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Bericht zum 1.Diabetes-Kids Ski Event 19.03.2017 – 24.03.2017

SK17 CrewSchon Monate vor dem Termin begannen für Michael Bertsch und sein Team die Vorbereitungen. Geschaffen werden sollte ein Event für Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1, sowie ihre Eltern.

Soweit, so gut, doch waren die Ziele hochgesteckt. Es sollte eine Woche organisiert werden in der die Erkrankung der Kinder gleichermaßen im Vordergrund, wie auch im Hintergrund steht.

Ein Event, welches den Austausch fördern sollte, während es zugleich Hilfestellungen gibt und dass nach Möglichkeit so, dass kein Diabetiker nur auf seine Krankheit reduziert wird.
Ziel war es, den Kindern endlich mal wieder das Gefühl zu geben, dass sie ganz normal sind.

Es ist nicht immer leicht mit Diabetes mellitus zu leben, weder für die Kids, noch für die Eltern und so sollte für alle eine Möglichkeit geschaffen werden, Kraft zu tanken. In wieweit das geklappt hat, möchte ich hier nun einmal berichten.

Diabetes Kids Skievent2017

Aber bevor ich loslege, mal ein kurzes Wort zu „Ich“.

„Ich“ bin Sabrina. Ich gehöre nicht zur Crew, sondern bin Mama eines seit acht Jahren an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankten Kindes. Damian war damals zweieinhalb, als die nervige Zecke DM bei uns einzog und versuchte, unseren Alltag auf den Kopf zu stellen.

suess suesser die suessestenOk, ich gebe zu, in mancher Situation hat der Diabetes es auch geschafft. Wir, sprich mein Mann und ich, versuchen immer auf einem aktuellen Stand zu sein, was die Therapiemöglichkeiten betrifft und Damian so normal wie möglich aufwachsen zu lassen. Wir haben viel erlebt. So viel, dass ich sogar ein ganzes Buch über das Leben mit Diabetes mellitus Typ 1 geschrieben habe. Aber an einem Event in dieser Form hatten wir bisher noch nicht teilgenommen.

Damians Freude darüber, dass er eine Woche von der Schule befreit wurde, wandelte sich schnell in Angst. Angst, auf einem Berg in 2315m Höhe gefangen zu sein. Gefangen zwischen lauter Erwachsenen und Mädchen.

Mädchen, die am liebsten mit rosa Schleifchen umherrennen und ihn mit ihren Anna und Elza Püppchen verfolgen würden. Der Stoff, aus dem wahre Albträume sind. Aber was wäre dann? Was würde er dann tun? Schularbeiten? Fünf Tage lang?

Nein, wir haben es nicht geschafft seine Zweifel zu zerstreuen und uns irgendwann gedacht, dass er es schon sehen wird. Uns war klar, dass wir während der Zeit auf viele Kinder mit Diabetes treffen werden. Damian hingegen konnte sich das nicht recht vorstellen. War er doch in seiner Klasse, im Sportverein, eigentlich überall immer der einzige, der sich nebenbei auch noch um seinen Diabetes zu kümmern hatte.

Am Sonntag war es dann soweit. Nach mehreren Stunden Fahrt kamen wir erschöpft aber glücklich endlich an der Talstation Enzingerboden an. Jetzt trennte uns nur noch eine etwas längere Gondelfahrt von unserem Domizil für den Rest der Woche.
Michael hatte sich für dieses Event das Berghotel Rudolfshütte ausgesucht. Ein Hotel auf 2315m Höhe umgeben von Skipisten. Keine anderen Häuser, oder gar Geschäfte gab es dort oben. Einzig das Hotel, welches fast ausschließlich von uns, den Diabetikern mit ihren Familien, eingenommen werden würde.

Schon vorher war das Diabetes-Kids Team mehrfach in das Hotel gereist, um alle Feinheiten zu besprechen. Dinge, an die während eines normalen Hotelbetriebes keiner denken würde. Dinge, die für jeden Gesunden irrelevant sind. So zum Beispiel, dass ein Kühlschrank in die Eingangshalle gestellt wurde, damit jeder die Möglichkeit hatte, sein Insulin und die Notfallspritze dort aufzubewahren.

Oder auch das Essen. Vor jedem Gericht sollte immer ein Schild stehen, dass die Kohlenhydrate ausweist. Auch musste mit der Skischule gesprochen werden. Skikurse voller Kids mit Diabetes sind schließlich nicht die Regel und bringen immer Überraschungen mit sich. Dieses und vieles mehr, wurde besprochen, geplant und umgesetzt.

