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Diabetes-Kids Elternblog: Grundschule und Diabetes - Nicht immer ein Zuckerschlecken!

Grundschule und Diabetes - Nicht immer ein Zuckerschlecken!

Bis unser Sohn in die fünfte Klasse kommt, sind es noch ein paar Monate. Und doch fühlt es sich an, wie morgen schon. Grundschulempfehlung. Die neue Schule besichtigen. All das steht in den kommenden Tagen im Terminkalender.

Grundschule und Diabetes, das ist eine (un)endliche Geschichte. Ich stellte es mir damals nicht so kompliziert vor, wo es doch im Kindergarten hervorragend funktionierte. Ohne viel Tamtam.

 

Grundschule9

Mit der Einschulung, das muss ich leider sagen, wurde mir das erste Mal so richtig vor Augen geführt, dass mein Kind nicht normal sein sollte. Dies habe ich bis zu dem Zeitpunkt weder so gefühlt noch wahrgenommen. Bei mentaler und körperlicher Einschränkung wäre eine Schule für körperbehinderte Kinder nicht schlecht. Nur 30 km mit dem Bus zu fahren, hieß es seitens der  Schule. Bitte?! Also ich dachte seither immer, er hätte nur Diabetes! Nach einigen Hin und Her und meines nicht gerade entgegenkommenden Verhaltens, kam das Schulzentrum nicht darum herum. Unser Sohn kam in die Grundschule. Ein paar Monate später sagte mir der Direktor vor Zeugen,  dass es für unseren Sohn die richtige Schule sei. Da fühlte ich mich fast wie geadelt! 

Die kommenden Jahre waren trotzdem kein Zuckerschlecken. Da hat es schon so manche  allergische Reaktion auf den Diabetes unseres Sohnes gegeben. Meist hat uns die Integrationskraft den Hals aus der Schlinge gezogen. Sie gab wirklich alles, um ihn eine barrierefreie Grundschulzeit zu ermöglichen. Mit Herzblut und großem Engagement. Dafür sind wir  ihr alle unendlich dankbar!

Wie ich bereits zu Beginn andeute, wird unser Sohn nicht mehr am Schulzentrum bleiben. Es macht keinen Sinn mehr, ihn und uns unnötig das Leben schwer zu machen. Zeit neue Wege zu gehen und  hoffen, dass die Chaoten aus seiner Klasse nicht den gleichen Weg antreten. Eine Handvoll von denen könnte zu einer enormen Herausforderung unseres Sozialsystems werden. Darum würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn die Klassenlehrerin schon die Tage bis zu den Sommerferien  zählt! Wie ich erfuhr, musste sie während unser Abwesenheit (wir waren vier Wochen zur Kur), eine Sozialarbeiterin kommen lassen.

Wie dem auch sei, der Ernst des Lebens, auch Schule genannt, ist für alle Eltern mit viel  Erkenntnissen gesegnet. Mit oder ohne Diabetes. Eine davon ist, wer glaubt, die Schule sei für ihn gelaufen, der irrt sich gewaltig! Denn mit der Einschulung der eigenen Kinder startet man noch mal richtig durch! Morgens noch zeitiger aufstehen. An noch mehr Dinge denken. (Schuldinge und  Diabeteskram.) Neue Telefonnummern abspeichern und den Terminkalender um eine weitere Spalte erweitern. Ohne diese Gedächtnisstütze wäre ich auf verlorenem Posten! Das kann sich doch kein Mensch merken! Welche Projekte stattfinden. Bis wann das Buch gelesen werden soll. Was  wann an der Schule in der großen Pause verkauft wird. Hausaufgaben koordinieren, die erst eine Woche später eingereicht werden sollen. Weiterhin die  administrativen Pflichten, wie das Diabetes-Hausaufgabenheft führen. Schulranzenkontrolle. Die ist bei den männlichen im Haushalt  lebenden minderjährigen Personen besonders unbeliebt! Und als ob man damit nicht schon genug zu tun hätte, gibt es hin und wieder, oder auch öfter, viel  Post von der Schule. Am besten innerhalb eines Tages zu beantworten und abzusegnen. Informationsgedöns für informative  Informationsabende. Zum Beispiel für den anstehenden Klassenpflegschaftsabend. Früher sagte man Elternabend. Komplizierte Namen gehören zu unserer  Gesellschaft dazu, denn je komplizierter  etwas klingt, um so wichtiger und bedeutungsvoller muss es wohl sein. Welche Klasse wird denn da gepflegt? Man sitzt doch abends in einem karg möblierten Raum, auf viel zu kleinen Stühlen,  mit Leuten, die man im Leben nicht freiwillig treffen würde. 

Was auch witzig ist, die eigene Aussprache üben. Zum Beispiel das Unterrichtsfach: Mensch-Natur-Kultur. (MeNuK). Wer es schafft, dieses fünf Mal hintereinander fehlerfrei in seiner ganzen Länge aufzusagen ist der Beste! Ich hab´s aufgegeben, weil es sich auch nach dem achten Mal so anhört, als wäre ich der Rotweinflasche zum Opfer gefallen. Ja in der Schule wird fürs Leben gelernt. Dinge die Kinder brauchen, vielleicht gebrauchen könnten, und auf dem Pausenhof, was man gar nicht braucht, sich aber sehr viel besser merken kann! Wie die akkurate Mittelfingerstellung und alle möglichen und unmöglichen Wortkombinationen des F-Wortes. 

Außerdem frage ich mich, ob es einen Grundschulalzheimer gibt. Oder woran liegt es, dass Hausaufgaben vergessen werden und totale Amnesie herrscht, wenn er erzählen soll, wie es zu der Strafarbeit kam? Ansonsten merkt sich der kleine Computer im Kopf unseres Sohnes wirklich jedes  unwichtige Detail. Außerdem ist er schwerhörig geworden. Vor allem bei den zu tun Dingen. Sein Sehvermögen macht mir auch Sorgen, denn seine und meine Definition von Heftführung liegen des Öfteren so weit auseinander, wie Nord- und Südpol! Des Weiteren vermisse ich Worte wie: "Bitte",   "danke" oder "das tue ich gern." Dafür beginnt jeder zweite Satz mit Alter. (Früher hat er die Personen vorzugsweise mit Namen angesprochen)

Unser Sohn hat aber auch sehr sinnvolle Dinge gelernt! Dass man weltoffen sein soll und fleißig lernen. Oder, dass man manche Sachen ganz oft üben muss, um sie gut zu beherrschen. Dass man Vertrauen zu sich haben muss und nicht gleich aufgeben darf. Auf Neues zugehen und nicht ablehnen. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass dies nicht nur von den Kindern verlangt wird, sondern auch von einigen Personen des Schulzentrums so praktiziert werden würde. Gerade was den Diabetes betraf, wurde Wein gepredigt und Wasser tröpfchenweise ausgeschenkt. Oder um im Bild zu bleiben, wurde nicht mal von Wein gesprochen und gleich der Hahn zugedreht, damit man gar nicht in die Versuchung kam, nach einem Schluck Wasser zu fragen. Das ist Schule. Immer für eine Überraschung gut. Seien wir also gespannt, womit ich in den kommenden sechs Monaten noch so überrascht werde. Eine Gesprächsrunde soll es noch geben. Unter anderem, mit der neuen Sportlehrerin.

 

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