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Diabetes-Begriffe erkärt: Durchschnittlicher Glukosewert, Standardabweichung, Variationskoeffizient und Glukosevariablität

DiabetesDEWenn man sich mit dem Thema Diabetes beschäftigt, stolpert man schnell über Begriffe wie „Diabulimie“, „Fett-Protein-Einheit“ oder „LADA“. Für all diejenigen unter Ihnen, die unsicher sind, was diese und andere Ausdrücke genau meinen, haben wir die Reihe „Diabetes-Begriffe erklärt“ ins Leben gerufen. Wir danken unserem Experten Prof. Dr. Baptist Gallwitz für seine Unterstützung bei der Erstellung der Reihe.

Den Blut- oder Gewebezucker im Blick zu behalten gehört zu den wichtigsten Werkzeugen des Diabetes-Management. Neben dem aktuellem Glukosewert und dem Langzeitwert HbA1c haben sich in den letzten Jahren durch die wachsende Verbreitung von CGMs und und FGMs zunehmend neue Messgrößen wie "Time in range“, „Durchschnittlicher Glukosewert“, „Standardabweichung“, „Variationskoeffizient“ und „Glukosevariablität“ etabliert. Im Folgenden möchten wir Ihnen kurz erläutern, was diese Begriffe bedeuten und wie sie zusammenwirken.
 

Der „mittlere Glukosewert“ liefert einen einzelnen Durchschnittswert, der sich aus allen Glukosemessungen über einen bestimmten Zeitpunkt ergibt. Viele Experten empfehlen einen mittleren Glukosewert von unter 154 mg/dl bzw. 8,55 mmol/l, was einem HbA1c von unter 7,0 % entspricht. Je nach individueller Zielvereinbarung können diese angestrebten Werte aber natürlich auch höher oder niedriger liegen. Langfristig ist das Ziel, einen möglichst niedrigen Wert zu erreichen, ohne dass es dabei zu häufigen, langanhaltenden oder schweren Hypoglykämien kommt. Für sich genommen hat der mittlere Glukosewert nur begrenzte Aussagekraft, er kann aber als Startpunkt für weitere Analysen dienen, die einen zusätzlichen Blickwinkel auf das Glukosegeschehen bieten.
 
Der Begriff „Standardabweichung“ stammt, ebenso wie der Begriff „Variationskoeffizient“, aus der Statistik. Er meint die Spreizung oder Streuung der Glukosewerte, also die Frage, wie weit die verschiedenen gemessenen Werte vom mittleren Glukosewert abweichen. Wenn die gemessenen Werte eines Tages also viele hohe und viele niedrige Werte umfassen, spricht man von einer hohen Standardabweichung. Sind die Werte über den Tag verteilt hingegen relativ gleichbleibend und ohne größere Ausschläge, bezeichnet man das als niedrigere Standardabweichung. Das Ziel der Diabetestherapie ist die niedrigstmögliche Standardabweichung, auch wenn Menschen mit Diabetes in der Regel eine deutlich höhere Standardabweichung als stoffwechselgesunde Menschen haben.
 
Um das Zusammenspiel zwischen mittlerem Glukosewert und Standardabweichung zu beschreiben, kommt der Begriff „Variationskoeffizient“ ins Spiel. Dieser kann durch eine simple Rechnung ermittelt werden: Man teilt die Standardabweichung durch den mittleren Glukosewert und multipliziert das Ergebnis mit 100, um einen Prozentwert zu erhalten. Ein Beispiel: Die Standardabweichung beträgt 50 mg/dl und der mittlere Glukosewert 150 mg/dl. Dann rechnet man 50 / 150 und multipliziert das Ergebnis mit 100, so dass man einen Variationskoeffizient von 33 % erhält. Das gleiche gilt natürlich auch bei einer Standardabweichung von 3 mmol/l und einem mittleren Glukosewert von 9 mmol/l, der bei einer Rechnung von 3 / 9 mal 100 ebenfalls einen Variationskoeffizient von 33 % entspricht.
 
Warum so kompliziert? Kann man nicht einfach die Standardabweichung nutzen? Der Grund hierfür ist, dass die Standardabweichung stark von der mittleren Glukose beeinflusst ist. Das heißt, dass jemand mit einer höheren mittleren Glukose auch eine höhere Standardabweichung hat. Durch die Berechnung des Variationskoeffizienten wird das „korrigiert“, so dass für alle Menschen mit Diabetes unabhängig von ihrem mittleren Glukosewert dieselben Ziele verwendet werden können und Einstellungen so vergleichbar werden.
 
Oftmals wird von Experten ein Variationskoeffizient von 33 % oder niedriger empfohlen. Das bedeutet z.B., dass jemand mit einem mittleren Glukosewert von 180 mg/dl bzw. 10 mmol/l idealerweise eine Standardabweichung unter 60 mg/dl bzw. 3,33 mmol/l haben sollten, wobei bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes höhere Variationskoeffizienten die Regel sind, weil ihre Glukosewerte stärker schwanken als die von Erwachsenen.
 
Falls Sie sich jetzt fragen, was Ihnen diese neuen Messgrößen bringen – Experte führen hier mindestens vier Gründe an, sich mit den neuen Messgrößen zu befassen:

  1. Glukosevariablität, als das Ausmaß der Schwankungen des Glukosewerts insgesamt, ist möglicherweise selbst ein unabhängiger Risikofaktor für Folgeerkrankungen. Das ist zwar noch nicht abschließend bewiesen, aber Experten gehen zunehmend davon aus, das stark schwankende Werte zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Folgeerkrankungen führen.
  2. Bei starken Schwankungen steigt zudem auch das Risiko, zeitweise im Hypoglykämiebereich zu liegen.
  3. Starke Schwankungen des Blutzuckers führen bei vielen Menschen mit Diabetes dazu, dass sie sich schlecht fühlen.
  4. Standardabweichung“ und „Variationskoeffizient“ drücken Variabilität in einer einzigen Zahl aus. Das ist oft leichter zu begreifen als die Vielzahl von Zahlen, mit denen Menschen mit Diabetes im Alltag konfrontiert werden. Je größer die Variabilität, desto größer das Risiko von schweren Unterzuckerungen.

Quellverweis: Diabetes-News ad hoc von DiabetesDE vom 18.8.2020
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Tags: DiabetesDE, Expertenrat

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