Aber zurück zu uns.

Nachdem mein Mann die ersten Formalitäten an der Talstation geregelt hatte, ging es zur Gondel. Hier wurde erstmal jeder, der Kinder dabeihatte, sowie Gepäck für mehrere Tage abgecheckt. Tja und so entstanden auch schon die ersten zaghaft geknüpften Kontakte. Sicher, es sind nicht alle im selben Moment angereist, aber wenn sich 265 Personen zwischen 9 Uhr und 16 Uhr an der Talstation einfinden müssen, um noch hoch in das Hotel zu kommen, so trifft man sich einfach.
In unserem Fall war es übrigens eine Familie aus Cottbus, mit der wir uns die Gepäckgondel teilten und schon mal ein kurzes „Hallo“ und „Gehört ihr auch zur Diabetes-kids-Gruppe“ austauschten.

SK17 ZimmerOben angekommen galt es erstmal das Zimmer zu beziehen und sich beim Skiverleih zu melden, sofern man denn Skier leihen wollte.

Ja, man musste beim Skiverleih etwas warten und insbesondere am frühen Nachmittag sich erstmal in die Schlange einreihen. Aber sind wir mal realistisch. Ich glaube kaum, dass dieser kleine Verleih, der seine Lager innerhalb des Hotels im Keller hatte, schon mal zeitgleich so viele Reservierungen zu bewältigen hatte. Insbesondere von Kinderausrüstung. Sicher haben wir alle die Daten und Größen des benötigten Equipments mit der Reservierung gemeldet, aber sicher waren wir nicht die einzige Familie, deren Kind in der Zeit vom Daten melden, bis zum tatsächlichen Gebrauch nochmal einen Satz nach oben gemacht hat. Somit passten dem ein oder anderen die angedachten Schuhe nicht mehr und es mussten erst andere anprobiert werden. So etwas kostet Zeit, da alle jedoch passende Materialien haben wollten, hielt sich die Aufregung darüber warten zu müssen jedoch in vertretbaren Grenzen.

Das Tagesprogramm am Sonntag war zum Glück übersichtlich. Nach dem Auspacken traf man sich in der Lobby, um dem Willkommenstreffen und der Vorstellung der Crew beizuwohnen.

Natürlich hat auch die Hotelcheffin ein paar Worte gesagt und einige Regeln klar definiert. Ich muss gestehen, ich kam im ersten Moment nicht umhin zu glauben, dass sie etwas Sorge um ihr Hotel hatte, bei den vielen Kindern, die wild durcheinanderrennen würden. Inwieweit sich Ihre eventuellen Ängste bestätigen würden, würde sich in den nächsten Tagen sicher noch zeigen.

Wenn 265 Personen das Abendbuffet stürmen würden, würde es nur zu unnötigen Reiberein und Komplikationen kommen. Somit wurden wir alle in empfohlene Gruppen eingeteilt. Waren Familien mit kleinen Kindern mit dabei, so bekamen diese beim Essen den Vorrang, während Familien mit größeren Kindern gebeten wurden, erst später zum Essen zu gehen. Ein System, welches sich zwar im Laufe der Tage etwas mischte, aber an sich erstmal für einen entspannten Gang zum Buffet sorgte.
Auch wir waren der ersten Gruppe zugeordnet und wollten nun unser erstes Essen im Berghotel Rudolfshütte einnehmen.

An sich kein Ereignis, welches besonders erwähnenswert ist, zumindest im Normalfall. In diesem Fall jedoch, möchte ich doch davon berichten.
Das Essen selber war absolut in Ordnung. Die Auswahl war gut, so dass jeder etwas nach seinem Geschmack finden konnte. Auch hat das Hotelteam darauf geachtet, dass vor den einzelnen Gerichten immer die Inhaltsstoffe inkl. Angabe der Kohlenhydrate pro 100g auf Kärtchen angegeben wurden. Somit sollte der Akt des Abendessens für alle erleichtert werden.

Eine gute Idee, die wirklich geholfen hat, auch wenn man sie in ihrer Feinheit für die Zukunft noch verbessern könnte. Doch wirklich begeistert hat mich an diesem Abend etwas ganz Anderes....

