Buchtips

Es ist nicht immer nur schrecklich, Diabetiker zu sein.

Dann zum Beispiel nicht, wenn ein sich Sportlehrer nennender Sadist von einem verlangt, man solle Basketball spielen – was man als extrem unsportlicher und leicht übergewichtiger Teenager nicht nur nicht kann, sondern auch auf gar keinen Fall vor den extrem sportlichen und mehr als leicht untergewichtigen Klassenkameraden tun möchte. Normale extrem unsportliche und leicht übergewichtige Teenager haben kaum Chancen, zu entkommen. Mit Diabetes aber wird der Sportunterricht im Nu zu etwas, wovor man keine Angst mehr haben muss. Nichts kommt schließlich plötzlicher als eine böse Unterzuckerung, mit der man unter keinen Umständen mehr Sport treiben darf.

Natürlich ist es nicht schön, Diabetiker zu sein. Manchmal ist es aber zumindest ziemlich lustig. In erster Linie dann, wenn man auf Menschen trifft, die von Diabetes so viel Ahnung haben, wie die Queen von Schuhputzmitteln.

Ob ich den Mist nicht zu Hause machen könne, wollte ein Imbissbuden-Besitzer von mir wissen, als ich fünf Einheiten Insulin für eine noch zu verzehrende Pommes Schranke spritzte. Und hielt Diabetes, dieses seltsame Wort, das er noch nie gehört hatte, für eine faule Ausrede, um meine Drogensucht zu verbergen, bis ich ihm meinen Schwerbehindertenausweis zeigte.

Alle drei Monate mache ich mir ernsthaft Sorgen darüber, was der Diabetes für meine Zukunft bedeutet. Oder besser gesagt, nicht ich mache mir die Sorgen, sondern mein Diabetologe macht sie mir.

„Na, junge Frau. Können Sie mich denn noch sehen?“, begrüßt er mich, auf die schlecht eingestellten Diabetikern drohende Erblindung anspielend, zu jedem meiner Termine.

Worauf ich im abwechselnden Rhythmus antworte: „Hilfe! Da sind Stimmen in meinem Kopf“ oder „Ganz ehrlich – ich kann Sie einfach nicht mehr sehen!“

Ein herzhaftes Lachen und das obligatorische Wie-geht-es-denn-danke-ganz-gut-Frage-und-Antwort-Spiel später wird es schließlich ernst:

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele junge Menschen in der Stadt Diabetes haben. Und die kommen fast alle zum Stammtisch“, hatte mein Diabetologe versucht, mir den Diabetiker-Stammtisch für Pumpenträger schmackhaft zu machen.Erfolgreich, denn mit meinen 14 Jahren, die ich nun mal war, gab es in allem, was ich tat, nur ein Ziel: Endlich auch mal mit jemandem zu „gehen“, wie das Führen einer Beziehung so schön einfach heißt, wenn man noch nicht weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt.Die vielen jungen Menschen, die der Diabetologe mir versprochen hatte, wurden in meiner Wunschvorstellung darum schnell zu jungen Männern und damit zu möglichen Hochzeitskandidaten. 
Es war dieses Bild in der Broschüre: Ein vor Glück strahlendes junges Paar sitzt an einem Tisch im Eiscafé. Er trinkt einen Cappuccino, doch vor ihr steht ein riesiger Eisbecher (Sahne Krokant; ich kann mich genau erinnern). Sie wird diesen Eisbecher gleich essen. Und das, obwohl sie, wie man aus der Bildunterschrift erfährt, seit 14 Jahren Diabetikern ist. Die Insulinpumpe macht’s möglich.

Diabetes bei Jugendlichen: ein Behandlungs- und Schulungsprogramm

Diabetes bei Jugendlichen: ein Behandlungs- und Schulungsprogramm 

Das Schulungsprogramm bezieht sich direkt auf das tägliche Leben Jugendlicher, ihre typischen Bedürfnisse sowie Chancen und Grenzen ihrer Diabetesbehandlung.

