechselgesunde Menschen. Die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf hingegen ist für Menschen mit Diabetes Typ 2 und auch Typ 1 jedoch erhöht.

Die Forscher zeigen, dass die Gründe für die schlechtere Prognose vielfältig sind: Neben bekannten Faktoren wie Alter und Geschlecht hatten Menschen mit Diabetes, die an Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen sowie diabetischer Schädigung der Niere (Nephropathie) litten, häufiger schwere Verläufe als Menschen mit Diabetes ohne diese Folgeerkrankungen. Menschen mit Diabetes, deren BMI über 35 kg/m2 lag, hatten sieben Mal häufiger schwere Verläufe als Menschen mit einem BMI unter 25 kg/m2. Umgekehrt kann auch die Covid-19-Infektion selbst zu einer Verschlechterung des Glukosestoffwechsels beitragen, da die Infektion negative Auswirkungen auf die Beta-Zell-Funktion haben und dadurch zu einer diabetischen Ketoazidose führen kann.


Quellen:

Apicella M et al. COVID-19 in people with diabetes: understanding the reasons for worse outcomes. Lancet Diabetes & Endrocrinoloy DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30238-2  [zuletzt abgerufen 20.08.202

Barron E et al. Associations of type 1 and type 2 diabetes with COVID-19-related mortality in England: a whole-population study. DOI: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30272-2 [zuletzt abgerufen 20.08.2020]

Holman N et al. Risk factor for COVID-19-related mortality in people with type 1 and type 2 diabetes in England: A population-based cohort study. Lancet Diabetes & Endrocrinoloy https://doi.org/10.1016/S2213-8587(20)30271-0 [zuletzt abgerufen 20.08.2020]

Klein, SJ et al. Unrecognized diabetes in critically ill COVID-19 patients. Crit Care. 2020; 24: 406. doi: 10.1186/s13054-020-03139-3 [zuletzt abgerufen 20.08.2020]

Quellverweis: Diabetes-News ad hoc von DiabetesDE vom 1.9.2020
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Tags: DiabetesDE, Forschung, Expertenrat, Ursachen, Coronavirus Covid-19

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