Wir gingen zum Essen und während insbesondere die Kinder noch etwas verhalten waren und sich recht ruhig ihr essen holten, sollte sich das schlagartig ändern.
Die Speiseräume waren voll und jede Familie noch ein bisschen für sich an ihrem Tisch. Für alle, die diesen Bericht lesen und selber keine Erfahrungen mit Diabetes haben sei gesagt, dass die Kids nicht einfach wild Essen holen und reinhauen dürfen. Der Hunger muss warten, bis der Diabetiker erst gewisse Aufgaben vollzogen hat. So galt es für die Kids erst ihren Blutzucker zu ermitteln, dann ihr Essen zu wiegen oder schätzen und die diesbezüglichen Kohlenhydrate zu berechnen. Die Kohlenhydrate mussten dann in Insulin umgerechnet werden, welches mit einer eventuellen Verzögerung zu injizieren war. Das klingt jetzt vermutlich nach einem riesigen Aufwand, ist aber ein Umstand, der den Diabetikern selbst, bzw. ihren Familienmitgliedern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es gehört zum Leben dazu, wie das tägliche Zähneputzen. Jedoch ist es in der normalen Welt eher seltener zu beobachten.
Hier war es jedoch so, dass auf nahezu jedem Tisch des Speisesaales irgendetwas im Punkto Diabetestherapie zu finden war. Waagen, Messgeräte, Pens, Pumpensteuerung... Diabetes war auf einmal überall, ganz präsent und greifbar. Und genau da ist es passiert. Die Kinder realisierten auf einmal, von wem sie umgeben waren. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und auf einmal hörte man überall Fachgesimpel. Fachgesimpel der Kids. „Seit wann hast Du denn Diabetes?“, „Welche Pumpe hast Du denn?“, „Schau mal meine Tasche, ist die nicht toll“, „Ihh, da sind ja Einhörner auf Deiner Pumpentasche. Totenköpfe sind doch viel cooler!“ Es wollte und sollte – zum Glück- kein Ende nehmen. Die Kinder waren von jetzt auf gleich einfach normal. Diabetes war allgegenwärtig und sollte ein Kind auf die Frage: „Seit wann bist Du Diabetiker?“. Antworten mit: „Ich habe gar kein Diabetes.“, musste es abschätzende Blicke und ein „Wie, jetzt?“ erdulden. Da half dann auch nicht der Hinweis, dass der Bruder, oder die Schwester erkrankt seien.

Mit einem Mal waren die Diabetes-Kids die normalen Kinder. Und wie das immer so ist, kommen über die Kinder auch die Eltern ins Gespräch. Nach dem Essen entstanden die ersten Mischungen und es wurde sich ausgetauscht. Das erste Ziel der Diabetes-Kids Crew war somit erreicht. Diabetes war überall, jedoch nicht dominierend. Die Kinder waren sich der sie umgebenden Krankheit bewusst, dennoch war sie nicht dominant. Sie gehörte für alle einfach dazu. Das Eis war somit bei den meisten gebrochen und die Atmosphäre locker und entspannt.

Wir für unseren Teil, die wie gesagt, das erste Mal an einem solchen Event teilgenommen haben, waren von diesem Ereignis gleichermaßen begeistert, wie gerührt. Das erste Mal, seit 8 Jahren, durfte Damian wieder ein ganz normaler Junge sein, der nicht erklären musste, was er hatte und warum er etwas therapiebezogenes tat.

Die Reise hatte sich somit alleine deswegen schon gelohnt....

DSK17 Kidstreffie Kinder trafen sich an diesem Abend noch in Altersgruppen aufgeteilt zu einem Kennenlerntreffen. Ein Beschnuppern hatte zwar schon wie beschrieben, während des Essens stattgefunden, doch lernten sie so die Kinder kennen, welche in ihrem Alter waren und vielleicht noch nicht angetroffen wurden. Ein weiterer Moment, der sie einander näherbrachte und Freundschaften entstehen ließ.

SK17 VortragZeitgleich fanden die ersten Gesprächsrunden zum Thema: „Alternative Pumpen und CGM/ FGM Systeme Vor- /Nachteile“, sowie „Umgang mit nächtlichen Messungen – Mut zum Loslassen oder besser nicht?“ statt.
Um innerhalb der Runden eine bessere Kommunikation zu ermöglichen, wurde auch hier mit einer Gruppeneinteilung gearbeitet.
Wer an diesem Abend an keiner der beiden Gesprächsrunden teilnahm lies in der der Regel den Tag an der Bar oder in der Lobby bei einem Bierchen oder dem Tagescocktail entspannt ausklingen.
Hier ergaben sich automatisch dann Gespräche und unabhängige Gesprächsrunden zu den verschiedensten Themen – natürlich nicht nur den Diabetes betreffend.

