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Diabetes-Kids Elternblog: Wunschkind Nummer 2 - Entgegen allen Wiederstandes. Wir haben Ja gesagt, und es nicht bereut!

Diabetes-Kids ElterblogEin zweites Kind war nach der Diagnose Diabetes absolut nicht vorstellbar! In allem wollte ich perfekt sein. Als Mutter. Als Krankenschwester. Als Diabetes-Sachverständige in eigener Mission. Psychologieinteressierte aus familiärem Anlass. Kurz gesagt: So viel Perfektionismus kann nur schief gehen! Während ich nach außen meist gut aufgelegt und Optimismus versprühte, war ich im Innern wie ein hohles Gefäß.

 

Mein körperliches Ende kam noch vor dem psychischen, was dank unsere Diabetologin, nicht zu voller Entfaltung kam. Sie schickte uns zur Mutter-Kind-Kur. Könnte gut sein, dass sie  damit nicht nur mich, sondern auch meine Ehe gerettet hat. Unser Sohn war die ersten Monate mit einem Pflegefall zu vergleichen. Oder mit Zwillingen, die einem als Schreikinder monatelang die Nacht versüßen. 20 Stunden pro Tag in Habachtstellung.

Da kann die nächtliche Suche, nach dem letzten verbliebenen Schnuller, in einen hysterischen Heulkrampf enden. Oder auch passiert, dass wir uns angifteten , weil vom flüssigen Traubenzucker, etwas auf dem Boden kleckste. Dass der Blutzucker unter 40 mg, es tief in der Nacht war und unser Sohn den Löffel nicht richtig ablecken konnte, spielte für uns in dem Moment nur eine untergeordnete Rolle. Überdruck entweicht immer an der dünnsten Stelle. Der Moment hätte nicht perfekter sein können! 

Die vierwöchige Trennung hat mich demnach nicht in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Ich brauchte keine Wäsche waschen, nicht kochen, nicht bügeln und nicht arbeiten. Dafür hatte ich jetzt jede Menge Zeit zum Nachdenken. Mich mit anderen Eltern auszutauschen und auch mal zu sehen, wie das bei den größeren Kindern lief, war für mich der Augenöffner! Die sahen nicht gerade unglücklich aus und nahmen alles mit einer Leichtigkeit, die mir noch fremd war. Wieder zu Hause angekommen war ich im wahrsten Sinne des Wortes ein anderer Mensch. Kurz danach kam unser Sohn in den Kindergarten. Plötzlich hatte ich mehr Zeit als mir lieb war. Das war ungewohnt und fühlte sich fremd an. Und dann kam die Langeweile! Und damit ein ganz anderer Frust.

Sollte das hier alles gewesen sein? Würde ich in Zukunft die Zeit damit verbringen zu warten? Auf Mann und Sohn? Haushalt und kochen? Mutter-Kind-Turnen und "Ei, wohin ist die Nase verschwunden" trällern? Gott bewahre!

Zuerst verwirklichte ich mir, wieder etwas mehr arbeiten zu gehen. Weder mein Mann noch meine Schwiegermutter waren davon begeistert. Akzeptierten und trugen aber meinen Entschluss. Und dann war es so weit. Wir erwarteten unser zweites Kind. Ich war überglücklich, so ganze sechs Wochen lang. Danach kam würgen, Übelkeit, würgen, Übelkeit ... Eine vorbildliche Schwangerschaft. Dem Kind ging es hervorragend. Nur die Mutter hatte einen Dauerparkplatz auf dem Örtchen und immer eine Spucktüte in der Handtasche.

Natürlich machten wir uns Sorgen, dass sie  auch Diabetes haben könnte. Das Haben machte mir mehr Sorgen, als irgendwann bekommen könnte. Hört sich das jetzt doof an, wenn ich sage, ab vier Jahren, wäre es für mich in Ordnung gewesen? Für Eltern, dessen Kinder den Diabetes in dem Alter bekamen sicherlich. Nur sind wir ein paar Altersstufen vorher eingestiegen. 