Das Programm enthält folgende Bände:

  • Band 1: Diabetes Basics
  • Band 2: Insulintherapie für Profis
  • Band 3: Diabetes Specials
  • Band 4: Pumpentherapie

 

Schnelle Hilfe für Diabetiker – übersichtlich und für jede Situation

Schulungsprogramm „Diabetes mellitus Typ 1 im Kindes- und Jugendalter“ erscheint in dritter Auflage mit neuem Modul „Insulinpumpentherapie“, erarbeitet vom Diabetes-Team des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg

Dr. Kristiane Hallermann, Ärztin im Freiburger Diabetes-Team, brachte gemeinsam mit Prof. Dr. Karl Otfried Schwab, der Diabetesberaterin Katharina Grehl sowie mit Psychologen, einer Ernährungsberaterin und weiteren Mitarbeiterinnen das Schulungsprogramm „Diabetes mellitus Typ 1 im Kindes- und Jugendalter“ in die passende Form. Es richtet sich an Familien von betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie an alle diejenigen, die als Ärzte, Ernährungsberaterinnen, Lehrer oder Erzieher mit einem Diabetes-Kind zu tun haben.  

Ein junges Mädchen wird entführt, die Eltern benachrichtigen die Polizei und dann beginnt der Wettlauf gegen die Zeit: Die Kleine ist Diabetikerin. Wenn sie nicht innerhalb von 24 Stunden ihre Medikamente bekommt, muss sie sterben. (Tusch, dramatische Musikuntermalung.)

 

Wie vielen Drehbuchautoren mag es schon so gegangen sein: Eine Geschichte um Kindesentführung soll es sein, aber nicht das übliche, langweilige Zeug, sondern ganz besonders spektakulär und mit dem berühmten Überraschungsmoment. Und wie viele dieser Drehbuchautoren mögen sich dann gedacht haben: Das ist es! Ich mache das Kind einfach zum Diabetiker!

Fast zwei Jahre lang habe ich es mit der konventionellen Therapie ausgehalten. Spritzen, warten, abwiegen, essen. Dann wurde ich Teenager und weigerte mich, irgendwas zu tun, was meinen Eltern oder sonst irgendwem eventuell hätte gefallen können. Dazu zählte natürlich auch das Einhalten meiner Diät und meines Spritzplans. Innerhalb weniger Wochen züchtete ich mir so einen stattlichen HbA1c-Wert im zweistelligen Bereich heran. Und innerhalb weniger Minuten hatte ich mir damit einen zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt zur Neueinstellung eingehandelt.

„Wenn das mit deinen Werten so weitergeht, bist du in zehn Jahren blind und hast keine Füße mehr“, führte mein Arzt mir die möglichen Spätfolgen noch einmal sehr plastisch vor Augen. „Ich überweise dich ins Krankenhaus und da sollen die dich dann auf ITC einstellen.“

Ich war gerade seit ein paar Wochen Diabetikerin, als mich meine Schulfreundin Annika zu ihrem Geburtstag einlud. Eine echte Herausforderung. Schließlich waren außer mir noch neun weitere kleine Gäste ohne Diabetes eingeladen, die sich auf die bei Kindergeburtstagen übliche Überdosis an Schokolade, Eis und Weingummi freuten. Bisher hatte es mir nie wirklich etwas ausgemacht, keinen der Negerküsse zu nehmen, mit denen junge Referendare immer versuchen, ihre Schüler zu bestechen, oder ins Kino eine Tupperdose mit Paprikastreifen mitzunehmen, statt mir Popcorn zu kaufen. Aber als Annikas Mutter mir an diesem Nachmittag die Tür öffnete und dabei einen selbst gebackenen Kuchen in der Hand hielt, den sie soeben aus dem Ofen geholt hatte, wusste ich, dass dies zwar ein Kindergeburtstag war, darum aber noch lange kein Kinderspiel werden würde.

„Hallo. Kann ich Dir helfen?“

Sie hatte es sicher gut gemeint, die freundliche Verkäuferin im Reformhaus. Woher sollte sie schließlich wissen, dass mein Besuch in ihrem Geschäft nicht aus dem Wunsch heraus geboren war, mich gesund zu ernähren, sondern aus dem Zwang dazu?

Ich wollte nichts essen, was zuckerfrei, dafür aber mit zehn Vitaminen angereichert worden war. Und ich wollte auch keine Schokolade kaufen, auf deren Verpackung nicht „Nuss Nougat“ stand, sondern „DIÄT“. Doch als frisch gebackene Diabetikerin mit konventioneller Therapie wäre meine Alternative gewesen, gar keine Schokolade zu kaufen und somit auch keine zu essen.

Login

BZ Umrechner

mg/dl mmol/l
Die hier angezeigten Werte sind nur Näherungswerte und die Berechnung erfolgt ohne Gewähr.

Werbung