Auch versuchte das Hotel für ein gewisses Programm zu sorgen. Der angedachte „Pinzgauer Heimatabend“ wurde jedoch recht schnell von einigen Kindern in die Hand genommen, die alle mit den verschiedensten vorhandenen Instrumenten versuchten den Musiker zu unterstützen. Ob dieses Unterfangen gelang, oder misslang, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter beurteilen. Es war in jedem Fall sehr.... speziell.

Wir für unseren Teil verschwanden an diesem Tag zugegebenermaßen recht schnell nach Damians Kids-Treffen auf unserem Zimmer. Die Anreise und die Eindrücke forderten ihren Tribut. Aber wir waren sicher, in den nächsten Tagen würden wir noch viele weitere tolle Gespräche führen und auch Damian würde sich hier pudelwohl fühlen.

So harmonisch, wie es trotz stressigem Anreisetag anfing, so sollte es auch weitergehen.

Für alle Teilnehmer stand ein Zeitfenster von dreieinhalb Stunden zum Frühstücken zur Verfügung, welches aus einem reichhaltigen Frühstücksbuffet bestand. Zudem konnten wir im angrenzenden Selbstbedienungsrestaurant ein Lunchpaket packen.
Auch gab es wieder regen Austausch unter den Kindern, wie auch unter den Eltern.

SK17 SkischuleDann verteilten sich die Kinder nach und nach auf ihre Treffpunkte für die erste Skistunde. Es gab diverse Kurse, so dass Anfänger, die das erste Mal Skier unter den Füßen hatten ebenso auf ihre Kosten kommen sollten, wie Fortgeschrittene, oder Snowboarder.
Natürlich wurde die Ski-Schule Lederer nicht einfach so mit den Kids alleine gelassen. Die Diabetes-Kids Crew war auch hier verteilt immer präsent, um zu unterstützen. Und damit war nicht nur die Diabetes-Notfallbetreuung gemeint. Es zeigte sich zum Beispiel, dass Bastian Hauck durchaus eine Qualifikation zum Skilehrer hat, nachdem er unserem Anfänger Damian das Fahren im Schneepflug beibrachte. Natürlich wurde sich auch der anderen Kids angenommen. Crewmitglieder, beispielsweise Semik Khodaverdi, die selber kein Ski fahren konnten, wagten ebenfalls die ersten Versuche im Skikurs.

Der Tag wurde dominiert von tollem Wetter und guter Laune.
Da nahezu nur wir, die Teilnehmer dieser Freizeit, das Skigebiet rund um die Rudolfshütte eingenommen hatten, erkannte man sich doch schnell vom Abend davor wieder. In den Pausen lernte man sich in geselligen Runden weiter kennen und genoss zusammen das Kaiser-Wetter.
Mittags genossen einige ihr Lunchpacket in der Sonne der Mittelstation, während andere ihre Pause in der Rudolfshütte verbrachten.
Nachmittags wurde dann wieder das schöne Wetter an der frischen Luft genossen. Die Skifahrer auf ihren Brettern und die Nicht-Skifahrer auf der Terrasse des Hotels, oder an der Skischule, während sie den Anfänger-Kids zuschauten und sie motivierend lobten.

SK17 SonneDoch auch wenn die Lifte um 16 Uhr ihren Betrieb einstellten, hieß das nicht, dass wir uns alle gleich auf unsere Zimmer verzogen. Zu schön war das Wetter, so dass die Kinder im Haus, oder draußen im Schnee spielten, während viele von uns auch noch die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse genießen konnten.

