Beitrag erschienen im Bereich: Hilfsmittel - Artikel
Hallo ihr Leser von Diabetes kids;
Wer bin ich-
Ich bin die Mutter von Arnold, der seit seinen 2 Lebensjahr Diabetiker ist. Nebenbei bin ich zufällig auch noch Ärztin und habe vor Arnolds Diabetes mehrere Jahre erwachsene Diabetiker stationär betreut.
Nach einem langen Jahr „ Spritzentherapie“ und Blutzuckerwerten von niedrig bis hoch konnte ich für Arnold eine Insulinpumpentherapie durchsetzen. Seit dem können wir alle wieder fast wie ohne Diabetes leben.
Allerdings bleibt bei mir in fast jeder Nacht nicht anderes übrig, als wenigsten 1 mal den Blutzucker zu kontrollieren. Denn Arnold ist ja noch sehr jung, bewegt sich sehr viel, isst sehr gerne Süßes, Pizza und macht lauter Sachen, die den Blutzucker in alle Richtungen lenken.
An vorrausschauendes Dosieren ist da nicht wirklich zu denken – trotz der vielen medizinischen Kenntnisse und Erfahrungen, die ich schon gemacht habe. Außerdem hat Arnold durch seine sehr enge Einstellung (HbA 1c unter 6.8 konstant sei Diabetesbeginn) kein Wahrnehmung für Unterzuckerungen. Er toleriert Blutzuckerwerte bis 1,6 mmol/l ohne Symptome).
Vor einer geraumen Zeit habe ich im „Insuliner“ gelesen, dass eine Diabetikerin ihren eigenen Hund so ausgebildet hat, das er Unterzuckerungen erkennt und den Diabetiker warnt, ebenso kann er hohe Zuckerwerte erschnüffeln und auch hier Warnung geben. Schwer vorzustellen – dachte ich mir und habe den Artikel erst einmal beiseite gelegt. Auf meinem Schreibtisch hat er wochenlang geschmort. Solche „alternativen lebendigen Messmethoden“ sind dem klassischen Schulmediziner eigentlich ja auch fremd. Nach einiger Zeit habe ich mir den Artikel doch wieder herausgesucht und bin im Internet auf Suche gegangen. Viel habe ich damals nicht gefunden. Allerdings bin ich auf einen Eintrag aus dem Jahr 2002 vom Deutschen Diabetes Forschungsinstitut gestoßen, wo Diabetiker mit Hunden gesucht wurden, deren Hunde ein verändertes Verhalten bei Unterzuckerungen zeigen. Nun wurde ich auch als Schulmediziner hellhörig – sollte es tatsächlich solche Fähigkeiten von Hunden geben?
Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt und der aktuelle Stand für unsere Familie ist wie folgt:
Seit November 2008 haben wir eine Labradorhündin. Sie ist seit Dezember in der Ausbildung zum Behindertenbegleithund mit der Zusatzausbildung Diabetikerwarnhund. Seit dem Lulu bei uns ist, hat sie sich sehr positiv entwickelt und erschnuppert tatsächlich aktuell ca. 80 – 90 % aller Unterzuckerungen, - d.h. sie verändert ihr Verhalten in relativ typischer Form und signalisiert damit die Unterzuckerung. Auch hohe Zuckerwerte werden schon von ihr erkannt. Natürlich muss noch lange ein gezieltes Training erfolgen, damit sich Arnold dann ganz auch Lulu verlassen kann. Die gesamte Ausbildung dauert ja auch 1 ½ Jahre.
Für die Übernahme der Kosten haben wir die entsprechenden Anträge bei Krankenkassen und Behörden gestellt – natürlich mit einer Ablehnung. Jedoch haben wir (nicht als einzige in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt) Klage eingereicht. Der Weg ist lang. Da ich aber selbst Ärztin bin, viel fachliche Begründungen geben kann und ich intensive ausführliche Recherchen von Klageerhebung betrieben habe, bin ich fest von einer Kostenübernahme ähnlich wie beim Blindenführhund als Hilfs- und Heilmittel überzeugt (unsere Anwalt auch). Ich stelle jedem Interessenten meine Recherchen gern zur Verfügung.
Jedoch gibt es ein paar grundsätzliche wichtige Vorrausetzungen, damit eine solche Ausbildung auch von Erfolg ist.
- Der Hund benötigt artgerechte Haltung – das heißt entsprechend seiner Rasse Auslauf und Beschäftigung.
- Der Diabetiker muss mit einem Hund auf engstem Raum leben können – ein Hund im Zwinger wird nie ein Warnhund.
- Die emotionale Bindung zwischen Diabetiker und Hund ist die Basis des Trainings. Der Hund wird nur freiwillig die schwankenden Zuckerwerte anzeigen – aus der Bindung zum Diabetiker heraus.
- Züchtigung und Nötigung des Hundes bewirken nichts. Alle Trainingserfolge beruhen auf Geduld, Übung, Belohnen, Zuneigung und artgerechter Haltung.
Eine Entscheidung für einen Hund will sehr genau überlegt sein. Der Hund ist ein Teil der Familie. Die Ausbildung ist fundiert und mit den oben genannten Vorraussetzungen klappt es bei uns sehr gut. Lulu wacht über Arnold – auch wenn sie erst 8 ½ Monate alt ist. Wir sind froh, das wir sie haben. Ich schlafe ruhiger und tiefer – natürlich stehe ich zum Blutzuckermessen auch noch nachts auf – aber den Wecker stelle ich mir nicht mehr so oft. Ich verlasse mich immer mehr auf Lulu – die hat mich bisher immer irgendwie wach bekommen.
Für Arnold weitere Entwicklung- Selbstständigkeit, Selbstvertrauen, Teilnahme an Geburtstagen, Kinobesuche etc. wird Lulu ihm zur Seite stehen. Damit ist ein Schritt weiter getan für eine gute Einstellung ohne Angst vor Hypo´s in der Pubertät. Ich denke für uns ist der Weg mit Diabetikerwarnhund der Richtige – aber dass kann nur jeder einzelne für sich entscheiden.
Für alle Fragen stehe ich gern zur Verfügung – Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Bis bald
Dr. med. Berit Quaß
aus Schwerin


