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Diabetes-Kids Elternblog: Aller Anfang ist schwer

Es ist geschafft. 14 Tage Krankenhausaufenthalt liegen hinter uns. Morgen kommt mein Diabetes-Kind endlich nach Hause. 14 Tage, vom ersten Telefonat des diensthabenden Assistenzarztes der Universitätskinderklinik- "Ich nehme nur noch schnell den Diabetiker auf und dann komme ich!" (Hallo? Entschuldigung, könnte bitte mal jemand die Rolle wechseln? Ich sitze hier im falschen Film. Definitiv. Dort auf der Pritsche, dass ist doch kein Diabetiker, das ist mein Sohn und der ist kerngesund, der hat in letzter Zeit etwas viel getrunken und ist oft müde, ja, aber das ist doch wohl nur ein Wachstumsschub! - Hallo? Servicekraft!!??) bis zum heutigen erfolgreichen beantworten der fünfseitigen multiple choice Fragen in der Diabetikerschulung (da sind mehrere Antworten richtig, - da steht überzuckert und nicht unterzuckert,- könntet ihr bitte mal richtig lesen?- bekommt ihr jetzt einen Diabetikereltern Führerschein oder so etwas?).

14 Tage, in denen ich jedes Kinderzimmer, jeden Schrank und jede Ecke nach Süßigkeiten abgesucht habe. Dabei kam ich mir vor wie Aschenputtel- die Guten ins Töpfchen (also die, bei denen man den KH Wert ablesen kann) und die schlechten- na ja nicht in den Kropf, aber in den Mülleimer.

14 Tage, in denen mir bewußt wurde, dass sich in unserem Leben einiges ändern muss. Gerne hatten wir die, nun sagen wir etwas lockere, südosteuropäische Mentalität unseres Familienvaters in Bezug auf Essgewohnheiten und Schlafenszeiten übernommen, was ja (zumindest bis jetzt) das Leben oft einfacher machte (Was, ihr habe jetzt keinen Hunger? Dann lassen wir das Mittagessen eben ausfallen, muss ich nicht kochen.- Mutter. Was, ihr wollt Gummibärchen, Schokolade und Chips, obwohl es in einer Stunde Abendbrot geben soll? Na von mir aus.- Vater. Die Einladung ist erst für abends? Kein Problem, die Kinder halten bis 10 Uhr durch.- Beide.) So geht es nun mit ICT nicht weiter, eine gewisse Regelmäßigkeit werden wir uns antrainieren müssen und auch die beiden kleineren Geschwisterkinder auf nachmittäglichen Genuss von Babymöhrchen und Snackgurken umstellen  (beide werden ganz aus dem Häuschen vor Freude sein...). Den Urlaub bei den Schwiegereltern in einem idyllischen bulgarischem Gebirgsstädtchen habe ich für dieses Jahr abgesagt, die Beschaffung und Zubereitung von Nahrung, die die Kinder auch wirklich essen wollen (Lamm und weiße Bohnen sind total lecker- aber das sehen Kinder irgendwie anders...) war schon im letzten Jahr abenteuerlich und da musste ich noch keine KH Einheiten zählen!

14 Tage, in denen sich die Mitglieder unserer Familie teilweise um 180° gedreht haben. Mein Mann, den bis jetzt gar nichts aus seinem Gleichgewicht bringen konnte, saß die ersten Tage völlig fertig neben seinem Sohn im Krankenhaus und konnte es nicht fassen, während unser Kind, das ansonsten überall die größten Gefahren lauern sah (Der Baum da vorne, da dürfen wir nicht langgehen.- Warum nicht?- Das ist eine Eibe.- Und?- Eiben sind giftig!!!- Aber doch nur wenn man sie kaut!- Egal, da gehe ich nicht lang.) auf die Frage seines Vaters, warum er sich denn nicht aufrege, antwortete: "Ist doch eh schon zu spät. Die Krankheit ist doch schon da, da brauche ich mich jetzt auch nicht mehr aufregen."

14 Tage, in denen mir aber auch klar geworden ist, das wir nach vorn sehen müssen. 10 unbeschwerte Jahre sind unserem Sohn geschenkt wurden, er ist schon relativ vernünftig und versteht, was gut für ihn ist und was nicht. Andere, deren Kinder die Krankheit im Säugling- Kleinkind und Kindergartenalter ereilt, trifft es viel schlimmer. Wir sollten nicht soviel darüber nachdenken, was im letzten Jahr, den letzten Monaten oder Wochen gewesen ist, sondern gucken was (und vor allem wie) alles geht. Sicher, aller Anfang ist schwer, aber wie heißt es doch, um einen Berg zu besteigen, muss man den ersten Schritt machen und das werden wir jetzt tun- gemeinsam.

Tags: Elternblog

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