Bis zum Abendessen war noch Zeit, die man auf die unterschiedlichsten Weisen verbringen konnte. Saunieren, Schwimmen, Fitness-Center und Spielezimmer. Für jeden war etwas dabei. Ich selber wollte mit meinem Mann noch ein bisschen in der Lobby lesen, da es dort geselliger war. Tja, was soll ich sagen, aus dem Lesen wurde nichts. Ganz schnell waren wir wieder im Austausch mit anderen Eltern. Ganz unverfänglich wurden Fragen nach der Zufriedenheit eines Pumpensystems, oder CGMs ausgetauscht. Auch Erfahrungen aus dem Alltag, sowohl positiver, als auch negativer Natur wurden besprochen. Man musste nichts zum Diabetes erklären, sondern konnte sich seine Frustration, oder auch Euphorie einfach mal von der Seele quatschen und schnell erkannten auch wir Eltern, dass wir in einer Gemeinschaft wahren, die uns Verstand, ähnliches teilte und oft sogar Tipps hatte, die man versuchen wollte. Nicht nur die Kinder, sondern auch wir Eltern hatten somit an diesem und an den noch folgenden Tagen die Möglichkeit Kraft zu schöpfen.

SK17 RundeDas Programm bestand an diesem Abend aus einer geführten Fackelwanderung, einer Einweisung für die größeren Kids an der Kletterwand, sowie weiteren Gesprächsrunden, a la: „Diabetes & Sport“, oder für die Kids: „Was nervt mich am Diabetes.“
SK17 SchwimmbadKindern ab zehn stand nach dem Essen auch noch einmal das Hoteleigene Schwimmbad offen.
Wir erwachsenen trafen uns wieder zum Schlummertrunk an der Bar oder in der Lobby. Einige unterhielten sich, andere spielten Spiele.

 

 

Auch die folgenden Tage liefen ähnlich entspannt ab. Tolles Wetter, Skiing, Gespräche und vor allem entspannte Kinder.
Eine Zaubershow sollte am Nachmittag die Kinder und abends die Erwachsenen zum Staunen bringen, Roche präsentierte sein neues Messgerät und stand für viele Fragen rund um vergangene, aktuelle, aber auch zukünftige Systeme zur Verfügung und natürlich gab es wieder die Diskussionsrunden und Vorträge.

Zudem gab es eine Lesung aus dem Buch: „Süß, süßer, die Süßesten“, welche die Zuhörer emotional mitriss. Hier wurde gelacht, gestaunt und geweint.

Zum Staunen hat mich aber an diesen Tagen doch jemand anderes gebracht. Genauer gesagt, eine junge Dame namens Vegas. Richtig, es handelt sich hier nicht um ein Mädchen, oder eine Frau, sondern um einen Diabetiker Warnhund. Auch wenn ich selber schon nahezu panische Angst vor Hunden habe, so finde ich das Thema Hundebegleitung super interessant. Und wie der Zufall es wollte, setzte ich mich eines nachmittags todesmutig zu Vegas und ihrem Frauchen. Und auch wenn Frauchen wusste, dass ich weiß Gott kein Hundefreund bin, hat sie mir alle Fragen beantwortet und genau erklärt, wie die Ausbildung war, wie Vegas Menschen scannt und im Bedarfsfall auch anzeigt, dass zu reagieren ist. Ein für mich sehr spannendes Gespräch, an deren Ende ich sogar – wenn auch nicht ganz freiwillig- meine Angst in Bezug auf diesen speziellen Hund soweit überwunden hatte, dass ich ihn streichelte.
Warum ich diese kleine Episode hier berichte? Nun, weil ich es einfach als ein tolles Beispiel empfinde, wie offen und vorurteilsfrei die Teilnehmer dieses Diabetes-Kids Events miteinander umgegangen sind. Von Anfang an war klar, dass wir alle im selben Boot sind. Man musste nicht lange um Hilfe bitten, wenn man welche benötigte. Im Bedarfsfall bekam man sie einfach. Schnell und unkompliziert. Egal ob von seitens des Hotels, der Diabetes-Kids Crew, oder den Teilnehmern untereinander.

Der Donnerstag sollte leider schon der letzte Tag dieses wirklich tollen Events werden. Tagsüber wurde es noch einmal richtig spannend. Die Skischüler und die Crew mussten sich dem gefürchteten Abschlussrennen stellen. Wer würde es schaffen, einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern? Würde es Medaillen regnen?

Na gut, ganz so war es nicht. Aber ein Abschlussrennen gab es wirklich. Allerdings war uns Eltern total schnuppe, wer da gerade den Berg runterfuhr. Wir feuerten alle Teilnehmer des Rennens an. Wichtig war nicht, wer letztendlich gewann, sondern, dass alle Spaß hatten.

