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Diabetes-Kids Elternblog: Ameisenalarm, oder die berühmten zwei Seiten

ant 1096401 640Wir haben seit ein paar Tagen ein Ameisenproblem. Es begann ganz harmlos mit zwei kleinen Krabbeltierchen auf dem Küchentisch. Der eiligst herbeigerufene Reinigungsexperte der Familie kommentierte die Angelegenheit nur mit: "Na und? Die verschwinden von alleine!" Böser Fehler. Am nächsten Tag hatte sich unsere Küche in einen Verkehrsknotenpunkt für Ameisen verwandelt. Überall kleine Straßen und um jeden Krümel ein Massenauflauf. Das Gewimmel wurde von unseren großen Kindern mit "Igitt!" und von unserem Kleinsten mit einem freudigen: "Ah!  Omeisen!" kommentiert. Das fehlte gerade noch, wo doch frümorgens bei uns eh immer die Zeit knapp ist! Ich bewaffnete mich mit einem Staubsauger uns saugte erstmal alle weg (das tat mir zwar in dem Moment für die Tierchen leid, aber ich sah keine andere Möglichkeit sie aus dem ersten Stock wieder nach draußen zu befördern). Da unser Jüngster immer noch gern vom Boden isst, verbot sich der Einsatz eines Insektensprays und so nahm ich nur Essigreiniger und wischte alle Fugen und Fensterritzen gründlich aus. So, geschafft. Problem erledigt. - Ein klarer Fall von falsch gedacht. Als ich später zur Mittagspause nach oben kam (bei mir liegt Arbeitsstätte und Wohnung praktischerweise in einem Haus), war der Tisch erneut schwarz und bewegte sich. Ganz prima. Ich habe ja nichts weiter zu tun. Praxis, Haushalt, drei Kinder, eins neuerdings mit Diabetes, ich habe eigentlich keine Langeweile. Wütend wiederholte ich die Prozedur vom Morgen, nur um es dann am Abend noch einmal genauso zu machen und die nächsten Tage auch. 4- 5 mal am Tag, meine Küche war noch nie so sauber! Interessanterweise hörte ich nach zwei Tagen auf, mich aufzuregen. Hatte ja auch keinen Zweck. Gucken, Staubsauger nehmen, saugen, sprühen, wischen, fertig, nächster Tagesordnungspunkt.

 

Was hat mein Ameisenproblem nun mit Diabetes zu tun? Zwei Dinge sind mir da eingefallen. Zum einen, ich habe in den letzten Tagen hier im Forum wirklich viel über Diabetes gelernt (die Theorie wusste ich auch schon vorher ganz gut, aber was sind schon auswenig gelernte Lehrbuchtexte gegen den Alltag mit einer Krankheit). Das Wichtigste, was ich erst einmal mitgenommen habe ist, dass man trotz der Krankheit ein normales Leben führen kann. Natürlich hat man einen erheblichen Mehraufwand an Zeit (tägliches Bz messen, Essen berechnen, Insulin berechnen, vermehrte Arztbesuche), oft hat man Einschränkungen, es gibt keine Pause, aber man gewöhnt sich daran. Das Diabetesmanagement wird zum Alltag und wird (irgendwann) idealerweise ein "normaler" Teil unser täglichen Verpflichtungen. Das bringt mich zu meiner zweiten Überlegung.

Ameisen sind ja an sich (wenn sie sich nicht gerade in unseren Wohnräumen aufhalten) nützliche Tiere. Sie fressen Schädlinge und beseitigen Aas und andere Abfallprodukte in der Natur. Für meine Dissertation habe ich medizinische Fachzeitschriften der Jahrgänge 1880-1910 ausgewertet. Dort kam Diabetes eigentlich kaum vor. Warum? Nicht etwa, weil es zu dieser Zeit keinen Diabetes gab (den gab es schon bei den alten Ägyptern), sondern weil es für den medizinischen Alltag zu dieser Zeit schlicht und ergreifend keine große Rolle spielte- die betroffenen Patienten hatten keinerlei Überlebenschancen. Kein Arzt konnte ihnen helfen (erst 1922 wurde der erste Diabetespatient mit Hilfe von Rinderinsulin gerettet). Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke...Alle unsere täglichen Diabetesmanagement-Verrichtungen sorgen dafür, dass unsere Kinder (die uns immer wieder in Erstaunen versetzten, zum Lachen bringen, manchmal aber auch in den Wahnsinn treiben, die wir aber über alles lieben) überhaupt noch bei uns sind. Ob man Diabetes je heilen kann, steht in den Sternen. Sicher jedoch ist, dass die medizinischen Möglichkeiten der Behandlung noch nie so gut waren wie jetzt. Auch in der Zukunft wird es sicher noch viele Verbesserungen geben, von denen unsere Kinder profitieren werden und die ihnen helfen, ihr Leben zu meistern. Ich finde, dass ist ein hoffnungsvoller Gedanke!

Tags: Elternblog, Blog

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