So und nun kommen wir zu denen, die alles besser wissen. Zu den Klugscheißern und ich Habe-mal-gehört-und-gelesen-Typen. Die, die einen Freund der Freundin kennen, dessen Bruder jemand kennt, der auch Diabetes hat. Die vom Rand des Sandkastens rufenden Müttern, von Austin-Jonas-Joachim-Clemens der Fünfte. Ihr könnt mich alle mal! Euer Universum ist fern von meinem. Ihr könnt und werdet mich nie verstehen! Es sei denn, Ihr dürft meine Erfahrungen machen, was ich Euch um keinen Preis der Welt wünsche! Sprüche wie: "Und da bekommst du noch ein Kind?", oder: "Wie könnt Ihr das Schicksal nur noch einmal herausfordern?", interessieren mich nicht.

Wenn ICH sage, dass ich das schaffe, dass ich weiß, worauf ich mich einlasse, dann ist das so! Und damit ja keine Missverständnisse aufkommen: Eure rosarote Konfettiwelt könnt Ihr getrost behalten! Meine ist nicht ganz so bunt. Hat viele Hürden, aber sie ist echt und keine Seifenblase. Meine schillernde Blubberblase ist schon vor langer Zeit geplatzt und hat mich aufwachen lassen.


Zum Schluss folgendes: Warum haben wir es nicht bereut, noch ein zweites Kind bekommen zu haben? 


Sie war das Pflaster, das unsere Familie gebraucht hat!

Tags: Elternblog, Blog

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Diskutiert diesen Artikel im Forum (7 Antworten).

CelinaTypF antwortete auf das Thema: #99055 12 Jan 2016 00:33
Wir haben uns nach langem überlegen auch für noch ein Kind entschieden, nachdem unser großer mit 3 Jahren erkrankt war...
Es wurden Zwillinge! Und meine kleine Maus hat nun auch mit drei Diabetes bekommen! Und auch das schafft man! Das Gute ist doch, das man sich jetzt mit der Materie schonmal perfekt auskennt!
IngaMarie antwortete auf das Thema: #98996 05 Jan 2016 11:51
Keep on running...
Cheffchen antwortete auf das Thema: #98970 03 Jan 2016 00:29
Hallo,

wir haben auch nach Diagnose noch ein Kind bekommen bzw Frauchen, ich dürfte nur die Blumen am nächsten Tag bringen ;O).
Muss jetzt aber zugeben, so im nachgang, wir haben uns viel gefragt aber DM war nie thema, frage mich jetzt aber wo ich das hier lese, wie so eigentlich nicht.

Hauptsache macht Spaß ;O)
Gut geschrieben.

Cheffchen
mibi74 antwortete auf das Thema: #98969 03 Jan 2016 00:24
Vielen Dank für Eure Beiträge!

Mai11: Herzlichen Glückwunsch, zum Familiennachwuchs! Wie weit sind denn deine zwei Kinder auseinander. Bei uns sind es etwas mehr als vier Jahre. Da ging es schon so manches Mal turbulent zu. Tut es natürlich immer noch, aber die Art der Turbolenzen haben eine andere Qualität bekommen. Wie heißt es so schön: Es wird nicht besser, nur anders! :silly:

sarah2013: Letzten Endes muss das jeder für sich entscheiden. Kann man mit dem Risiko leben oder nicht? Es ist nichts verwerfliches, nur ein Kind haben zu wollen. Vielleicht muss auch nur noch etwas mehr Zeit ins Land gehen. Wer weiß, wie Du das in einem Jahr siehst.

Liebe Grüße auch an Dich Sveje

Michaela
mai11 antwortete auf das Thema: #98963 02 Jan 2016 20:44
Hallo,
ich muss auch sagen ein wirklich toller Beitrag und ja, wir haben uns trotz des Diabetes unseres Sohnes für ein zweites Kind entschieden. Unsere Kleine ist jetzt 1/2 Jahr alt und es ist wunderschön. Nur leider gibt es zu wenige, die es aussprechen, dass es toll ist, ein 2. Kind zu bekommen, wenn man schon ein Diabetes-Kind hat.
LG

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