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Schule-Kindergarten

Bin ich auch eine Nervensäge? - Ein Blogbeitrag im Zuckermutterblog

Vor einigen Tagen las ich im Diabetes Journal einen Artikel von dem von mir sehr geschätzten RA Oliver Ebert. Es ging um ein Kind, das wegen seiner Diabetes-Erkrankung nicht zur Schule gehen durfte. Ein schockierender Vorfall sollte er sich wie geschildert, zugetragen haben. Herr Ebert äußerste sich in dem Artikel auch darüber, dass es Eltern gibt, die mit einer übersteigerten Anspruchshaltung und unangemessenen Forderungen Ursache eines solchen Konfliktes sein können.

Mehr Infos und Quellverweis: zuckermutterblog.wordpress.com vom 15.2.2017

Tags: Schule, Rechtliches, Blog

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Diskutiert diesen Artikel im Forum (6 Antworten).

mibi74 antwortete auf das Thema: #104367 02 Mär 2017 11:51
Hallo!

Mein Kind hat inzwischen die Grundschulzeit hinter sich. Rückblickend hätte ich einige Dinge anders gemacht. Doch wenn man so mitten drin steckt, ist es schwer den Überblick zu behalten. Außerdem finde ich, dass es für Eltern nur schwer einzusehen ist, was sie für Rechte und Pflichten haben. Und ob die Pflichten, die ihnen auferlegt werden, wirklich rechtens sind.
Oft steckt der Teufel im Detail. Macht sich an den kleinen Begebenheiten bemerkbar. Ein ganz typisches Beispiel ist der Geburtstag eines Mitschülers in der Grundschule. Was hat das bei uns schon für Tränen gegeben, weil er seinen Muffin nicht gleich essen durfte, sondern erst daheim. Für ihn war das ein Weltuntergang. Doch soll ich deswegen einen Aufstand beim Lehrer proben? Andersherum hat mein Kind Sonderrechte, die hatten seine Mitschüler nicht. Essen und trinken oder zur Toilette während des Unterrichts, waren für meinen Sohn möglich, während seine Klassenkammerraten Strafarbeiten schreiben mussten.

Bestimmt wurde auch ich als Nervensäge eingestuft. Immerhin hatte ich erfolgreich den Versuch abgewehrt mein Kind in eine Behindertenschule schicken zu wollen. Das hat mir keine Pluspunkte beschert. Die Grundschule hat sich gewehrt und unterschwellig gedroht, doch ich hatte es durchgezogen und durchgeboxt, dass mein Kind an der Grundschule teilhaben durfte. Auch der Ausschluss vom Sportunterricht für fast drei Monate war ein Schlag in die Magengrube. Nachdem ich eine neue I-Kraft bekam, die die restlichen 30 Minuten abdecken konnte, war das Problem zwar beseitige, doch hat meine Einstellung zur Schule stark beeinträchtigt. Am Ende der Grundschulzeit kam noch ein letzter Versuch den Mehraufwand zu beseitigen, doch wir hatten dem ein Ende gesetzt und unser Kind an einer anderen Schule in einer anderen Stadt angemeldet. Das hat mir auch keine Pluspunkte beschert. Oh nein! Die Klassenlehrerin hatte meinen Sohn noch zur Seite genommen und ihn hinsichtlich dessen bearbeitet. Als mein Sohn mir das erzählte war ich wütend, das gebe ich zu. Für mich war das Thema damit abgeschlossen.

Im Nachhinein bereue ich, dass ich nicht schon in der Grundschule den Weg gegangen bin und mir einen Schulwechsel in eine andere Stadt erkämpft hatte. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass dies der bessere Weg gewesen wäre. Doch wenn man so mitten drin steckt, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Immer wieder dachte ich: "Ist ja nicht so schlimm", "Reg dich nicht auf." , "Das ist die Sache nicht wert.", "Schlaf noch ein paar Nächte drüber, bevor du das Thema ansprichst."

Inzwischen gehöre ich zu den Eltern der "Großen". Inzwischen geht es bei uns nur noch um Schule. Diabetes im Schulalltag hat kaum eine Gewichtung. Natürlich hat er noch immer einen Sonderstatus. Darf essen, trinken und messen während des Unterrichts. Doch er muss vorher fragen und das finde ich auch gut so. Das Einzige, was seither noch nicht vorkam, ist die Reglung, dass er Klassenarbeiten ab einen bestimmten Wert nicht mitschreiben muss. Seine Noten und das hervorragendes Halbjahrszeugnis geben meiner Intuition recht.

