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Diabetes-Kids Elternblog: Wir nehmen es sportlich


Es bedarf einiges an Aufwand,

um mit Diabetes Typ1 sportlich durchs Leben zu schreiten. 

Als Elfjähriger damit klarzukommen, dass die Blutzuckerwerte entscheidend sind, ob man noch eine Bahn schwimmen kann, noch ein paar Kilometer mit dem Rad fährt oder einfach nur durchs Ziel läuft, ist nicht immer einfach. Aber wir arbeiten daran. Der Sommer kommt und mit ihm die aktivste Zeit des Jahres. 

Roller5

Großwerden mit Diabetes ist nicht immer leicht, nicht immer unbeschwert. Manchmal steckt hinter der Leichtigkeit des Alltags mächtig viel Arbeit. Mein Kind ist ein normales Kind. Kein Ausnahmesportler. Kein Supertalent. Er hat einfach nur Spaß an sportlichen Aktivitäten.

Inzwischen haben wir unsere Erfahrungen gesammelt, was den Blutzucker schnell zum Absturz bringt und was nicht. Oder nicht gleich, sondern später. Den Blutzucker statt sinken, steigen lässt. Jede Art der Fortbewegung hat seine spezielle Auswirkung. Trampolinspringen, Schwimmen, Wandertouren, Radfahren, Bogenschießen, Tischtennis oder ein Tauchkurs. Nichts verhält sich gleich.

Tauchkurs

      Merke:

            ·         Sport beeinflusst den Blutzucker bei jedem anders!

            ·           Allgemeine Ratschläge, die für jeden passen, gibt es nicht! 

 

 

 

 

Beim Radfahren werden die Kohlenhydrate wie in einem Hochofen verbrannt. Ich will nicht behaupten, dass wir das immer super einschätzen können. Manchmal lagen wir auch ganz schön daneben. Mussten bei einer Zwangspause auf dem Asphalt sitzen und warten, bis der flüssige Traubenzucker wirkte. (Kauen war schon schwierig geworden.) Der gehört übrigens immer zur Grundausstattung! Nach meiner Ansicht grenzt es an grober Fahrlässigkeit, auf den zu verzichten und selbstsicher davon auszugehen, dass man ohne flüssigen Traubenzucker, bei sportlicher Belastung auskäme. Nichts muss, aber es kann und wenn der Fall eintritt, ist der Unterschied zwischen haben und nicht haben gewaltig.

 

Radfahren

Merke:

Vor jedem Sport den Blutzucker messen.

Unterzuckerungen können leicht übersehen werden, da Schwitzen und Herzklopfen als Folge der körperlichen Anstrengung ausgelegt werden können.

Für den Notfall gerüstet sein. (Traubenzuckerplättchen, flüssiger Traubenzucker, Notfallspritze)

Während dem Sport in regelmäßigen Abständen messen.

Unterzuckerungen können noch viele Stunden nach dem Sport auftretten.

 

Ein kurzer Radausflug mit meinem Kind verläuft übrigens ungefähr so:

In 25 Minuten unter Gegenwind, 12 km lang an seinem Hinterrad kleben. Einmal nur kurz anhalten, um nach dem Blutzucker zu schauen. In der Stadt drei Kugeln Eis verdrücken. Nur eine Kugel verzögert eingeben und den Rest für den Gott der Bewegung opfern. Danach im gleichen Tempo wieder zurück durch die Pampa. Nach 20 Minuten schnell noch mal messen, denn unter der Belastung sind mir die empfohlenen 30 Minuten zu lang. (Bei einer normalen Wanderung messen wir eher im Stundentakt.)

Zugegeben, es macht Spaß solche Dinge mit ihm zu tun. Dazu muss mich keiner zwingen. In solchen Momenten fühle ich mich frei von irgendwelchen Zwängen und Meinungen, dass mein Kind irgendetwas in seinem Leben, nur des Diabetes wegen, nicht schaffen könnte. Und ich denke, genau das ist es, was mich immer wieder dazu antreibt, derartige Sperenzchen mitzumachen und mitzutragen, obwohl das operierte Knie jammert und meine Hüfte ächzt und stöhnt.

 

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Seit ein paar Wochen nutzt unser Kind den Sensor vom Freestyle Libre. Seitdem verlaufen unsere Radtouren erheblich besser. Wir befestigen das Messgerät mit einem Band am Oberarm. Bei Bedarf muss er es nur nach unten ziehen und kann sofort messen. Kein suchen. Kein herumfummeln. Bei unserer letzten Maiwanderung im schönsten Regenwetter war das Messgerät so sicher und bombenfest befestigt. Da viele Jogger mit solchen Bändern ihre Handys mit sich tragen, fällte es gar nicht mal so auf. Nur beim Limeslauf hat es einer von der Presse spitzgekriegt und kam mit seiner Kamera immer näher.

 

Die Limesläufe waren erst letztes Wochenende. Was für ein Spektakel! Was für ein Aufmarsch! Ich war erstaunt, woher die Teilnehmer kamen und vor allem WIE VIELE das waren.

Mein Kind kam mit der Anmeldung für den Kinder- und Jugendlauf von der Schule. Ob er da mitmachen dürfe. Und schon die Art, WIE er das fragte, machte mir klar, dass wir das unterstützen würden. Und wenn ich auf allen Vieren daher kriechen müsste! Was gar nicht so abwegig war, denn ich bin definitiv nicht in der Lage mit ihm Schritt zu halten. Nach dem ersten Probelauf fuhr ich nur noch mit dem Rad hinterher. Beim Rennen reagierte mein Kind komplett anders. Bedingt durch das Adrenalin, brauchte er keine Kohlehydrate vorher und keine dazwischen.  Nur bei dem morgendlichen Lauf in der Schule musste er wegen einer andauernden Unterzuckerung abbrechen. Deswegen holte ich mir kurz Rat bei der Diabetesassistentin, um mich zu erkundigen, ob wir noch etwas beachten oder anders machen müssten.

  

Merke:

·        Aufregung, Stress und die damit verbundene Adrinalinausschüttung, haben erhöhte Blutzuckerwerte zur Folge.

·        Vor allem in Wettkampfsituationen kann der Blutzuckerspiegel in schwindelerregende Höhen klettern.

     Bei Fragen oder Unstimmigkeiten immer eine Fachkraft konsultieren.

 

Am Samstag, den 20. Mai war es dann so weit. Mein Mann positionierte sich im Startbereich, um anzufeuern und den denkwürdigen Moment auf Video festzuhalten. Um 16.15 Uhr fiel der Startschuss und über 100 Kinder schossen durch die Gassen. Unser Sohn mittendrin. Der Lauf war genauso, wie ich es mir dachte. Die sind nicht gerannt, sondern geflogen! Unser Kind hat durchgehalten und immerhin den 9. Platz in seiner Altersklasse ergattert. Für seinen ersten Lauf kann er damit wirklich zufrieden sein. Ich bin es sowieso. Ziel gesetzt und durchgehalten. Ziel erreicht. Ob er damit weitermacht ... keine Ahnung.

 Mir sind momentan ganz andere Sachen wichtig. Ich will, dass er weiß, wie es sich anfühlt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wie es sich anfühlt, körperlich ausgelaugt aber glücklich zu sein, weil man etwas erreicht hat. Und zwar aus eigener Kraft. Bewegung ist gut für Körper und Geist, und ich glaube, dass er montan genau das braucht.

Tags: Sport, Elternblog, Blog, Schwimmen/Tauchen, Laufen

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