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RHEINSBERG - Als es anfing, war sie zwei. Ihre Eltern, ein Arzt und eine Krankenschwester, bemerkten Azetongeruch und wussten sofort: Bei ihrer Tochter stimmt etwas nicht, sie hat Diabetes. Die Eltern brachten sie aus ihrer Heimat in Schleswig-Holstein sofort in die Kinderklinik nach Hamburg, dort gab es ein neues Medikament gegen die Krankheit: Insulin.
Das ist jetzt 75 Jahre her. Ursula Mummert gehörte zu den ersten Kindern in Deutschland, die Insulin bekamen. Und sie ist heute die Frau in der Bundesrepublik, die am längsten mit der Zuckerkrankheit lebt. Ihres Wissens nach gibt es nur noch einen Mann, der es noch länger damit überlebt hat. Dabei betraten die Ärzte damals Neuland, als sie dem kleinen Mädchen 1934 Insulin verabreichten. Das Präparat war erst seit 1928 überhaupt auf dem Markt. Es war an Erwachsenen getestet, mit Kindern hatten die Mediziner keinerlei Erfahrungen. Das wirkte sich aus. „Ich war ständig in Schocknähe“, sagt Ursula Mummert heute über die erste Zeit nach dem Beginn der Behandlung. „Ich fiel häufig um und lag auf dem Fußboden.“ Heute weiß sie: Die Dosis war zu hoch. Das wussten die Ärzte aber nicht.
Ursula Mummert leidet an Diabetes Typ eins. Durch Fehlfunktionen im Körper produziert die Bauchspeicheldrüse bei ihr kein Insulin mehr. Diesen Stoff braucht der Körper, um den Zuckerspiegel im Blut zu senken und den Zucker in die Zellen zu transportieren. Im Gegensatz zum mittlerweile immer häufiger auftretenden Diabetes Typ zwei wird Typ eins nicht von der Ernährung oder von Übergewicht beeinflusst. Diäten sind gegen diesen Typ deswegen wirkungslos. Menschen wie Ursula Mummert können nur überleben, wenn sie Insulin von außen bekommen.
Das machte die Jahre zwischen 1945 und 1948 zu ihren schwersten. Bis Kriegsende funktionierte die Insulinversorgung, erinnert sich Ursula Mummert. Doch danach wurde es schwierig, nicht einmal in den Kliniken gab es noch etwas. In ihrer Verzweiflung setzte Ursulas Mutter, die mittlerweile in Mecklenburg lebte, die Tochter auf Diät. „Ich habe Hafertage eingelegt“, erzählt sie. An Tagen, an denen sie nur Haferflocken aß, brauchte sie nur eine halbe Tagesdosis Insulin.
Quelle und mehr Info: Märkische Allgemeine vom 23.5.2009