Auch wie gut er seinen Diabetes in der Klassengemeinschaft meistert, ist für mich ein Zeichen, dass alles gut läuft.
Rückblickend kann ich sagen, es steht und fällt alles mit dem Lehrer und der kann nur so gut sein, wie das Motto der Schule, die hinter ihm steht. Die Bereitschaft zur Kommunikation. Gegenseitige Wertschätzung.
Reiter antwortete auf das Thema: #104366 01 Mär 2017 21:17
Moin,
ich habe mir mal die offiziellen Informationen zum Thema Diabetes in der Schule "meines" Bildungsministeriums angesehen. (siehe Anhang)
Es startet mit einer allgemeinen Einführung, zeigt recht einfach den Schulalltag eines Kindes mit Diabetes, erläutert den Umgang mit der Krankheit bei Schulausflügen, Klassenfahrten usw. und endet mit dem Bereich "Rechtliches", wo aber leider lediglich darauf hingewiesen wird, dass wir Lehrer nicht verpflichtet sind, bei der medizinischen Betreuung zu helfen.
Was leider fehlt ist das Recht der Kinder auf ein möglich normales Schulleben. Im Schulgesetz Schleswig-Holsteins steht: „Zur Erreichung der Bildungs- und Erziehungsziele sind Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen besonders zu unterstützen. Das Ziel einer inklusiven Beschulung steht dabei im Vordergrund.“ (SchulG S-H §4,11. GVOBl. Schl.-H. S.23ff).
Aber das steht bei vielen leider noch im Hintergrund. Selbst meine immer offene und eigentlich zu allen Hilfestellungen bereiten Schulleitung, die Diabetes-Erkrankunhg war damals kein Problem, verwehrte einem Kind mit Zöliakie die Teilnahme an einer Koch-AG. Da muss das Bewusstsein noch wachsen. Leider haben sich die Eltern nicht gewehrt.
Sillibilli antwortete auf das Thema: #104349 01 Mär 2017 09:08
Da sind wir uns ja alle einig, von pädagogischen Profis erwarte ich ein sachliches Verhalten auch im Umgang mit den Eltern. Auch wenn diese Schwierigkeiten haben ihre Ängste zu bändigen. Die meisten bemühen sich ja vernünftig mit der Schule umzugehen, stossen aber oft auf Granit und unfreundliches Abwimmeln.
Manche Eltern haben Glück und haben nie ein Notfall erlebt, andere haben ihr Kind schon mehrfach im UZ krampfen siehen. Das prägt.
Sachliche Schulungen der Lehrer sind genauso wichtig wie die personelle Unterstützung der Schulen durch Zusatzpersonal, wenn viele kranke Kindern an einer Grundschule sind.
Ab Klasse 5 organisieren sich die meisten Kinder ja selbst. Da braucht es nur Toleranz. Aber vielen Dank für deinen Kommentar. Die Frage wie man mit der Schule umgeht bewegt ja sehr viele Eltern. LG Silke
Sheila antwortete auf das Thema: #104348 01 Mär 2017 08:49

Reiter schrieb: Eine genaue Fortbildung durch Fachpersonal und vor allem emotionslos sachlich ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, Lehrerkollegien bereit zu machen, ein Kind mit Diabetes aufzunehmen und zu betreuen.


Hallo,
das ist auch meine Meinung. Angst und Panik der Eltern erzeugt wiederum Gegenangst und Ablehnung bei dem Betreuungspersonal. Ich halte es so: So wenig Informationen wie möglich, so viel wie nötig. Alles andere erzeugt nur Ängste, Überforderung und Ablehnung.

Ich denke, je gelassener die Eltern sind, desto gelassener auch das Betreuungspersonal. Das überträgt sich. Und manchmal ist das Betreuungspersonal dann doch bereit mal einen Blick extra drauf zu werfen, wenn man es eben nicht verlangt, sondern einfach freundlich - ohne jegliche Forderung - bittet. Sich festnageln zu lassen, mag keiner und würde ich selbst auch nicht machen, aber dann doch unterstützen, je nach Möglichkeit geht dann doch öfter als gedacht.

Wenn das Kind ständig unterzuckert und Fremdhilfe benötigt, ist das natürlich schwierig. Ich bin sehr froh, dass mein Kind Unterzuckerungen tagsüber zuverlässig merkt und noch keine Fremdhilfe benötigt hat. Vielleicht würde ich anders sprechen, wenn ich es auch anders erlebt hätte.
Die Notfallspritze war bei uns nie Thema, weder im Kindergarten noch in der Schule, ich habe es nie angesprochen und verlangt, obwohl er die ständig in seiner Blutzuckertasche dabei hat, würde die wohl kein Fremder einfach so "bedienen".
Wenn es tatsächlich zu einem Notfall kommt, muss der Notarzt gerufen werden!

Auch aus Sicht des Kindes ist es sinnvoll, gelassen mit dem Diabetes umzugehen, denn auch das überträgt sich auf das Kind und schränkt es womöglich - wie auch immer - ein.

Liebe Grüße
Sillibilli antwortete auf das Thema: #104345 01 Mär 2017 08:00
Hi, vielen Dank, dass du so ausführlich geantwortet hast.
Doch, durch den Kontakt mit Lehrern in meinem Freundeskreis bin ich schon mit der Situation in Schulen vertraut. Deswegen habe ich die besondere Situation des Kindes klar und deutich bei der Einschulung dargelegt.
Erstmal ist es meine Erfahrung, dass die Unterstützung von "anderen" Kindern leider sehr nach persönlichen Gewichtungen der Lehrer/Schulleitung geht. Dies ist ja nur möglich, weil es keine verbindliche Regelung gibt, die Kinder und Lehrer unerstützt, mit dieser Aufgabe (und auch anderen "inklusiven" Aufgaben) fertig zu werden. Und da erwarte ich als Mutter auch das Engagement der Schulleitungen, die sich an ihren Dienstherren wenden könnten mit der Forderung nach machbaren Lösungen.
Aber vielen Dank für deine vielen Einblicke in den Arbeitsbereich Schule.

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