Und genau so war es. Die Siegerehrung war für die Kids natürlich das größte und egal, welchen Platz sie gemacht hatten, nahmen sie ihre Medaillen mit Stolz entgegen. Auch das Maskottchen der Skischule ließ es sich nicht nehmen, dem ein oder anderen Gewinner zu Gratulieren.

Am Ende der Siegerehrung war dann der Moment gekommen, bei dem uns alle klar wurde, dass diese wunderschöne Woche nun ihrem Ende zuging. Die Abschlussfotos wurden gemacht. Für alle Teilnehmer hieß es raus vor das Hotel und mit identischen Diabetes-Kids Mützen, welche freundlicherweise von Roche gesponsert wurden ein Gruppenbild machen lassen. 265 Personen nahmen mit einem lachendem und einem weinenden Auge ihren Platz für das Shooting ein, um spätestens danach geliehenes Equipment zurück zu bringen und mit dem Packen zu beginnen.

Der letzte Abend im Hotel stand unter dem Programmpunkt „Hüttenzauber“. Eine Familiendisco, bei der einige eine flotte Sohle auf das Parket legten. Gefühlt war an diesem Abend die Lobby besonders voll. Fast, als wolle jeder diesen letzten Abend genießen und ihn festhalten so lange es ging.
Am Freitag würden sich unser aller Wege nämlich erstmal wieder trennen, wenn wir den Weg in die Heimat antraten.

Während dieser Tage hatten wir vor Ort alle mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen. Beispielsweise ließ die Luft, der Sport, das Essen, die Eindrücke – kurz das gesamte Umfeld, bei nahezu allen Diabetikern die Werte Kopf stehen.

Der Körper zeigte natürlich eine Reaktion, und es gab somit ganz klar diverse Kids mit Unterzucker, sowie mit Überzucker.

Doch half man sich einfach in dieser, wie auch in anderen Situationen und somit empfand ich selbst das Händeln ausgerissener Werte als absolut unkompliziert.

Sind wir doch mal ehrlich, nur, weil ein Wert mal 2h weit über dem Soll liegt, geht nicht gleich die Welt untern.

Wie sagte Semik so schön: „Es gibt keine guten und keine schlechten Werte. Es gibt nur zu hohe, normale und zu niedrige Werte.“ Und damit hat er absolut recht.

Ja, es gab Zwischenfälle, aber das war vorherzusehen. Neben Zuckerentgleisungen gab es auch einen gebrochenen Arm. Dennoch, dass allgemeine Feedback war und ist, soweit ich es vernehmen konnte durchweg positiv.

Zum Abschluss meines Berichtes möchte ich noch einmal einen großen Dank an alle Mitglieder des Diabetes-Kids Teams loswerden.

Ihr habt eine beeindruckende Arbeit geleistet und es geschafft, dass wir, egal ob Groß oder Klein ein paar wirklich herrliche Tage in Österreich verbringen durften.
Damian, sowie alle anderen Kids waren seit langem mal wieder einfach nur normale Kinder, die zusehends aufblühten.

Auch wir Eltern konnten viele Informationen, ebenfalls ganz viel Kraft sammeln.

Sicher ist ein Leben mit Diabetes in der heutigen Zeit sehr gut möglich, dennoch ist es zugegebenermaßen nicht immer „nur“ Diabetes.

Die Tage auf der Rudolfshütte haben ganz klar dazu beigetragen und unterstützend gezeigt, dass wir alle den Diabetes beherrschen und nicht er uns.

Freudig haben wir am letzten Abend Eure Nachricht vernommen, dass dieses nicht das letzte „Diabetes-Kids Ski Event“ war und freuen uns, nächstes Jahr vielleicht wieder dabei sein zu dürfen.

Unsere Kinder sind alles kleine Helden, wir ihre stärkenden Begleiter und Ihr, Ihr seid die guten Seelen, die dieses Event zu einer ganz besonderen Erfahrung gemacht haben…

Vielen Dank

Sabrina B. Blut

Hinweis von Diabetes-Kids: Herzlichen Dank an Sabrina für diesen tollen Bericht.

Hier noch ein Video zu diesem tollen Event:

https://youtu.be/dkgkyaqwExE 

Hinweis: Dieses Video lässt sich aufgrund von Einschränkungen von Youtube nicht auf allen Smartphones oder Pads abspielen.

Tags: Elternblog, Veranstaltungen, Diabetes-Kids Event, Skifahren, Ski Events

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